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Spanische Hürden für Eon : Enel kauft weitere sieben Prozent an Endesa

  • Aktualisiert am

Der italienische Ministerpräsident Prodi mit seinem spanischen Kollegen Zapatero Bild: REUTERS

Einiges spricht dafür, dass Enel die Übernahmepläne von Eon durchkreuzen will. Schon wieder hat das Unternehmen Anteile an Endesa gekauft. Beobachter munkeln, Zapatero und Prodi hätten sich darauf verständigt, dass im Gegenzug die spanische Telefonica bei der Telekom Italia einsteigen darf.

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          Der italienische Versorger Enel kauft weitere sieben Prozent an dem von Eon umworbenen spanischen Konkurrenten Endesa. Dies sei Teil einer Aktientausch-Vereinbarung mit der Schweizer Großbank UBS, erklärte der Konzern am Donnerstag in Mailand. Der Kauf müsse noch von den spanischen Aufsichtsbehörden gebilligt werden. Enel zahle im Schnitt 39 Euro je Endesa-Aktie.

          Enel war in dieser Woche überraschend mit knapp zehn Prozent bei Endesa eingestiegen und hatte eine Aufstockung auf bis zu 25 Prozent nicht ausgeschlossen. Das italienische Unternehmen ließ offen, ob es die Übernahmepläne von Eon für Endesa durchkreuzen will.

          Strategie vermutlich auf höchster Ebene abgestimmt

          Es spricht aber einiges dafür, dass es Ziel von Enel sein dürfte, zusammen mit dem spanischen Baukonzern Acciona die deutschen Übernahmepläne zu durchkreuzen und Endesa zu kontrollieren. Entscheidend wird dabei die Hauptversammlung am 20. März. An diesem Tag wollte Eon die Stimmrechtsbegrenzung von 10 Prozent bei Endesa aufheben lassen. Enel kündigt dagegen an, man werde wie Acciona für eine Beibehaltung der Stimmrechtsbegrenzung stimmen. Der Wegfall der Stimmrechtsbegrenzung ist die wichtigste Voraussetzung, unter der Eon Anfang Februar den Endesa-Aktionären ein Übernahmeangebot zu einem Aktienpreis von 38,75 Euro beziehungsweise einem Gesamtwert von 41 Milliarden Euro formal unterbreitet hat.

          Beobachter vermuten, dass die Strategie auf höchster Ebene zwischen Italien und Spanien abgestimmt ist. Vor einer Woche hatten sich der spanische Ministerpräsident Zapatero und sein italienischer Kollege Prodi auf Ibiza zu vertraulichen Gesprächen getroffen. Dabei soll die Beteiligung von Enel an Endesa einerseits und der Einstieg der spanischen Telefongesellschaft Telefónica bei Telecom Italia andererseits vereinbart worden sein.

          Eon unter starkem Erfolgsdruck

          Die notwendige Zustimmung der neuen Rolle von Enel bei Endesa durch die spanische Regierung wird deshalb allgemein erwartet. Somit dürften sich die Aussichten für Eon in Spanien deutlich verschlechtern. Die erste Reaktion des Düsseldorfer Energiekonzerns am Mittwoch war karg: Eon führe trotz der Aktienkäufe von Enel das Übernahmeangebot für Endesa unverändert fort. Nur das von Eon unterbreitete Angebot richte sich an alle Endesa-Aktionäre, lautet die knappe Stellungnahme.

          Dabei steht Eon unter enormen Erfolgsdruck. Mit Endesa will der bereits größte Versorgungskonzern in Europa auch den ersten paneuropäischen Strom- und Gaskonzern schaffen. Fast ein Jahr hat dieses Ziel nicht nur erheblich Managementkapazität gebunden, sondern Eon auch davon abgehalten, sich intensiv um eine Alternative zu bemühen. Sollte das Unternehmen kurz vor dem Ziel doch noch durch eine spanisch-italienische Allianz abgefangen werden, dann stünde Eon fast noch schlechter da als der deutsche Wettbewerber RWE. Beide Versorgungskonzerne haben eine hohe Finanzkraft aufgebaut, aber keine attraktiven Gelegenheiten, diese in ihren Geschäftsausbau zu investieren. Damit würde auch Eon zu einem Übernahmekandidaten, wenngleich der Börsenwert von Eon, rund 70 Milliarden Euro, den von RWE noch um 30 Milliarden Euro übersteigt.

          Enel bislang glückloser Abenteurer

          Für den Fall, dass der Plan von Enel Erfolg hat, sprechen die Italiener von einer strategischen Zusammenarbeit der beiden Energiekonzerne. Dabei gibt es allerdings Überlappungen auf den Energiemärkten in Italien und Spanien, die den Wettbewerbsgrad verringern würden. Enel besitzt bereits Viesgo, einen kleineren spanischen Stromanbieter. Endesa ist sogar der drittgrößte Stromlieferant in Italien nach Edison, einer Tochtergesellschaft der französischen Electricité de France. Würde Eon Endesa kaufen, sähe sich Enel auf dem Heimatmarkt der Konkurrenz zweier ausländischer Großkonzerne ausgesetzt.

          Bei Enel wird relativ offen zugegeben, dass man die Manöver der Deutschen stören will. Enel-Präsident Fulvio Conti beabsichtigt, in der Konzentration der Versorgerbranche Europas eine aktive Rolle zu spielen. Dazu hatte Enel zunächst große Investitionen in Osteuropa getätigt und dann vergeblich versucht, den französischen Versorgungskonzerns Suez zu übernehmen. Dagegen hat sich Frankreichs Regierung gestemmt und dabei Enel zu einem glücklosen Abenteurer gestempelt.

          Kein Kommentar von der Bundesregierung

          Ulrich Wilhelm, der Sprecher der Bundesregierung, äußerte sich zurückhaltend. Es handele sich um einen Vorgang, der sich zwischen Unternehmen auf dem Markt vollziehe. Deshalb kommentiere ihn die Bundesregierung nicht. „Die italienische und die spanische Regierung haben versichert, dass es keine Absprachen zu Lasten von Eon gegeben hat. Diese Information ist für die Bundesregierung maßgeblich“, sagte Wilhelm.

          Enel selbst hat Spekulationen über ein Bündnis mit anderen Anteilseignern des spanischen Energiekonzerns zur Abwehr des Eon-Übernahmeangebots zurückgewiesen. Es sei noch keine Entscheidung getroffen worden, wie sich Enel zu der Offerte des deutschen Konzerns für Endesa stellen wird.

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