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„Schleichender Bedeutungsverlust“ : Dem Steuerzahlerbund laufen die Mitglieder davon

Klassiker, der sich medial gut vermarkten lässt: die Schuldenuhr Bild: ddp

Nach eigenem Bekunden ist der Steuerzahlerbund die größte Steuerzahlerorganisation der Welt. Doch die Basis schrumpft. Seit Beginn des Jahrzehnts ist die Zahl der Mitglieder um fast ein Viertel gesunken.

          Fast 100.000 Mitglieder haben in wenigen Jahren dem Bund der Steuerzahler den Rücken zugekehrt. Das bestätigte Bundesgeschäftsführer Reiner Holznagel der F.A.Z. Damit ist seine Mitgliederzahl um fast ein Viertel geschrumpft, wenn man sie mit dem Stand zu Beginn des Jahrzehnts vergleicht. Doch nicht nur das macht der Interessenvertretung der Steuerzahler zu schaffen. Die immer gleichen Themen beginnen zu ermüden, ihre Kontakte in die Spitzen der Politik könnten besser sein, und dem kleinen, aber einst feinen wissenschaftlichen Institut des Verbands, dem Karl-Bräuer-Institut, fällt es immer schwerer, gegen die Übermacht der deutlich größeren Konkurrenz zu bestehen.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Präsident Karl Heinz Däke ist noch immer für eine Schlagzeile gut. Denn der Verband, der bald auf eine Geschichte von 60 Jahren zurückblicken kann, verfügt über Klassiker, die sich weiter medial gut vermarkten lassen: das Schwarzbuch, das krasse Fälle von Steuergeldverschwendung auflistet, die Schuldenuhr, mit der die weiter wachsende Kreditaufnahme des Staates dokumentiert wird, den Steuerzahlergedenktag, der den Tag im Kalender markiert, von dem an der Steuerzahler nicht mehr für den Fiskus, sondern für sich selbst arbeitet. Doch die Wiederholung des Immergleichen nutzt sich ab. Im Film grüßt täglich das Murmeltier, in der deutschen Realität klagt permanent Däke.

          Karl Heinz Däke steht dem Verband seit 14 Jahren vor

          Der Präsident ist für einige im Verband zum Teil des Problems geworden. Als vor drei Jahren bekannt wurde, dass Däke aus verschiedenen Quellen insgesamt gut 180.000 Euro Jahreseinkommen bezieht, waren viele schockiert. So mancher verließ die Organisation, weil ihm das überzogen vorkam oder weil er sich über das undurchsichtige Verfahren ärgerte. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß nutzte die Gelegenheit, um endlich einmal den ewigen Kritiker zurückzuschlagen: „Der Pharisäer Däke sollte seinen Hut nehmen.“

          Doch Däke, der seit seinem Studium für den Steuerzahlerbund arbeitet, blieb, er bekommt zwar nur noch ein Gehalt, aber das ist mit 175.000 Euro kaum geringer als vorher. Es könnte sogar sein, dass der Kontrakt verlängert wird. In der Kommission, welche die im nächsten Jahr anstehende Wahl vorbereitet, hatte man sich einen anderen Kandidaten angeschaut. Ein renommierter Wissenschaftler wurde begutachtet, für gut befunden, aber als zu wenig mit den Feinheiten des Verbandes vertraut verworfen. Noch gibt es in den Landesverbänden Widerstand gegen eine Wiederwahl Däkes, der seit 1994 der nach eigenem Bekunden größten Steuerzahlerorganisation der Welt vorsteht. Doch es ist nicht auszuschließen, dass er noch einmal in der Wahl das Rennen macht.

          „Kalte und warme“ Akquise

          Unterdessen kämpft der Steuerzahlerbund mit vielen Mitteln darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Dazu gehört die intensivierte Zusammenarbeit mit der Hamburg-Mannheimer Versicherung, dazu gehört die „kalte und warme“ Akquise. So arbeitet der Verband mit Call-Centern zusammen, die auch in Südafrika sitzen können. Im Fall der warmen Akquise konzentriert man sich auf solche Leute, die schon einmal Kontakt zum Bund der Steuerzahler hatten, im anderen Fall versucht man sein Glück auch bei anderen. Auch zahlt man seit ein paar Jahren der Hamburg-Mannheimer eine Prämie, wenn die Quote stimmt. So hat die Versicherung Beauftragte, die nichts anderes zu tun haben, als Mitglieder für den Steuerzahlerbund zu werben.

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