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Schlechte Finanzlage : Diese deutschen Großstädte haben Milliarden-Schulden

  • -Aktualisiert am

Die Stadt Köln hat mehr als 5,3 Milliarden Euro Schulden - danach folgt München. Bild: dpa

Trotz der guten Wirtschaftslage in Deutschland machen viele Städte immer mehr Schulden. Das zeigt eine neue umfangreiche Analyse. Ein Bundesland ist besonders betroffen.

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          Trotz der guten Wirtschaftslage, einer höheren Erwerbstätigkeit und steigenden Steuereinnahmen verschulden sich die meisten Großstädte immer mehr. 39 der 72 Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern kamen zum Jahresende 2015 auf einen höheren Schuldenstand als noch ein Jahr zuvor.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Besonders in Nordrhein-Westfalen fällt die schlechtere Finanzlage auf: Hier stiegen die Schulden in 22 von 29 Großstädten. Dennoch sank die Schuldenstand aller 73 deutscher Großstädte leicht um 0,2 Prozent auf 80,9 Milliarden Euro. Dies bedeutet einen Schuldenstand von 4099 Euro je Einwohner und damit weniger als der Wert von 4166 Euro je Einwohner aus dem Jahr zuvor.

          Das sind Ergebnisse einer Studie der Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die FAZ.NET vorliegen. Die Untersuchung umfasst die Kern- und Extrahaushalte sowie zudem auch Schulden öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Städte zu 100 Prozent beteiligt sind. Dabei sind die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen ausgenommen.

          Hessen schneidet gut ab

          Mit den Ergebnissen der Studie treten die großen Unterschiede zwischen den Kommunen hervor: Außerhalb Nordrhein-Westfalens haben die meisten Großstädte ihre Schulden senken können, so dass die Großstädte insgesamt ihren Schuldenstand senken konnten. Von Stadt zu Stadt ist die Finanzlage häufig anders und hängt auch an kommunalen Finanz-Ausgleichen sowie der Ausstattung durch das Bundesland. Der Schuldenstand der Großstädte in Nordrhein-Westfalen stieg um 1,3 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro sowie leicht in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen.

          In Hessen, Baden-Württemberg und Bayern konnte die Mehrheit der Großstädte Schulden abbauen. So verdoppelte sich etwa die Zahl der Großstädte mit geringerer Verschuldung im Vergleich zum Vorjahr von 18 auf 34. „Die Maßnahmen der Politik zur Bekämpfung der kommunalen Schuldenkrise greifen bei einigen der betroffenen Städte - aber längst nicht bei allen“, sagte EY-Partner Bernhard Lorentz, der den Bereich für den öffentlichen Sektor der Gesellschaft für Deutschland, die Schweiz und Österreich leitet.

          „Im Fall eines Konjunkturabschwungs wird sich die Situation hingegen sehr rasch wieder verschlechtern - um dafür gewappnet zu sein, müsste die Sanierung der kommunalen Finanzen sehr viel schneller vorangehen.“

          Die meisten Schulden hat Köln mit 5,3 Milliarden Euro – das sind 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Den höchsten Schuldenstand je Einwohner erreicht Oberhausen mit 9792 Euro und den niedrigsten Schuldenstand je Einwohner Braunschweig mit 394 Euro. Am stärksten stiegen die Schulden in Göttingen und Osnabrück. Hingegen erreichten Ingolstadt und Wolfsburg den höchsten Rückgang der Gesamtverschuldung. Allerdings müssten sich Wolfsburg mit dem Sitz des Autoherstellers Volkswagen und Ingolstadt mit dem Sitz deren Tochtergesellschaft Audi auf schwierigere Finanzzeiten einstellen, wenn infolge des Abgas-Skandals die Gewerbesteuerzahlungen sinken sollten.

          EY-Fachmann Lorentz warnt vor einer Zementierung der Zweiklassengesellschaft unter deutschen Kommunen, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden könne. Stark verschuldete Städte würden ohne Hilfen in Not geraten.

          Wohlhabende Städte hingegen hätten finanziellen Spielraum und könnten um Unternehmensansiedlungen und Zuzügler werben. Insgesamt überblickt auch die Untersuchung von EY nicht vollständig die städtische Verschuldung. So tauchen zwar Beteiligungen auf, die zu 100 Prozent im Besitz der Kommune sind, aber nicht diejenigen, deren Anteil darunter liegt und durchaus auch Schulden umfassen können.

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