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Sozialversicherung : Viel Rente für den Anwalt

  • -Aktualisiert am

Auch Ärzte können sich auf hohe Altersbezüge freuen Bild: dpa

Die Altersbezüge von Freiberuflern sind deutlich höher als die gesetzliche Rente. Das Rezept: Kapital bilden und lange arbeiten.

          3 Min.

          "Mein Rente ist sicher", sagt Thomas Kainz. Das hört man gern, zumal die meisten Deutschen das nicht behaupten können. Doch kann man es glauben? Man kann. Der 38 Jahre alte Rechtsanwalt aus Stuttgart ist inklusive der Zusatzzeiten aus Studium und Referendariat seit 18 Jahren Mitglied im Versorgungswerk der Rechtsanwälte. Zu Anfang bezahlte er wenig, dann immer mehr. Seit drei Jahren überweist er den Höchstsatz: knapp 1000 Euro monatlich. Macht er so weiter, steht ihm nach heutigen Berechnungen eine Altersrente von 2273 Euro zu.

          Solche Beträge sind unerreichbar für gesetzlich Versicherte gleichen Alters - auch wenn der Höchstsatz einbezahlt wird. Anwalt Kainz kann zudem mit einer jährlichen Rentenanpassung rechnen, was den Anspruch deutlich erhöht. Wie hoch die Anpassung ist, darüber schweigt sich das zuständige Versorgungswerk aus. Überhaupt meidet man bei dieses Thema die Öffentlichkeit. "Wir haben kein Interesse an Kalkulationen über die Rentenhöhe unserer Mitglieder", sagt Michael Jung, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV).

          „Bis zu 80 Prozent mehr Rente“

          Die wohl berechtigte Angst vor Neid grassiert. Dennoch ist die Geschichte erzählenswert. Denn deutlicher kann das Versagen der gesetzlichen Rentenversicherung, wo die Beiträge steigen und die Leistungen sinken, nicht dokumentiert werden. Klassische Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten oder Apotheker sind von der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenkasse befreit. Sie müssen ihre Beiträge statt dessen an die Versorgungswerke ihrer Zunft überweisen.

          Anders als die gesetzlichen Kassen wirtschaften diese Versorgungsanstalten auf Basis der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Das lohnt sich: "Bei gleicher Beitragszahlung bringt das Versorgungswerk bis zu 80 Prozent mehr Rente als die gesetzliche Versicherung", so ein Freiberufler, der sich die Mühe machte, die Alternativen durchzurechnen, aber natürlich ungenannt bleiben möchte.

          Treppenwitz der Geschichte

          Kein Wunder, daß seit den neunziger Jahren immer mehr Berufsgruppen versuchten, aus der gesetzlichen Kasse auszuscheren, um die Versorgung selbst in die Hand zu nehmen. 1995 einigten sich die politischen Parteien auf die sogenannte "Friedensgrenze", die den Aufbau neuer Versorgungswerke gesetzlich beschränkte.
          Dennoch gibt es vor allem in der SPD immer wieder Vorschläge, die freien Berufe mit ins Boot der gesetzlichen Rentenversicherung zu holen. Die Diskussion überrascht, wenn man die Geschichte kennt.

          Im Zuge der Rentenreform 1957 haben CDU und SPD gleichermaßen den freien Berufen aufgetragen, sich selbst um ihre Rente zu kümmern. "Das könnt ihr selber", schallte ihnen entgegen. Sie sollten an den Segnungen des Umlageverfahrens nicht teilhaben. So entstanden die Versorgungswerke. Rückblickend ein Treppenwitz der Geschichte, denn anders als die gesetzlichen Kassen sind die Standeskassen prall gefüllt.

          Ausbezahlt wird nur an den, der einbezahlt

          Bei den Versorgungswerken arbeitet man ohne Staatszuschuß - und das alles ist kein Hexenwerk: "Bei den freien Berufen gibt es deutlich weniger Erwerbsunfähigkeitsfälle als in anderen Berufsgruppen. Zudem arbeiten die Selbständigen länger. Die muß man mit 65 Jahren in die Rente prügeln", erklärt Gert Wagner, Rentenexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), den Erfolg der Versorgungswerke. Zudem: Es gibt kaum Arbeitslose in diesen Kreisen, und die Kassen werden durch keine versicherungsfremden Leistungen belastet. Kurzum: Ausbezahlt wird nur an den, der einbezahlt. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung ist der Rentenabschlag bei Frühverrentung mit 0,5 Prozent auch fast doppelt so hoch. Außerdem bezahlen Selbständige wie Anwalt Thomas Kainz den Arbeitgeberanteil voll aus eigener Tasche.

          Die berufsständischen Versorgungswerke verwalten derzeit rund 75 Milliarden Euro für ihre 630000 Mitglieder. Die Anlagepolitik richtet sich nach den Regeln der Versicherungswirtschaft. Rund 45 Prozent der Gelder sind in Schuldverschreibungen investiert, gut 20 Prozent in Aktien, der Rest in Immobilien, Hypotheken und am Geldmarkt.

          Dennoch deuten sich Probleme an: die steigende Lebenserwartung der Mitglieder, ein stagnierendes Beitragsaufkommen und die schlechte Entwicklung der Finanzmärkte. "Die Rentenanpassungen fallen deutlich geringer aus, in manchen Fällen gibt es gar eine Nullrunde", sagt Jung. Ein Beispiel: Die Nordrheinische Ärzteversorgung wird zum 1. Januar 2004 die Rentenansprüche ihrer Mitglieder senken. Ein Omen? "Natürlich spüren wir die Veränderungen, doch das wirft uns nicht um", ist Jung optimistisch.

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