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Skandalbank HRE : Das Letzte von der Resterampe

Börsengang mit Ach und Krach: HRE-Tochter PBB Bild: dpa

Ein Teil der verstaatlichten Skandalbank HRE hat es an die Börse geschafft. Das alleine ist kein Erfolg - sondern vorläufiger Abschluss einer der unrühmlichsten Episoden in der deutschen Bankengeschichte.

          Für Peer Steinbrück war es schlicht der Blick in den Abgrund. Vor gut sechs Jahren, auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise, drohte die Schieflage der Hypo Real Estate das gesamte Finanzsystem in Deutschland und Europa ins Wanken zu bringen. Nicht nur der ehemalige Bundesfinanzminister war seinerzeit entsetzt über die wohl einmalige Aneinanderreihung von Skandalen rund um wertlose Immobilienkredite, Schrottanleihen hochverschuldeter Länder und Millionenboni für Investmentbanker, die trotz Milliardenverlusten flossen. Die Hypo Real Estate, kurz HRE, bleibt eines der unrühmlichsten Kapitel in Deutschlands Bankengeschichte. Die staatlichen Garantien, mit denen die deutschen Steuerzahler für die HRE-Risiken einstanden, beliefen sich in der Spitze auf sagenhafte 145 Milliarden Euro – die glücklicherweise nicht fällig wurden.

          Bevor die HRE als erste Bank nach dem Zweiten Weltkrieg zwangsverstaatlicht wurde, war ihr ein rasanter Aufstieg geglückt. Vor zwölf Jahren hatte die Hypo-Vereinsbank ihr riskantes Immobiliengeschäft ausgegliedert. Schon damals galt die neu gegründete HRE in den Augen der vornehmen Münchner Banker als eine Resterampe. Umso erstaunlicher war ihr schneller Aufstieg zu einem der größten Emittenten von Pfandbriefen. An der Börse schaffte sie es sogar bis zur Aufnahme in den Klub der Dax-30-Werte. Zu ihren besten Zeiten, im Hochsommer 2007, war die HRE an der Börse fast 7 Milliarden Euro wert.

          20 Milliarden kostete die HRE-Rettung

          Acht Jahre später ist ein Teil von ihr zurück auf dem Parkett. Vor knapp drei Wochen hat es die PBB Deutsche Pfandbriefbank als letzte nennenswerte Nachfolgegesellschaft der verstaatlichten HRE mit Ach und Krach an die Börse geschafft. Das als Erfolg zu werten fällt schwer. Die PBB-Aktie kam zu einem Preis am untersten Ende der angepeilten Spanne heraus. Der Erlös, den die PBB für den Bund eingespielt hat, blieb mit 1,16 Milliarden Euro unter den Erwartungen. Es hätten gerne 200 Millionen Euro mehr sein dürfen. Aber was heißt das schon, angesichts fast 20 Milliarden Euro, die allein die Rettung der HRE den deutschen Steuerzahler bis heute gekostet hat? Und waren diese Steuermilliarden letztlich ein guter Preis dafür, dass ein Dominoeffekt in der Bankenwelt mit schwer absehbaren Folgen für die Wirtschaft verhindert wurde?

          So viel war von Anfang an klar: Der Börsengang der Pfandbriefbank würde diese Rechnung niemals glätten. Ihre Privatisierung war eine Auflage der Europäischen Kommission, die der Bund im Gegenzug für die Rettung der HRE erfüllen musste. Ein Komplettverkauf an Investoren scheiterte mangels Interesse der Käufer und am Preis. Immerhin darf der Bund nun hoffen, dass ihm die Pfandbriefbank keine weiteren Verluste mehr beschert. Noch immer ist er über den Bankenrettungsfonds Soffin mit 20 Prozent an der PBB beteiligt. Anfangs steckten sogar noch 2,3 Milliarden Euro Kapital vom Staat in der Pfandbriefbank, in der das gesunde Geschäft der alten HRE gebündelt ist. Eine stille Einlage über eine Milliarde Euro hat die PBB Anfang Juli zurückgezahlt.

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          Der tägliche Blick auf den Kurszettel mag den einen oder anderen früheren HRE-Aktionär daran erinnern, dass er einst vom Bund enteignet wurde. Noch mehr schmerzt es aber den deutschen Steuerzahler, der die Rettungsrechnung beglichen hat. Andererseits: Die Alternative zum Börsengang der PBB wäre ihre Abwicklung gewesen. Dafür hat der Bund vor fünf Jahren eine Abwicklungsanstalt unter dem euphemistischen Namen FMS-Wertmanagement gegründet, auf die toxische Wertpapiere und allerlei sonstige HRE-Altlasten über insgesamt 170 Milliarden Euro abgeladen wurden. Allein für die Übertragung auf die FMSW, eine Anstalt öffentlichen Rechts, die nicht an die Bilanzregeln von Banken gebunden ist, musste der Staat noch einmal Garantien von 40 Milliarden Euro gewähren.

          Immerhin bedarf es keiner Staatsgarantien mehr

          Inzwischen arbeitet die FMSW, die auch die HRE-Tochtergesellschaft Depfa abwickelt, recht profitabel. Aber vor drei Jahren kostete der Schuldenschnitt in Griechenland abermals Milliarden: Wegen der zahlreichen griechischen Schuldtitel im FMSW-Portfolio musste der Soffin 9,3 Milliarden Euro an Verlusten ausgleichen. Insgesamt stecken in der restlichen HRE und ihrer Bad Bank noch 7,5 Milliarden Euro Staatsgeld.

          Die PBB ist nun eine Bank, die keine riskanten Geschäfte mehr macht, die keine Milliardengarantien des Staates mehr braucht. Sie soll sich auf pfandbrieffähiges Staatsfinanzierungs- und Immobilienfinanzierungsgeschäft in Deutschland und den europäischen Kernländern konzentrieren. Sie ist grundsolide und irgendwie auch ziemlich langweilig. Es ist eine Bank, wie sie sich so mancher Politiker eigentlich immer gewünscht hat. Für renditegetriebene Aktionäre ist die PBB mit ihrem margenschwachen Geschäft indes nicht die erste Wahl.

          Der Bund muss seine restlichen PBB-Aktien binnen zwei Jahren verkaufen. Der endgültige Ausstieg aus der PBB wird ihm gewiss leichtfallen, auch wenn am Ende der HRE-Geschichte hohe Verluste bleiben werden. Der einzige Trost: Zum Sturz in den Abgrund ist es nicht gekommen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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