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Schwarzgeld in London : Cameron kämpft gegen die schmutzigen Milliarden

Wild entschlossen: Während einer Reise nach Singapur macht Cameron seine Pläne zur Korruptionsbekämpfung publik. Bild: dpa

Britische Luxusimmobilien stehen schon lange im Verdacht, Schwarzgeld-Milliarden anzuziehen. Nun kündigt Englands Premierminister Cameron an, entschieden gegen Geldwäsche vorzugehen.

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          Die Vorwürfe gibt es seit Jahren – doch jetzt verspricht die Regierung in London zu handeln: „Meine Botschaft an Betrüger ist eindeutig: Großbritannien ist kein Ort, an dem ihr euer schmutziges Geld verstecken könnt“, sagte Premierminister Cameron am Dienstag in einer Rede in Singapur. Der britische Regierungschef reagiert damit auf Vorwürfe von Korruptionsexperten, dass vor allem Luxusimmobilien in teuren Londoner Innenstadtlagen zu einem Magneten für Schwarzgeld-Milliarden aus der ganzen Welt geworden seien.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Cameron will durch eine Reform des Grundbuchrechts für mehr Transparenz der Eigentumsverhältnisse sorgen. Nach einer Untersuchung der Organisation Transparency International (TI) sind in der britischen Hauptstadt mehr als 36.000 Immobilien auf anonyme Briefkastengesellschaften in Offshore-Zentren wie den British Virgin Islands, Jersey, Guernsey und der Isle of Man eingetragen. Die wahren Eigentümer nutzen solche Vehikel, um ihre Identität zu verschleiern. London sei zu einem sicheren Hafen für „die korrupten Eliten der Welt“ geworden, glaubt TI. Der Untersuchung zufolge steht etwa im Nobelviertel Westminster hinter annähernd jeder zehnten Immobilie eine der dubiosen Briefkastengesellschaften.

          Britische Korruptionsermittler führen die hohen Immobilienpreise in London auch auf die Schwarzgeldflut zurück: „Die Preise werden von ausländischen Kriminellen künstlich nach oben getrieben“, sagte Donald Toon, der Direktor der Ermittlungsbehörde National Crime Agency. Insgesamt sind in England und Wales Wohnungen und Häuser im Wert von umgerechnet rund 170 Milliarden Euro auf Eigentümer in Offshore-Zentren eingetragen. „Ich will, dass Großbritannien das offenste Land der Welt für Investitionen ist“, sagte Cameron in Singapur. „Aber ich will sicherstellen, dass es dabei um sauberes Geld geht. Für schmutziges Geld ist in Großbritannien kein Platz.“

          Er forderte mehr internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen kriminelle Geldflüsse. „Gemeinsam können wir das Krebsgeschwür der Korruption besiegen.“ Anti-Korruptions-Aktivisten lobten die Ankündigungen: Die Initiative sei „bahnbrechend“, sagte Chido Dunn von der Organisation Global Witness. In Paris und anderen Metropolen gäbe es ähnliche Probleme mit zwielichtigen Immobiliengeschäften. Ein Ende der anonymen Eigentümerschaft im britischen Immobilienmarkt wäre hilfreich im Kampf gegen Geldwäsche und Korruption, kommentierte auch Transparency International.

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