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Geplante Rückkehr in Bundestag : Reicht ein Lindner der FDP?

Ambitioniert, attraktiv, arrogant? In der FDP ist alles auf Christian Lindner ausgerichtet Bild: dpa

Im Alleingang will Christian Lindner die FDP wieder in den Bundestag führen. Selten war eine Partei so sehr auf eine Person ausgerichtet. Kann sein Vorhaben dennoch gelingen?

          Zuletzt hat er sich für seinen Job sogar ausgezogen. Im Unterhemd sitzt der Vielbeschäftigte auf dem Sofa und checkt sein Smartphone. So zeigt sich Christian Lindner, in diesen Tagen gerade frisch gebräunt vom Kurzurlaub aus Ibiza zurück, in einem Werbespot seiner nordrhein-westfälischen FDP für die Landtagswahl am 14. Mai. Es ist ein Schicksalstag für die Partei.Denn der Parteivorsitzende selbst hat die NRW-Wahl zum Plebiszit über seine Person und über den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag gemacht. Die Wähler an Rhein und Ruhr sollen ihn nicht wählen, damit er Provinzpolitik in Düsseldorf macht. Sondern damit er vier Monate später nach Berlin weiterzieht und dort, mindestens, eine neue FDP-Fraktion im Bundestag anführt. Es ist ein Spiel mit hohem Risiko. Jedes NRW-Ergebnis, das hinter den 8,6 Prozent vom letzten Mal zurückbleibt, ließe seine Aura verblassen.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Selten war eine ganze Partei so sehr auf eine Person ausgerichtet. Seit sich Lindner vor knapp dreieinhalb Jahren zum FDP-Vorsitzenden wählen ließ, liegt das Projekt Auferstehung allein in seiner Hand. Weil eine außerparlamentarische Opposition, wie der 38-jährige Lindner seine Truppe gern revoluzzerhaft nennt, nur mit einem Gesicht durchdringen kann. Weil der Streit zwischen allzu vielen Spitzenleuten einst zum Absturz der Partei maßgeblich beitrug. Und auch, weil sich die übrige Prominenz am Ende der schwarz-gelben Regierungszeit selbst demontierte, während sich Lindner klugerweise schon nach Düsseldorf zurückgezogen hatte.

          „Die liberale Stimme gehört ins Parlament zurück“

          Auch auf dem Parteitag, zu dem sich die FDP am Freitag in Berlin trifft, werden alle auf ihn schauen, auf den Mann, der trotz seines geringen Alters schon so vieles hinter sich hat. Er war gescheiterter Unternehmer, Politikstudent, Generalsekretär. Und er gehört seit 17 Jahren dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an.

          Dabei ist der Wiederaufstieg der Partei, der mit kleinen Wahlerfolgen in Hamburg und Bremen vor zwei Jahren so kraftvoll begann, schon wieder ins Stocken geraten. Vor rund einem Jahr schien es so, als brauche sich Lindner um seine politische Zukunft in der Bundespolitik gar nicht mehr zu sorgen. Bei sieben bis acht Prozent stand die Partei damals in den Umfragen. In Rheinland-Pfalz besetzte die Partei, die in der alten Bundesrepublik ein Abonnement aufs Regieren hatte, sogar wieder ihr erstes Ministeramt. Inzwischen ist sie in den bundesweiten Umfragen bei fünf bis sechs Prozent angekommen – immer noch oberhalb der Sperrklausel, aber mit einem gehörigen Zitterfaktor.

          Der Allensbach-Demoskop Thomas Petersen hat dafür eine Erklärung. „Die FDP hat damals von der Flüchtlingskrise profitiert“, sagt er. Wer die Politik der Kanzlerin kritisch sah und die Rechtspopulisten von der AfD nicht wählen mochte, für den blieb nur Lindners Partei. Der Vorsitzende hatte im Flüchtlingsherbst 2015 eine Weile gebraucht, bis er die Marktlücke erkannte, sie dann aber umso konsequenter besetzt – mit Attacken auf Angela Merkel und Frauke Petry gleichermaßen. Als die Stimmung gegenüber Einwanderern nach der Kölner Silvesternacht kippte, fuhr er die Ernte ein.

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