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Referendum : Was ändert sich, wenn Schottland unabhängig wird?

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Wird der Whisky teurer?

Vorerst schon. Wenn Schottland nicht mehr der EU angehört, verlangt Deutschland Zoll auf die Waren. Einen Liter darf man als Privatperson frei mitnehmen oder sich schicken lassen. Wird es mehr, muss die Verbrauchssteuer abgeführt werden. Auch Händler müssen zahlen. Wie viel genau, konnte das Hauptzollamt Köln auf Nachfrage nicht beantworten. Der Whisky wird wohl teurer. Schottland kann aber auch wie die Türkei der Zollunion der Europäischen Gemeinschaft beitreten, womit nicht mehr Kosten als bisher aufgeschlagen würden und der Preis gleich bliebe. Wie lange dieses Verfahren dauert, konnte die Pressestelle der Europäischen Kommission auf Anfrage nicht beantworten.

Stürzt Schottlands Wirtschaft ab?

Die Folgen für die schottische Wirtschaft sind unklar und schwer einzuschätzen. Schon vor dem Referendum werden Aktionäre, Anleger und Investoren vorsichtig und ziehen sich langsam aus dem schottischen Finanzmarkt heraus oder sichern sich in Verträgen besonders ab. Das liegt aber vor allem daran, dass gerade keiner weiß, wie es mit Schottland weiter geht, falls sich das Land abspaltet – gerade die Währungsfrage ist noch nicht endgültig beantwortet. Fehlende Investitionen könnten die Wirtschaft nach dem Trennungsschluss kurzzeitig lähmen. Auch die Banken sind vorsichtig und haben Notfallpläne. Die britischen Großbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds wollen Schottland im Falle einer Abspaltung den Rücken kehren und ihre Haupteinheiten dann in Rest-Großbritannien eröffnen. Die Auswirkungen dieses Schrittes auf den schottischen Finanzmarkt sind unklar. Bisher vertrauen die Schotten wirtschaftlich auf die Einnahmen durch die Förderung von Öl und Gas aus der Nordsee nach der Abspaltung. Diese würden dann immerhin etwa 13 Prozent der schottischen Wirtschaft ausmachen.

Wer bekommt das Öl-Geld?

Das bekommt Schottland. Fast 90 Prozent der Öl- und Gasvorkommen Großbritanniens liegen in Schottland. Da es dort gefördert wird, erhält Schottland auch die Erlöse. „Gemessen an unserer Wirtschaftskraft pro Kopf könnte Schottland auf Platz sechs der reichsten Nationen der OECD aufsteigen“, sagte der erste Minister Schottlands, Alex Salmond.

Verliert die Queen ihr Land?

Nein, vorerst nicht. Schottland stimmt am 18. September über die Vereinigung der Länder von 1707 ab und nicht über die „Union of the crowns“ von 1603. Wenn Schottland dann aber eine eigene rechtskräftige Verfassung hat, könnte es eine erneute Abstimmung darüber geben, ob die Queen weiterhin das repräsentative Oberhaupt bleibt.

Bleibt Schottland Atomwaffen-Standort?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Schottland versucht schon seit April 2014 eine Verlagerung des Standorts der Atomflotte zu veranlassen. Dabei geht es um 16 Kriegsschiffe und U-Boote sowie zwei Kommandoeinheiten. Laut dem Ersten schottischen Minister Alex Salmond, sollen in Schottland als NATO-Land britische Stützpunkte  bleiben. Die Atom-U-Boote sollen aber innerhalb einer Legislaturperiode abrücken. So verspricht er es seinen Anhängern. Für die Briten wäre ein Umzug der Flotte sehr teuer. In Kreisen europäischer Militärattachés wird von Kosten in Milliarden-Höhe gesprochen.

Werden Verhandlungen in der EU mit Großbritannien dann noch schwieriger?

Schottland wird als sehr europafreundlich angesehen. England wehrt sich aber gegen die meisten EU-Pläne und Vorhaben. Das Rest-Großbritannien könnte für die Europäische Union bei vielen Streitfragen und Problemen ein schwieriger Partner werden. Oft wird dem Vereinigten Königreich vorgeworfen kein großes Interesse an der EU zu haben und deswegen auch seit Jahren den Euro abzulehnen. Ohne das europaorientierte Schottland könnte Großbritannien ein noch schwierigerer Partner für die EU werden.

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