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Silicon Valley : Tal der Ahnungslosen

Draufblick: Amerikas Silicon Valley aus der Perspektive eines Satelliten Bild: (c) NASA / SPL / Agentur Focus

Das Silicon Valley geht in der NSA-Affäre auf Distanz zu Washington. Aber beide Seiten blicken auf eine lange Tradition guter Zusammenarbeit zurück. Die CIA investierte in Start-up-Unternehmen; Firmen wie Google rekrutieren Militärs.

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          Die amerikanische Technologieindustrie geht derzeit demonstrativ auf Distanz zur Regierung. Immer neue Enthüllungen, wie sich der Geheimdienst NSA mit diversen Spähprogrammen Daten von Internetkonzernen wie Google, Yahoo oder Microsoft beschafft, lassen die Branche um das Vertrauen ihrer Nutzer fürchten. Die Unternehmen haben beteuert, der Regierung keinen direkten Zugang zu ihren Daten zu geben. Einige von ihnen geben sich ahnungsloser, als sie sind, andere haben Verschlüsselungsoffensiven angekündigt, um ihre Netzwerke vor dem Zugriff der Geheimdienste zu schützen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber auch wenn sich die Technologiebranche im Moment nach außen hin brüskiert zeigt, blickt sie doch auf eine lange Tradition partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Regierung zurück. Die Regierung hat einst mit Militärausgaben die Initialzündung für den Aufstieg des kalifornischen Silicon Valley zur Technologiehochburg gegeben, und bis heute gibt es Berührungspunkte zuhauf. Nicht nur tritt die Regierung als Auftraggeber und Investor auf. Es ist auch seit langem gang und gäbe, dass sie Personal von Technologieunternehmen anheuert.

          Umgekehrt lassen sich Mitarbeiter staatlicher Behörden oft von der Privatwirtschaft im Silicon Valley rekrutieren oder werden hier selbst zu Gründern. „Es hat immer enge Verbindungen zwischen den beiden Seiten gegeben“, sagt Steve Blank, Unternehmer und Dozent an der Stanford-Universität im Silicon Valley, der sich seit langer Zeit mit den militärischen Wurzeln der Region beschäftigt.

          Diese Nähe zum Staat verkörperte schon Frederick Terman, der oft „Vater des Silicon Valley“ genannt wird. Terman war viele Jahre Professor an der Stanford-Universität, und er war berühmt dafür, seine Studenten zur Gründung eigener Unternehmen zu ermutigen. Unter seinen Studenten waren zum Beispiel Bill Hewlett und Dave Packard, die Gründer des Technologiekonzerns Hewlett-Packard. Terman kultivierte auch enge Beziehungen zur Regierung. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er für einige Zeit auf der anderen Seite des Landes an der Harvard-Universität im Staatsauftrag eine geheime Forschungsgruppe geführt, deren Ziel es war, deutsche Radarsysteme zu verstehen und zu stören.

          Das Budget kommt zu mehr als der Hälfte vom Pentagon

          Nach dem Krieg baute er auch in Stanford staatlich finanzierte Forschungslabore auf, die sich auf militärrelevante Elektronik spezialisierten. Die Arbeit in diesen Forschungseinheiten resultierte in den fünfziger Jahren in einer ersten großen Welle von Start-up-Unternehmen im Silicon Valley. Der Sprung in die Selbständigkeit wurde oft vom Staat erleichtert, denn viele Unternehmen konnten auf Regierungsaufträge zählen. Diese Anschubhilfe war wichtig, da es zu der Zeit noch kaum privates Wagniskapital gab. Auch die Halbleiterindustrie, die der Region wegen des von ihr eingesetzten Siliziums ihren Namen gab, profitierte in ihrer Anfangszeit stark von Staatsaufträgen.

          In den fünfziger Jahren wurden auch mehrere Regierungseinrichtungen gegründet, die zu wichtigen Impulsgebern für die Technologieindustrie wurden, wie etwa die Raumfahrtbehörde Nasa oder Arpa (heute Darpa), eine zum Verteidigungsministerium gehörende Forschungsinstitution. Ein von der Arpa angestoßenes Netzwerkprojekt mit dem Namen Arpanet wurde zu einem Vorläufer des Internets.

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