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Jared Kushner : Trumps Schwiegersohn, der Unternehmer

Jared Kushner am Wahlabend an der Seite seiner Frau Ivanka Trump Bild: AFP

Donald Trump hat noch nicht verraten, mit wem er die wichtigsten Posten seiner Regierung besetzen will. Ein junger Mann hat offenkundig großen Einfluss auf den neuen Präsidenten - aus mehreren Gründen.

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          Noch hat Donald Trump nicht verraten, wen er einmal zu Ministern machen will, wer hauptberuflich seine wichtigsten Berater werden sollen - und damit, welche Politik er nun wirklich machen wird. Ziemlich offenkundig ist aber, auf wen der künftige amerikanische Präsident dabei hört, wer wohl besonders großen Einfluss hat auf diese Entscheidungen und womöglich mehr: Trumps Familie.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Seine drei ältesten Kinder hat er in die Mannschaft aufgenommen, die sich um den Übergang der Obama-Administration in die Trump-Administration kümmern soll. Besonders Gewicht hat allem Anschein nach allerdings sein Schwiegersohn Jared Kushner, der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka.

          Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (l.) mit Barack Obamas Stabschef Denis McDonough am Donnerstag im Garten des Weißen Hauses. Bilderstrecke

          Sehr anschaulich war das am Donnerstag. Da besuchte Trump das Weiße Haus und besprach mit Barack Obama erstmals persönlich den Machtwechsel. Obwohl der Fokus natürlich auf dem Gespräch des Amtsinhabers mit seinem Nachfolgers lag, haben die versammelten Washingtoner Hauptstadtfotografen ganz genau festgehalten, wer da mit Obamas Stabschef Denis McDonough durch den Garten den Weißen Hauses schlenderte: Es war nicht Trumps Wahlkampf-Stratege Stephen Bannon und auch nicht der Republikanische Partei-Manager Reince Priebus - sondern Jared Kushner.

          Das bedeutet natürlich nicht, dass Kushner nun wirklich Stabschef werden würde - ob er eine Position innerhalb der Regierung überhaupt gesetzlich innehaben dürfte, wird gerade geprüft. Trumps Entscheidung, gerade Kushner zu diesem wichtigen Termin mitzunehmen, veranschaulicht aber, welche Bedeutung der heute Fünfunddreißigjährige hat.

          Großeltern überlebten Holocaust

          Gleich mehrere Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Kushner und seinem Schwiegervater, die nahelegen, dass beide sich gut miteinander verstehen. Kushner ist wie Trump Immobilienunternehmer und Medienmanager. Seine Großeltern überlebten als orthodoxe Juden den Holocaust und emigrierten nach dem Zweiten Weltkrieg aus Osteuropa in die Vereinigten Staaten. Sein Großvater Joseph investierte in Immobilien, sein Vater Charles übernahm dieses Geschäft und baute es aus, vor allem in New York.

          Im Jahr 2005 wurde er allerdings zu einer Haftstrafe verurteilt im Zusammenhang mit einem Familienstreit - die Untersuchung wurde von einem damaligen Staatsanwalt von New Jersey mit auf den Weg gebracht, jenem Chris Christie, der später Gouverneur und einer der ersten prominenten Unterstützer des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump geworden ist. In der amerikanischen Presse geht denn auch die Spekulation um, dass Trumps Schwiegersohn mit veranlasst haben könnte, Christie von der Leitung des Übergangsteams abzuziehen und durch den designierten Vizepräsidenten Mike Pence zu ersetzen.

          Infolge der Strafe gegen Charles Kushner musste sein Sohn Jared bereits während seines Studiums das Unternehmen übernehmen. Im Jahr 2007, mit gerade einmal 26 Jahren, organisierte Kushner den Kauf des Gebäudes an der 666 Fifth Avenue in New York für 1,8 Milliarden Dollar - der teuerste Immobiliendeal in der Geschichte des Landes bis zu diesem Zeitpunkt. Ein Jahr später wurde er auch offiziell Vorstandsvorsitzender von Kushner Properties.

          Am 25. Oktober des darauf folgenden Jahres 2009 heiratete Jared Kushner Ivanka Trump, die zuvor zum Judentum konvertiert war. Politisch unterstützte die Familie Kushner traditionell die Demokraten - Jareds Bruder Josh und dessen langjährige Freundin, das Supermodel Karlie Kloss, traten während dieser Wahl denn auch für Hillary Clinton ein.

          Jared Kushner selbst stieg wiederum schon Jahre zuvor auch in der Medienbranche ein. Er kaufte im Jahr 2006 die Wochenzeitung „New York Observer“. Die Zeitung trat als eine der wenigen bekannteren Blätter offiziell für den Kandidaten Donald Trump im Wahlkampf ein. Kushner verteidigte seinen Schwiegervater auch infolge eines umstrittenen Tweets, als Trump Antisemitismus vorgeworfen wurde. „Mein Schwiegervater ist kein Antisemit“, schrieb er in einem Beitrag des Observers. „Der Unterschied zwischen mir und den Journalisten und dem Twitter-Pulk, die es so bequem finden, meinen Schwiegervater abzulehnen, ist einfach: Ich kenne ihn und sie nicht.“ Im Wahlkampfteam von Trump kümmerte sich Kushner auch um die Digitalkampagne.

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