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„Swiss Leaks“ : Schweizer Banken: Wir wollen keine Komplizen sein

Der Tresorraum einer Schweizer Bank Bild: Picture-Alliance

Neue Enthüllungen über Schweizer Bankangestellte, die offenbar jahrelang Kriminellen, Waffenhändlern und korrupten Politikern beim Geldverstecken geholfen haben, schlagen hohe Wellen. Die Schweizer Banken geben sich derweil geläutert.

          Für Schweizer Banken war es viele Jahre lang Teil eines sehr erfolgreichen Geschäftsmodells: Sie halfen ihren Kunden dabei, Gelder vor dem Zugriff der Steuerbehörden in ihrer jeweiligen Heimat zu schützen. Doch diese Zeiten sind nach Aussage der Schweizerisches Bankiervereinigung längst vorbei. „Die Banken wollen keine Komplizen sein“, sagte Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, jüngst im Gespräch mit der F.A.Z. Das Verhalten der Schweizer Banken habe sich verändert: „Sie nehmen schon länger kein Geld mehr an, das nicht rechtmäßig versteuert ist, und verlangen entsprechende Nachweise“, sagte Odier, der im Hauptberuf die Genfer Privatbank Lombard Odier führt. Diese Weißgeldstrategie habe inzwischen vollen Erfolg: „Auf Schweizer Konten liegen fast keine unversteuerten Gelder mehr. Im Verhältnis zu Deutschland ist dieses Problem zu 95 Prozent erledigt.“

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach den Enthüllungen eines internationalen Journalistenverbunds über fragwürdige Geschäfte des Schweizer HSBC-Zweigs hat sich auch die dortige Filiale der britischen Großbank von den kritisierten Praktiken distanziert. Das Recherche-Netzwerk ICIJ, zu dem unter anderem Journalisten von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR gehören, hatte zuvor über Kundenbeziehungen der Schweizer HSBC mit Waffenhändlern und Schmugglern berichtet.

          Die Bank gibt sich nun geläutert: HSBC teilte mit, man habe bereits 2008 „radikale Veränderungen“ vorgenommen, um in Zukunft zu verhindern, dass die Bank als Dienstleister für Steuerhinterzieher und Geldwäscher agiere. Ein Bericht der BBC stellt aber genau das in Frage. Eine frühere leitende Mitarbeiterin der Bank in Luxemburg sagte der Rundfunkanstalt: „Die verbalen Botschaften waren toll, aber sie wurden in der Praxis nicht umgesetzt“, sagte Sue Shelley, die 2013 in der HSBC-Sparte für vermögende Privatkunden gearbeitet hat.

          Auch die britische Steuerbehörde HMRC gerät durch die Berichte in Erklärungsnot. Laut BBC wurde in den fünf Jahren seitdem HMRC die Dokumente hat, lediglich ein Steuerhinterzieher strafrechtlich verfolgt. HMRC teilte lediglich mit, die britischen Steuersünder hätten mittlerweile alle fälligen Nachzahlungen und Geldbußen in Höhe von insgesamt 135 Millionen Pfund (180 Millionen Euro) beglichen.

          Schweiz beteiligt sich ab 2017 am internationalen Datenaustausch

          Tatsächlich aber hat die Schweiz seit einigen Jahren unter internationalem Druck wesentlich striktere Regeln zum Beispiel bei der Überprüfung der Herkunft von Geldern. Obendrein sind die Eidgenossen bereit, sich von 2017 an am internationalen Datenaustausch zu beteiligen. Viele Schweizer Banken, allen voran die Großbanken UBS und Credit Suisse, die rund um den Globus Gelder in Billionenhöhe verwalten, haben ihre Kunden vehement dazu gedrängt, steuerlich reinen Tisch zu machen. Wer sich trotzdem hartnäckig weigerte, so berichten Kundenberater in Zürich, dem wurde im übertragenen Sinne die Pistole auf die Brust gesetzt und gekündigt. Die Folge: Das Guthaben wird auf ein anderes Konto des Kunden überwiesen - und damit für den Fiskus sichtbar. Der Steuersünder fliegt auf.

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