https://www.faz.net/-gqe-xtne

Sorge vor einem Handelskrieg : „Währungen als Waffen“

  • Aktualisiert am

Chinas Renminbi-Banknoten Bild: dpa

Der Druck auf China, seine Währung aufzuwerten, nimmt zu. Derweil wächst die Sorge vor einem Handelskrieg zwischen dem asiatischen Land und Amerika. Und Schwellenländer wie Brasilien sowie Japan stemmen sich gegen den schwachen Dollar. F.A.Z.-Korrespondenten berichten.

          4 Min.

          Das Gespenst eines Währungskriegs geht um. „Es beginnt sich die Ansicht zu verbreiten, dass Währungen als politische Waffe eingesetzt werden können“, sagte der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Er warnte, wenn Staaten versuchten, mit Hilfe ihrer Währungen den heimischen Aufschwung anzukurbeln, könne dies ein sehr ernsthaftes Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung darstellen. Seine Worte kamen nur einen Tag nachdem sich der Streit zwischen Europäern und Chinesen zugespitzt hatte.

          Peking solle seine Währung aufwerten, heißt es nun aus Brüssel genauso scharf wie aus Washington. Indes hadern viele auch mit Amerika, dessen Dollar-Wechselkurs wegen der extremen Niedrigzinspolitik weiter sinkt. Anfang der Woche hat der Internationale Bankenverband gar vor einem möglichen „Kollaps“ des Dollar gewarnt. Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert die amerikanische Politik einer Liquiditätsflut. „Es hilft der amerikanischen Wirtschaft nicht, aber es verursacht Chaos im Rest der Welt“, sagte Stiglitz am Mittwoch vor Journalisten in New York.

          Am Donnerstag warnte Weltbank-Chef Robert Zoellick, dass exzessive Interventionen am Devisenmarkt zu Spannungen auf den weltweiten Währungsmärkten führen können. Länder sollten versuchen, diese zu entschärfen, um Handelskonflikte in Zeiten einer anfälligen Wirtschaftserholung zu vermeiden, sagte er der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Japans Intervention im September sei ein Zeichen für Spannungen an den Devisenmärkten gewesen - ein Symptom für größere Probleme. Die Intervention sei Japans Antwort darauf, was in China geschehe und auf anderen Devisenmärkten.

          Unter dem schwachen Dollar leiden alle Exportnationen. Staaten wie Brasilien und Japan haben versucht, eine Aufwertung ihrer Währung gegenüber dem Dollar zu verhindern. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega, der schon vergangene Woche vor einem „Währungskrieg“ gewarnt hatte, sagte jetzt, es drohe auch ein „Handelskrieg“, wenn die Währungsverzerrungen nicht durch ein koordiniertes Vorgehen der Regierungen korrigiert würden. Das amerikanische Abgeordnetenhaus hat einen Gesetzentwurf für Abwehrzölle wegen der unterbewerteten chinesischen Währung beschlossen. „Ein Handelskrieg zwischen Amerika und China würde einen herben Rückschlag für die Konjunktur bedeuten“, warnt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

          China hält den Renminbi künstlich niedrig, weil er nicht frei handelbar ist

          Peking befördere seine Ausfuhr durch „Währungsdumping“, so lautet der Vorwurf der Industriestaaten. Nach einer neuen Studie im Auftrag der zwanzig größten Industrie- und Schwellenländer (G 20) soll die chinesische Währung derzeit um bis zu 27 Prozent unterbewertet sein. Spätestens seit dem EU-Asien-Gipfeltreffen vom Dienstag ist klar, dass auch die Europäer die chinesische Währung Renminbi (Yuan) zum zentralen Gegenstand der IWF-Jahrestagung am Wochenende machen wollen.

          China kann den Renminbi bislang künstlich niedrig halten, weil er nicht frei handelbar ist. Die Devise lässt sich in der Regel im Ausland weder kaufen noch verkaufen, über den gültigen Umtauschkurs bestimmt allein die Zentralbank, die „Volksbank“ (Renmin Yinhang). Um den Kurs zu beeinflussen, interveniert die Bank am Devisenmarkt. Wenn die Zentralbank Dollar aufkauft und Renminbi abstößt, was sie in großem Stil tut, fällt der Kurs gegenüber dem Dollar.

          Der Aufwertungsdruck auf den Renminbi stammt vor allem aus dem hohen Außenhandelsüberschuss der Chinesen. 2009 betrug der Wert von Chinas Export gut 1,2 Billionen Dollar, der Import belief sich auf gut 1,0 Billionen. Chinas Ausfuhr in die EU ist fast doppelt so hoch wie die Einfuhr. Für Amerika ist der Wert fast dreimal so hoch. Die chinesischen Unternehmen dürfen zwar einen Teil der Fremdwährung aus ihren Auslandsgeschäften behalten, um international einzukaufen oder zu investieren. Den Großteil ihrer Dollar aber tauschen sie gegen Renminbi, um Vorprodukte einzukaufen und Löhne, Sozialabgaben und Steuern zu zahlen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Ziele der EZB sind umstritten.

          Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

          Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
          Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

          Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

          Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.