https://www.faz.net/-gqe-8my3i

F.A.Z. exklusiv : Sachverständigenrat kritisiert EZB

  • -Aktualisiert am

Der Sachverständigenrat - hier im März 2016 - prognostiziert ein Wachstum von 1,6 Prozent in diesem Jahr. Bild: dpa

Die Wirtschaftsweisen fordern Reformen in der Geldpolitik. Das geht aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats hervor, das der F.A.Z. vorab vorliegt. Außerdem schätzen sie das Wachstum für den Euroraum.

          1 Min.

          Der Sachverständigenrat für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet für das laufende Jahr mit einem realen Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,9 Prozent; nächstes Jahr sollen es dann nur noch 1,3 Prozent sein. Das geht aus dem Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen hervor, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt werden soll und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon vorab vorliegt. Als Grund für den Rückgang nennen die Ökonomen allerdings lediglich Kalendereffekte. „Die zugrunde liegende Wachstumsdynamik bleibt im Wesentlichen erhalten“, heißt es in dem 536 Seiten langen Gutachten. Für den Euro-Raum sagt der Rat ein reales Wachstum von 1,6 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr voraus.

          Kritisch beurteilt der Rat die Geldschwemme in der EU durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Das Ausmaß der Lockerung sei angesichts der wirtschaftlichen Erholung „nicht mehr angemessen“, verdecke die Probleme und gefährde zunehmend die Finanzmarktstabilität. Die Ökonomen sehen sogar das europäische Projekt insgesamt gefährdet. „Die Krise im Euro-Raum hat die Skepsis gegenüber Europa verstärkt“, schreiben sie in dem Gutachten, das den Titel „Zeit für Reformen“ trägt. Der Brexit und der Zulauf zu europakritischen Parteien signalisierten eine zunehmende Abkehr von Europa. „Ohne die Bereitschaft zu grundlegenden Reformen kann die langfristige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Europäischen Union (EU) nicht gesichert werden.“

          Der freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital sowie die Freizügigkeit sollten nicht in Frage gestellt werden. Aber: „Eine verzögerte Integration in die Sozialsysteme bei der Migration innerhalb der EU wäre hingegen angemessen“, urteilen die Wirtschaftsweisen. Die deutsche Politik müsse ihre Aufmerksamkeit auf die Fluchtursachenbekämpfung und „einen effektiven Schutz der Außengrenzen“ richten. Die zusätzlichen direkten Ausgaben für die Flüchtlinge hierzulande hält der Rat weiterhin für tragbar. Entscheidend für die langfristigen Kosten sei vor allem die Arbeitsmarktintegration.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.