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Sachverständigenrat : Isabel Schnabel soll Wirtschaftsweise werden

Dem Sachverständigenrat wird auch künftig eine Frau angehören. Nach Informationen der F.A.Z. soll die Mainzer Finanzmarktforscherin Isabel Schnabel in das Gremium einziehen. Sie war schon früher für den Posten im Gespräch.

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          Die Mainzer Finanzmarktforscherin Isabel Schnabel soll nach Informationen dieser Zeitung höchstwahrscheinlich in den Sachverständigenrat zu Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einziehen. Damit wäre sie Nachfolgerin von Claudia Buch, die den Rat der „Wirtschaftsweisen“ verlässt, weil sie in den Vorstand der Bundesbank wechselt. Sowohl aus Wissenschafts- als auch aus Wirtschafts- und Politikkreisen in Berlin erfuhr diese Zeitung, dass es auf Schnabel hinauslaufen dürfte. „Wir gehen zu 99 Prozent davon aus“, war zu hören.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

          Das Bundeswirtschaftsministerium wollte die Personalie nicht kommentieren. Der offizielle Berufungsprozess, an dessen Ende ein Kabinettsbeschluss steht, hat noch nicht begonnen, da unter anderem Claudia Buch noch nicht offiziell gewechselt ist. Generell werden die fünf Mitglieder des Rates für jeweils fünf Jahren vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung berufen. Der Rat selbst wird angehört, hat aber kein Vetorecht.

          Schnabel erfüllt das gefordert Profil genau

          Schon als Claudia Buchs Vorgängerin Beatrice Weder di Mauro 2012 den Rat verließ, wurde Schnabels Name genannt. Damals machte jedoch Buch das Rennen, die von Beginn an als Favoritin gehandelt wurde. Nun wurde abermals eine Frau gesucht – in den Zustand eines rein männlich besetzten Sachverständigenrates zurückzufallen, wäre politisch nur schwer durchsetzbar. Und Schnabel erfüllt von ihrem Profil als Wissenschaftlerin her die Anforderungen genau. Die Finanzökonomin, Jahrgang 1971, ist seit 2007 an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz beschäftigt und hat dort einen Lehrstuhl inne. Die Schülerin des bekannten Ökonomen Martin Hellwig begann ihre Karriere in Mannheim und forschte im Ausland unter anderem in Harvard. Mehrere Jahre war die dreifache Mutter in Bonn am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern beschäftigt. Schnabel ist Mitglied im Verwaltungsrat der Aufsichtsbehörde Bafin, verfügt also auch über Erfahrung im politischen Umfeld. In öffentlichen Debatten zur künftigen Bankenregulierung, war sie allerdings kaum zu hören.

          Die wahrscheinliche Berufung Schnabels erscheint folgerichtig, weil sie sich wie die nun ausscheidende Claudia Buch früh und intensiv mit Finanzkrisen und der Stabilität des Bankensystems auseinandergesetzt hat. Insbesondere das Thema Finanzmarktregulierung hat im Sachverständigenrat an Bedeutung gewonnen. Schon zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Schnabel, die in Dortmund geboren ist, große historische Wirtschafts- und Finanzkrisen erforscht. Im Jahr 2004 etwa veröffentlichte sie eine Studie über die Preußische Finanzkrise des Jahres 1763. In aktuelleren Arbeiten befasst sich die Ökonomin mit dem Wettbewerb unter Finanzinstituten, mit Kapitalregeln für Banken und der Frage, „warum Banken nicht zu groß sind, um zu scheitern“. Die Forscherin selbst hielt sich am Dienstag bedeckt. Sie wollte sich zu den „derzeitigen Spekulationen nicht äußern“, teilte sie dieser Zeitung mit.

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