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Folgen der Energiewende : So schnell geht kein Kraftwerk vom Netz

Revision im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld Bild: dpa

47 Kraftwerke wollen die Energiekonzerne in Deutschland inzwischen am liebsten abschalten. Darüber entscheiden aber nicht sie selbst, sondern die Bundesnetzagentur. Die Rechnung zahlt der Stromkunde.

          2 Min.

          Die Liste der Bundesnetzagentur ist wieder ein Stück länger geworden: Der Versorger EnBW hat der Energieaufsicht gemeldet, zwei Heizkraftwerke in Heilbronn mit einer Gesamtleistung von 220 Megawatt abschalten zu wollen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Spektakulärer war vor einigen Wochen die „Stillegungsanzeige“ von Eon: Der Konzern will das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld schon Ende Mai des kommenden Jahres außer Betrieb nehmen, weil es sich wegen der Energiewende nicht mehr rechne. Fast 1300 Megawatt Leistung würden dann in Süddeutschland vom Netz gehen.

          Damit sind inzwischen nun insgesamt 47 Kraftwerksblöcke bei der Netzagentur zur Stilllegung angemeldet worden. Einige davon würden - in Erwartung besserer Zeiten - nur vorübergehend eingemottet, die meisten aber sollen endgültig abgeschaltet werden. Einer Kraftwerksleistung von rund 7.700  Megawatt, soviel wie die Leistung von sechs mittelgroßen Atommeilern, droht das endgültige Aus, davon 4.400 Megawatt in Süddeutschland.

          Die Rechnung zahlt der Stromkunde

          Ob es so kommt, ist allerdings sehr fraglich. Nach der Stilllegungsanzeige gilt erst einmal eine Wartefrist von einem Jahr, um böse Überraschungen zu verhindern. Während dieser Zeit prüfen die jeweiligen Netzbetreiber, im Falle von Grafenrheinfeld wäre es die für Bayern zuständige Netzgesellschaft Tennet, ob die Stromversorgung gefährdet sein könnte, wenn das Kraftwerk abgeschaltet würde.

          Die Bundesnetzagentur kann auf Antrag eines Netzbetreibers dann anordnen, dass ein Kraftwerk, obwohl für den Betreiber nicht mehr rentabel, bis zu weiteren zwei Jahren in Betriebsbereitschaft gehalten werden muss. Damit es als Reserve bereitsteht.

          Die Rechnung dafür zahlt der Netzbetreiber, der die Kosten wiederum in Form höherer Netzentgelte an die Stromkunden weitergibt. Außerdem kann sich die Netzagentur aus dem zur Stilllegung angemeldeten Kraftwerkspark bedienen, um Netzreserven für mögliche Engpässe im Winter unter Vertrag zu nehmen. Für die Entschädigung muss wiederum der Netzbetreiber gerade stehen, der dafür entsprechende Verträge mit den Kraftwerksbetreibern aushandelt.

          Dieses eher provisorisch angelegte Verfahren hat bisher ganz gut funktioniert. Denn noch gibt es reichlich Kraftwerke, die einspringen können, wenn Sonnen- und Windstrom nicht ausreichen.

          Trotzdem ist die Regelung nicht mehr als eine Brückenlösung: Weil subventionierter Wind- und Sonnenstrom die Börsenpreise in den Keller drücken und konventionellen Strom verdrängen, besteht kaum noch ein Anreiz, als Backup benötigte flexible neue Gaskraftwerke zu bauen. Unter dem Stichwort „Kapazitätsmärkte“ ruft die Energiewirtschaft deshalb laut nach dauerhaften Subventionen für fossile Anlagen, die die Stromversorgung an windstillen und bedeckten Tagen absichern.

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