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Referendum : Was ändert sich, wenn Schottland unabhängig wird?

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Bild: AP

Am Donnerstag entscheiden die Schotten, ob sie ein eigener Staat werden wollen. Mit welcher Währung würde man dann bezahlen? Und was würde das für die Whisky-Preise bedeuten? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Gehört Schottland noch zur EU, wenn es sich für die Unabhängigkeit entscheidet?

          Nein. Wenn sich ein Teil eines Landes abspaltet, gehört er nicht automatisch weiterhin der EU an. Schottland müsste sich wie jedes andere Land neu bewerben. So sieht das zumindest die EU-Kommission. Auch alle anderen internationalen Verträge müsste Schottland neu aushandeln.

          Brauche ich ein Visum für die Einreise?

          Wohl eher nicht. Bisher ist es so: Großbritannien gehört zwar nicht zum Schengen-Raum, aber zur Europäischen Union. Innerhalb des Schengen-Raums kann man ohne Personenkontrolle frei reisen. Zum Schengen-Raum gehören die EU-Länder plus die Schweiz, Island und Norwegen. Da innerhalb der Europäischen Union aber auch ohne Schengen die Freizügigkeit und Reisefreiheit gewährt ist, braucht man als Deutscher kein Visum für einen Trip nach Großbritannien, sondern nur einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Wenn Schottland der Europäischen Union beitritt, braucht man also auch für Schottland kein Visum. Der Beitritt kann aber Jahre dauern.

          Eine andere Möglichkeit für Schottland wäre die Ratifizierung des Schengen-Abkommens. Dann kann man auch zukünftig ohne Visum nach Schottland reisen. Aber selbst wenn Schottland beides nicht tut, ist ein Visum für deutsche Reisende unwahrscheinlich. Zumindest haben die Schotten im Kampf um die Unabhängigkeit bisher nicht von einer Visum-Pflicht für Reisende aus der EU gesprochen.

          In welcher Währung bezahle ich dann?

          Kurzfristig dürfte wohl das britische Pfund weiter die schottische Währung bleiben. Der Nachfolger könnte dann das Pound Scots werden, das es zwischen dem 12. Jahrhundert und der Zeit des Vereinigten Königreichs gab. Zudem gab es eine Silbermünze namens Merk. Vielleicht könnte das im Sinne der Abgrenzung der neue Name werden.

          Eine Währungsunion mit dem Rest von Großbritannien wird bislang von der Londoner Regierung abgelehnt. Zwar ist fraglich, ob im Falle einer Loslösung Schottlands nicht doch eine Währungsunion beschlossen wird. Das müsste aber rechtlich geklärt und mit Verträgen geregelt werden. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass das britische Pfund informell vorerst beibehalten wird. Schottland hätte dann keine eigene Währung, so wie beispielsweise Ecuador, das als Landeswährung den amerikanischen Dollar hat.

          Sollte eine Währungsunion tatsächlich nicht zustande kommen und Schottland sich nicht mit der stillschweigenden Beibehaltung des britischen Pfundes bescheiden wollen, könnte Schottland eine eigene Währung einführen. Derzeit haben die drei großen schottischen Banken Bank of Scotland, Royal Bank of Scotland und die Clydesdale Bank bereits das Recht, eigene (britische) Pfundnoten herauszugeben. Diese werden aber derzeit nicht in jedem Geschäft außerhalb Schottlands akzeptiert. Darauf ließe sich allerdings aufbauen, es fehlen jedoch die währungspolitischen Institutionen wie eine Zentralbank.

          Grundsätzlich wird auch über einen Euro-Beitritt spekuliert, zumal sich Schottland sehr europafreundlich gebärdet. Dafür müsste Schottland aber wohl zunächst der EU beitreten. Bislang ist auch noch nie ein Land dem Euro beigetreten, das zuvor keine eigene Währung hatte (mit Ausnahme von Zwergstaaten wie San Marino). Dieser Fall ist auch gar nicht vorgesehen. Da zudem die Anteilseigner der EZB die nationalen Zentralbanken sind, müsste Schottland erst eine gründen. Obendrein ist der Euro-Beitritt an die Stabilitätskriterien von Maastricht gebunden. Für Schottland existieren aber nur sogenannte Als-ob-Daten, die kaum als Basis für einen Beitritt dienen können. Insofern müsste Schottland wie alle anderen Beitrittsländer erst unter Beweis stellen, dass es die Voraussetzungen erfüllt. Dafür müsste wohl auch erst einmal eine eigene Währung eingeführt werden. Insgesamt dürfte es mit dem Euro - wenn gewünscht - eine Weile dauern.

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