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Risiken des Referendums : Abenteuer schottische Unabhängigkeit

Am 18. September stimmen die Schotten über ihre Unabhängigkeit ab. Bild: dpa

In einem Volksentscheid stimmen die Schotten nächste Woche über die Abspaltung von Großbritannien ab. Es wäre ein beispielloses wirtschaftspolitisches Experiment.

          Lange hat die Regierung in London die Risiken des bevorstehenden schottischen Unabhängigkeitsreferendums weitgehend ignoriert. Doch seit Umfragen darauf hindeuten, dass die Mehrheit der Schotten tatsächlich für die Gründung eines souveränen Staates stimmen könnte, ist es an der Themse plötzlich mit der Ruhe vorbei. Auch eine Phalanx britischer Großunternehmen von der Supermarktkette Asda bis zum Ölkonzern BP warnt vor den Risiken der Unabhängigkeit. Die Abspaltung Schottlands wäre in Europa ein historisches Novum – politisches, aber auch ökonomisches Neuland. Fünf ungeklärte Wirtschaftsfragen machen das Referendum zum Abenteuer:

          1.Die Währung

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist die mit Abstand brisanteste Unbekannte: Schottlands Premierminister Alex Salmond will das Pfund behalten, London hat dagegen klar gestellt, dass die Schotten mit der Abspaltung auch auf ihre bisherige Währung verzichten müssten. Mark Carney, der Gouverneur der Bank von England, hat in dieser Frage zwar keine Entscheidungsmacht, ist aber ebenfalls gegen eine Währungsgemeinschaft zweier souveräner Staaten. Das Drama um den Euro ist schließlich ein abschreckendes Beispiel dafür, wie gefährlich es sein kann, wenn Staaten zwar eine Währung teilen, aber zum Beispiel in der Haushaltspolitik getrennte Wege gehen.

          Was also, wenn es keine britisch-schottische Währungsgemeinschaft geben sollte? Alternativ könnte Schottland das Pfund informell weiter benutzen, so wie Panama den Dollar ohne formelle Währungsunion mit den Vereinigten Staaten verwendet. Um ein solches System vertrauenswürdig zu machen, müsste der neue schottische Staat aber aus dem Stand Währungsreserven von knapp 50 Milliarden Pfund beschaffen, schätzen die Volkswirte der Schweizer Großbank UBS. Denkbar wäre auch die Schaffung einer neuen eigenen Währung und auf längere Sicht die Einführung des Euro.

          Alle Alternativen sind mit großen ökonomischen und rechtlichen Risiken behaftet. So entstünde im Fall eines Währungswechsels über Nacht für Millionen von Geschäftsbeziehungen zwischen England und Schottland ein Wechselkursrisiko. Die Frage, wer diese zu tragen hat, würde wohl in vielen Fällen zu lähmenden Rechtsstreitigkeiten führen, warnt die Deutsche Bank. Viele Bankenanalysten sagen voraus, dass die Ungewissheit schnell zu einer Welle der Kapitalflucht aus Schottland, aber auch aus Großbritannien insgesamt führen könnte. Denn das Leistungsbilanzdefizit von Rest-Großbritannien würde ohne die schottischen Ölexporte gefährlich nach oben schnellen. Verschärft werden diese Risiken dadurch, dass die Regierung in London praktisch unvorbereitet ist: Vergangene Woche gestand der Sprecher von Premierminister David Cameron ein, dass bisher keinerlei Pläne für den Fall der Unabhängigkeit gemacht worden sind – ein politisches Versäumnis, das Cameron am Ende sein Amt kosten könnte.

          2.Die Banken

          Wegen der Währungsungewissheit besteht die Gefahr, dass nach einem Votum für die Unabhängigkeit zahlreiche Kunden und Investoren ihr Geld fluchtartig von schottischen Banken und Vermögensverwaltern abziehen. Das könnte für Großbritanniens Finanzsystem insgesamt bedrohlich werden, denn mit der Royal Bank of Scotland (RBS) und der zur Lloyds Banking Group gehörenden Bank of Scotland haben zwei der größten britischen Kreditinstitute ihren Hauptsitz in Schottland. Das kleine Schottland, auf das nur 8 Prozent der Bevölkerung und Wirtschaftsleistung Großbritanniens entfallen, wäre kaum in der Lage, diesen gefährlich überdimensionierten Bankensektor im Notfall zu stützen. Die britische Notenbank warnt vor „Risiken für die Finanzstabilität“.

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