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Franken-Entscheidung : Die Schweizer Schockwelle

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Eine Anzeige an der UBS-Bank in der Bahnhofsstraße in Zürich am 15. Januar zeigt den Absturz des Wechselkurses. Bild: Reuters

Die eigene Finanzministerin, die Unternehmer, EZB, IWF und Anleger: Die Schweizer Notenbank hat alle überrascht, als sie gestern das Ende der Franken-Bindung an den Euro verkündete. Das liegt auch an ihrem Ex-Chef.

          Der Schweizer Nationalbank ist die Überraschung gelungen. Ihre Entscheidung, den Franken offiziell nicht weiter an den Euro zu binden, kam für die Eidgenossen wie auch für Menschen in anderen Ländern wie aus dem Nichts. „So etwas können Sie nicht vorher kommunizieren, das müssen Sie direkt umsetzen“, begründete Notenbank-Chef Thomas Jordan. Nur so könne man möglichem Insiderhandel vorbeugen.

          Der Schock zeigte sich in vielen Facetten:

          • Der Wert des Franken schoss gegenüber dem Euro und dem Dollar in die Höhe, die Aktienkurse an der Züricher Börse brachen ein. Die Anleger, kann man daraus leicht schließen, ahnten wirklich nichts.
          • F.A.Z.-Schweiz-Korrespondent Johannes Ritter befand sich gerade in einem Pressegespräch mit dem für die Schweiz zuständigen Chefvolkswirt der Großbank UBS David Kalt. Es ging um den Immobilienmarkt. Dann kam die Nachricht von der Nationalbank. „Das haben wir nicht erwartet“, sagte Kalt: „Ich stehe unter Schock.“
          • Das Schweizer Finanzministerium wusste offenbar ebenfalls nichts. Die Regierung habe den Entscheid zur Kenntnis genommen, sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und fügte noch hinzu: „Wir wissen, dass die Nationalbank auch in Zukunft - das ist ihr Auftrag - für monetäre Bedingungen sorgen wird, die in der Schweiz Inflation und Deflation verhindern und die eine stabile Entwicklung der Wirtschaft weiterhin gewährleisten werden.“
          • „Mir fehlen die Worte“ - Nick Hayek, der den Schweizer Uhrenkonzern Swatch leitet, zeigte sich fassungslos. Jordan sei nicht nur der Name des Nationalbankpräsidenten, sondern auch der eines Flusses. Das, was die Notenbank da ausgelöst habe, sei ein „Tsunami“. Der Schweizerische Unternehmerverband, Politiker und Gewerkschafter äußerten sich ebenfalls erschrocken.
          • Sogar andere Zentralbanken und der Internationale Währungsfonds wussten offensichtlich nichts von der Entscheidung der SNB. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte dem Fernsehsender CNBC: „Jordan hat mich davor nicht kontaktiert. Ich finde das ein wenig verwunderlich.“ Im Internet erntete sie gleich eine Serie von Kommentaren, wieso sie sich darüber wundere, dass ein souveräner Staat eigenständig handle. Auch die Europäische Zentralbank wurde erst am Donnerstag kurz vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfahren - die Euro-Währungshüter zeigten sich demnach ebenfalls irritiert.
          • Die Budapester Tageszeitung „Nepszabadsag“ kommentiert die Freigabe des Schweizer Franken so: „Wenn ein Mini-Staat wie die Schweiz so etwas tun kann, kann man nur darüber spekulieren, wozu erst ein Land wie China fähig wäre. Von den USA gar nicht erst zu reden. In Ungarn müssen wir da zur Kenntnisnehmen, dass wir nicht mit am Tisch sitzen, an dem die Karten verteilt werden. Wir können höchstens versuchen, gelegentlich mit eigenen Themensetzungen in der internationalen Öffentlichkeit Gehör zu finden. Etwa durch plumpe fremdenfeindliche Äußerungen.“

          Die Geheimhaltung des Schrittes war gerade für die Schweizer Nationalbank extrem wichtig. Daran erinnerte Notenbank-Chef Jordan, als er explizit betonte, dass auf diese Weise Insidergeschäften vorgebeugt werde. Denn kurz bevor die SNB vor rund dreieinhalb Jahren den Mindestkurs einführte, wechselte die Ehefrau des damaligen Notenbank-Präsidenten Philipp Hildebrand 400.000 Franken in Dollar. Hildebrand musste deswegen zurücktreten, Thomas Jordan wurde sein Nachfolger.

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