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Welternährung : Sechs Gründe, warum der Hunger auf der Welt abnimmt

  • -Aktualisiert am

Moderne Maschinen ermöglichen größere und schnellere Ernten. Bild: ZB

Die Zahl der Hungernden auf der Welt schrumpft schnell. Eine Überraschung? Nein, ein Trend der schon lange andauert. Wir erläutern Ihnen warum.

          5 Min.

          In einem Jahr ist die Zahl der Hungernden auf der Welt um rund 40 Millionen Menschen oder 5 Prozent  auf 805 Millionen Menschen zurückgegangen. Überraschend? Nein: Seit fast 25 Jahren ist die rückläufig. Das zeigen die Statistiken von der Welthungerhilfe oder der Weltagrarorganisation FAO. Diese sechs Gründe sind maßgeblich dafür:

          1. Das Wirtschaftswachstum auf der Welt

          Das Wirtschaftswachstum auf der Welt führt dazu, dass die Kaufkraft steigt, sich die Menschen mehr Lebensmittel leisten können und die Landwirte mehr Geld in moderne Anbautechnik investieren können. Große Fortschritte gibt es daher insbesondere in China und Südostasien, aber auch Teilen Afrikas.  Und auch in den Ländern, wo wirtschaftliche Not herrscht. Deshalb: Die Vereinten Nationen wiesen in ihrem jüngsten Bericht zur Welternährung darauf hin, dass einen immer größeren Teil der Lebensmittel-Rechnung die Menschen in den ärmsten Ländern mit dem Geld bezahlen, das ihnen Freunde und Verwandte aus Schwellen- oder Industriestaaten überweisen. Die Heimatüberweisungen seien in Summe schon dreimal so umfangreich wie die internationale Entwicklungshilfe. Sie fließen gerade in die Länder, wo es am Nötigsten mangelt und die Menschen zwei Drittel oder mehr ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.

          Somit trägt es auch zur Linderung des Hungers in armen Teilen der Welt bei, wenn die Wirtschaft in Industriestaaten sich gut entwickelt. Als ein Beispiel werden im UN-Bericht europäische Geldtransfers nach Afrika oder aus China nach Westasiaten genannt – von Zuwanderern oder Gastarbeitern. Allen voran sinkt der Anteil der Hungernden in Asien (ausgenommen dessen westlicher Part mit Bangladesch, Nepal, Pakistan, Afghanistan oder auch Indien): Der Anteil der Unterernährten hat sich in den aufsteigenden Regionen Süd- und Südostasien in 20 Jahren etwa halbiert. Selbst in Afrika südlich der Sahara sinkt er, wo häufig Klimaveränderung und Kriege die Erzeugung und den Transport von Lebensmitteln behindern.

          2. Hohe Lebensmittelpreise

          Paradoxerweise tragen auch die seit dem Jahr 2008 tendenziell stark steigenden Lebensmittelpreise dazu bei, dass der Hunger sinkt. Wie kommt das, wo man bei diesem Schlagwort doch zunächst an Hunger-Aufstände wie den im Jahr 2008 in Mexiko denkt? Die Vereinten Nationen haben darauf hingewiesen, dass die steigenden Preise auch eine gute Seite haben für die Ärmsten, die FAO begründet dies so: Die Exporterlöse vieler Entwicklungsländer, auch für Agrarrohstoffe, seien angestiegen und hätten die Kaufkraft erhöht. Deshalb sei mehr Geld in Landwirtschaft investiert worden. Zudem, so heißt es im Bericht, hätten sich die höheren Lebensmittelpreise der vergangenen Jahre nicht so sehr wie befürchtet in höheren Konsumentenpreisen in armen Ländern ausgewirkt. Ein Zusammenhang zwischen Weltmarktpreisen und lokalen Preisen sei nur „zu einem sehr geringen Grad“ gegeben. Gründe dafür seien, dass auf lokale Lebensmittelpreise etwa staatliche Subventionen senkend wirkten oder hohe Transportkosten Importe unrentabel machten. In Afrika liegen die Lebensmittelpreise demnach etwa auf dem Niveau von 1995, in Asien leicht darüber. Stiegen die Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe in den Jahren 2008 und 2011, verglichen mit 2005 um mehr als 40 beziehungsweise mehr als 20 Prozent, war der Anstieg in Afrika je nur etwa halb so groß, in Südostasien geringer.

          Bild: dpa

          3. Bessere Logistik

          Eigentlich müsste gar nicht mehr geerntet werden, um auch die noch Hungernden ernähren zu können. Neben Kriegen und politischen Unruhen gelten die sogenannten Nachernte-Verluste als wichtigster Grund für Lebensmittelverschwendung. Das betrifft vor allem Schwellenländer, etwa Indien, wo Großteile der Ernte wegen mangelnder Transport- und Kühlinfrastruktur auf dem Weg zum Verbraucher vergammeln. Würden alle Ernte- und Transportverluste von Lebensmitteln durch moderne Lastwagen, Kühlhäuser und Straßen verhindert werden, müsste zumindest derzeit kein Mensch mehr hungern auf der Welt, rechnen die Vereinten Nationen vor.

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