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Einlagensicherung : Das Konto ist keine sichere Bank

Die Deutschen sparen ihr Geld lieber auf dem Bankkonto, als ihr Vermögen an der Börse anzulegen. Doch auch dort ist die Sicherheit nur ein Trugschluss.

          Die Deutschen sind misstrauisch. Sie lassen ihr Geld lieber auf den Konten ihrer Banken liegen, als es an der Börse anzulegen. Doch auch das ist ein Trugschluss, denn das Bankkonto ist keineswegs so sicher, wie es oft noch angenommen wird. Der Schutz der Einlagen hat Grenzen. Die Sicherheitspolster in den Sicherungssystemen sind verschwindend gering. Gemessen an den zu schützenden Einlagen von 3,4 Billionen Euro bewegen sie sich im Promillebereich.

          In den vergangenen Wochen haben Banken, Volksbanken und Sparkassen ihre Kunden in Briefen über Änderungen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen informiert. Darin wurden die Sparer auf die „Sicherungsobergrenze bei 100.000 Euro“ aufmerksam gemacht. Das ist nicht neu, denn diese gesetzliche Garantie gibt es in Deutschland seit Dezember 2010. Bis zu diesem Betrag haben Privatkunden und Unternehmen einen Rechtsanspruch.

          Gesetzliche Garantie von 100.000 Euro

          Während nur wenige Privatkunden über der Grenze liegen, ist es für die Unternehmen der Regelfall. Kommt es zu Bankenschieflagen, können die Konten über der Grenze von 100.000 Euro herangezogen werden so wie die Aktionäre oder die Gläubiger der Banken. Unternehmen müssen für die Begleichung von Rechnungen oder die Überweisung von Löhnen auf ihren Konten ausreichend Mittel vorhalten. Das sind bei großen Konzernen Milliardenbeträge, aber auch kleine Mittelständler liegen schnell über der Sicherungsobergrenze.

          Weil sich die gesetzliche Garantie von 100.000 Euro auf die Einlagen eines Kunden bei einem Institut bezieht, können private Sparer, die mehr haben, die darüber liegenden Gelder auf andere Banken verteilen, wenn sie auf Nummer Sicher gehen wollen. Unternehmen tun sich schwerer, weil die Verwaltung der Barmittel mit der Anzahl der Konten schwieriger und unübersichtlicher wird. Alles, was über 100.000 Euro hinausgeht, ist Vertrauenssache. Die Bankkunden müssen sich im Klaren sein, dass sie als Konteninhaber letztendlich Gläubiger der Banken sind. Ihre Spareinlagen sind nichts anderes als eine Forderung an das Institut.

          An die Grenzen stoßen

          Damit ist auch das Geld auf der hohen Kante nicht grenzenlos geschützt. Die deutschen Banken können damit beruhigen, dass ihre Kunden seit der Pleite der Herstatt-Bank im Jahr 1974 kein Geld mehr verloren haben, wenn eine Bank zusammenbrach. Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken garantieren ihren Kunden sogar die Einlagen in voller Höhe, da sie sich verpflichten, alle Institute ihrer Verbünde, die in eine Schieflage geraten, aufzufangen. Dadurch würden die Guthaben der betroffenen Kunden vollumfänglich geschützt. Aber was ist in einer Finanzkrise, wenn die Kunden in Panik ihre Mittel rasend schnell abziehen wollen?

          Dann stoßen die deutschen Sicherungssysteme an ihre Grenzen, auch wenn sie in Europa noch immer mit am besten finanziert sind. Ähnlich wie Aktien- oder Anleiheinvestoren müssen Kunden die Kapitalausstattung und die Risiken im Blick haben, wenn sie einer Bank größere Summen anvertrauen. Auf einen vollumfänglichen Schutz zu vertrauen ist ein Fehler. Denn dazu sind die Rücklagen der Banken zu gering.

          Für Sparkassen und Landesbanken 4,9 Milliarden Euro

          Das Versprechen der privaten Banken, Einlagen in Höhe von bis zu 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank zu sichern, überzeugt nicht. Das wären bei der Deutschen Bank oder der Commerzbank mehrere Milliarden je Kunde und Konto. Aber im Jahr 2009 brauchte ihre Einlagensicherung eine staatliche Garantie von 6,7 Milliarden Euro, um die Kunden der deutschen Tochtergesellschaft von Lehman Brothers zu entschädigen. Und das war im Vergleich zu den Großbanken nur ein kleiner Sicherungsfall.

          Bei den Sparkassen und Landesbanken sieht es nicht besser aus. Sie mussten lange verhandeln, um die gesetzlichen Vorgaben bis zum Jahr 2024 erfüllen zu können. Die Latte liegt bei 0,8 Prozent der gesetzlich garantierten Einlagen, was nicht üppig ist. Das wären für Sparkassen und Landesbanken 4,9 Milliarden Euro. Bislang sind davon erst 1,6 Milliarden Euro eingezahlt worden. Volks- und Raiffeisenbanken erfüllen die gesetzliche Mindestanforderung auch noch nicht.

          Keinen Rechtsanspruch auf vollen Schutz

          Sollte sich die EU-Kommission durchsetzen und die Einlagensicherung samt Sicherungstöpfen im Euroraum vereinheitlichen, würde das deutsche Sicherungssystem weiter geschwächt. Es ist trotz aller Mängel immer noch solider aufgestellt als in vielen anderen Euroländern. In Italien sind die Sicherungstöpfe nach mehreren Pleiten leer, von Griechenland ganz zu schweigen.

          Die Kunden müssen sich wohl oder übel von dem Irrtum verabschieden, dass alle Einlagen auf Konten oder Sparbüchern bei den Banken sicher sind. Zwar haben in der Vergangenheit die hiesigen Sicherungssysteme ausgereicht, aber nicht aus eigener Kraft. In der Finanzkrise musste dafür der Steuerzahler nicht nur bürgen, sondern auch Verluste von mehr als 50 Milliarden Euro tragen, um das Bankensystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren. In einer neuen Finanzkrise können sich die Versprechen der Banken als leer erweisen. Kunden haben keinen Rechtsanspruch auf vollen Schutz. Der hört bei 100.000 Euro auf.

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