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Sarrazin-Interview : Bundesbank in Aufruhr

  • -Aktualisiert am

Steht häufiger in den Schlagzeilen, als es für seinen Arbeitgeber schicklich ist: Thilo Sarrazin Bild: dpa

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat sich in einem Interview abfällig über Berlin geäußert: Die Stadt sei belastet von „der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor“, wird Sarrazin zitiert. Nun hat sich sein Dienstherr deutlich von den „diskriminierenden Äußerungen“ distanziert.

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          Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat von seinem neuen Dienstherrn einen Schuss vor den Bug erhalten. In ungewöhnlich deutlicher Form distanzierte sich die Deutsche Bundesbank am Mittwoch in einer Pressemitteilung von „Inhalt und Form der diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin in dessen Interview mit Lettre International“.

          Der ehemalige Berliner Finanzsenator nutzte ein Gespräch mit der dort ansässigen Zeitschrift, um über seine einstige Heimatstadt herzuziehen. Berlin sei belastet von „der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor“, wird Sarrazin zitiert. Die Stadt sei in ihren politischen Strömungen nicht elitär, sondern eher plebejisch und kleinbürgerlich.

          „Ich würde einen völlig anderen Ton anschlagen“

          Ein Problem sei, „dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden“, wird er nun zitiert. Aber „türkische Wärmestuben“ könnten die Stadt nicht voranbringen. „Ich würde einen völlig anderen Ton anschlagen und sagen: Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen.“

          Immerhin hält Sarrazin die Lage in der Hauptstadt nicht für hoffnungslos: Der Intellekt, den Berlin brauche, müsse importiert werden und er werde auch importiert werden wie im New York der fünfziger Jahre, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesbank.

          Bundesbank: keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben

          Sarrazin ist seit Mai bei der Bundesbank für Risikocontrolling und Bargeldumlauf zuständig und seitdem häufiger in den Schlagzeilen, als es für seinen Arbeitgeber schicklich ist. Das ehemalige Mitglied des Berliner Senats gebe in dem Interview nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, teilt die Bundesbank mit. Das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Bundesbank.

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