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Rußland : Gasprom übernimmt Mehrheit von „Sachalin 2"

  • -Aktualisiert am

Monopolist unter staatlicher Kontrolle: Gasprom Bild: dpa

Shell beugt sich dem russischen Druck und zeigt sich zufrieden. Der russische Erdgasmonopolist Gasprom wird die Mehrheit an dem Gas- und Ölfördervorhaben "Sachalin 2" übernehmen. Der Einstieg erlaubt dem Konzern, die schwierige Technik der Gasverflüssigung einzuüben.

          Der vom Staat kontrollierte russische Erdgasmonopolist Gasprom wird 50 Prozent plus eine Aktie an dem Gas- und Ölfördervorhaben "Sachalin 2" übernehmen und dafür 7,45 Milliarden Dollar bezahlen. Darauf haben sich Royal Dutch Shell, die japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi am Donnerstag abend in Moskau geeinigt.

          Bei Sachalin 2 handelt es sich um eines der größten und technisch schwierigsten Off-shore-Projekte zur Förderung von Gas und Öl sowie zur Gasverflüssigung. Präsident Wladimir Putin sagte, inzwischen seien auch alle Probleme der Investoren und der russischen Umweltbehörden gelöst worden. Der Vorstandschef von Shell, Jeroen van der Veer, zeigte sich in Moskau zufrieden über den Einstieg von Gasprom als Mehrheitseigner. Dies sei ein großer Schritt nach vorn und verbessere die Möglichkeiten für das Vorhaben Sachalin 2. Gasprom-Chef Aleksej Miller sagte, der Eintritt des Konzerns in das Projekt entspreche der Strategie, die Stellung von Gasprom auf dem Markt für Flüssiggas zu verbessern.

          Herzstück: Gasverflüssigungsanlage

          Shell hatte bislang das internationale Konsortium zur Ausbeutung der Gas- und Ölvorkommen, die Sachalin Energy, geführt und 55 Prozent der Anteile besessen. Mitsui hielt 25 Prozent der Anteile, Mitsubishi 20 Prozent. Künftig entfallen auf Shell 27,5 Prozent, auf Mitsui und Mitsubishi 12,5 beziehungsweise 10 Prozent. Das Projekt befindet sich in der zweiten Ausbaustufe und soll künftig 8 Millionen Tonnen Öl und 9,6 Millionen Tonnen Flüssiggas im Jahr liefern.

          Die Kosten für die zweite Ausbaustufe waren wegen schwieriger technischer Bedingungen fast um die Hälfte auf 22 Milliarden Dollar gestiegen. Herzstück des Vorhabens ist der Bau einer Gasverflüssigungsanlage im Süden Sachalins, das Gas an Abnehmer im pazifisch-asiatischen Raum liefern soll. Japan wird einer der Hauptabnehmer sein.

          Rußland strebt mehr staatliche Kontrolle an

          Die internationalen Konzerne hatten Mitte der neunziger Jahre besondere Förderverträge mit Rußland abgeschlossen, das damals nicht über die Mittel und die Technik zur Erschließung und Ausbeutung der Erdgas- und Öllager vor Sachalin verfügte. Es wurde festgelegt, daß der russische Staat erst dann am Gewinn zu beteiligen sei, wenn die Investitionen der Konzerne abgegolten seien. Dies genügte Rußland nicht mehr, das aufgrund der hohen Marktpreise für Öl und Gas einen erheblichen Zufluß an Petrodollar für Investitionen verbuchen konnte.

          Überdies strebt die Regierung unter Putin danach, die staatliche Kontrolle über die Rohstoffvorkommen auszuweiten. Gasprom sollte in das Projekt Sachalin einsteigen. Als Verhandlungen über einen Asset-Austausch zwischen Shell und Gasprom scheiterten, begannen die Russen, die Gültigkeit der Förderverträge in Frage zu stellen und die Umweltaufsichtsbehörde einzuschalten, um Druck auf Shell auszuüben. Es wurde damit gedroht, die Förderlizenzen zu entziehen. Die Umweltbehörde Rosprirodnadsor bezifferte die Umweltschäden, die durch die Verlegung einer Pipeline auf Sachalin entstanden seien, unlängst auf mindestens 10 Milliarden Dollar.

          Der Einstieg von Gasprom erlaubt dem Konzern, die schwierige Technik der Gasverflüssigung einzuüben. Die internationalen Partner haben zugesichert, daß sie dabei im Rahmen des Projektes helfen. Die Beherrschung dieser Technik verbessert die Möglichkeiten von Gasprom, das riesige Erdgasfeld in der Barentssee unter Federführung des Konzerns auszubeuten. Gasprom, dem der Gesetzgeber ein Exportmonopol für Erdgas eingeräumt hat, kontrolliert nun auch den Export des auf Sachalin produzierten Flüssiggases.

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