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Rüstungsindustrie : Der A400M bleibt Zankapfel für die Bundeswehr

Ein Dickschiff der Lüfte: der neue A400M wird von der Flughafenfeuerwehr auf dem Flughafen Jean-de-la-Ruelle bei Orleans begrüßt. Bild: AFP

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG bemängeln die dürftige Erstausstattung des Truppentransporters. Airbus spielt die Kritik herunter.

          In den vergangenen Wochen kam die eingegrenzte Transportfähigkeit der Bundeswehr wieder in voller Deutlichkeit zum Vorschein: Wegen einer defekten Transall gelangten deutsche Soldaten nicht schnell genug in den Irak; ein anderes Mal war die Ebola-Luftbrücke nach Afrika unterbrochen, weil der Bundeswehrtransporter aus den sechziger Jahren am Boden blieb.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Nachfolger der Transall hält aber auch nicht alles, was er verspricht. So werden etwa vom ersten deutschen Truppentransporter A400M aus dem Hause Airbus noch keine Fallschirmjäger abspringen können, wenn die Maschine wie geplant Ende November erstmals an die Bundeswehr ausgeliefert werden soll. Auch der Materialabwurf wird noch nicht die nötigen Genehmigungen haben, wie das Unternehmen am Montag einräumte.

          Die Beratungsgesellschaft KPMG hat am Montag ihr mit Spannung erwartetes Gutachten über die Rüstungsprojekte der Bundeswehr an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen übergeben. Es enthält mit neun Projekten nur eine kleine Menge von Stichproben angesichts einer Vielfalt von aktuell 1200 Beschaffungsprogrammen, doch das Gutachten legt den Finger in etliche Wunden. Dazu gehört der Militärtransporter A400M. Er ist eine der größten Investitionen der Bundeswehr mit Gesamtkosten für den deutschen Haushalt von geschätzt 9 Milliarden Euro. Insgesamt 53 Maschinen will Deutschland kaufen, davon aber nur 40 behalten und den Rest weiterverkaufen.

          KPMG empfiehlt: Ministerin soll „Kompensationsleistungen“ verlangen

          Ursprünglich wollte die Bundeswehr mal 60 Maschinen abnehmen, doch aus Gründen der Haushaltsdisziplin wurden die Bestellmengen reduziert. Die Industrie hat daran auch ihren Anteil: Sie liefert die Maschine nicht nur Jahre später als ursprünglich geplant, sie kostet auch viele Milliarden Euro mehr, als einst vorgesehen war. KPMG empfiehlt der Ministerin daher ausdrücklich die „Einforderung von Kompensationsleistungen“.

          Der A400 M bleibt damit ein Zankapfel zwischen der Bundeswehr und ihrem Ausrüster aus Toulouse. Die Spannungen sind freilich nicht vergleichbar mit dem Beinahe-Zusammenbruch des Programms vor etwa vier Jahren. Damals war Airbus unter dem Konzernchef Tom Enders zum Schluss gekommen, dass der sieben Jahre zuvor geschlossene Vertrag mit sieben Nato-Staaten nicht mehr einzuhalten war.

          Die technischen Anforderungen waren 2010 zu hoch, die Ressourcen bei Airbus wegen der Entwicklung von Zivilmaschinen zu angespannt, verschiedene Lieferanten untereinander zu zerstritten und der gebotene Preis von insgesamt 20 Milliarden Euro von sieben Nationen aus Sicht des Herstellers zu niedrig. Nach langwierigen Verhandlungen akzeptierten die Auftraggeber im April 2011, noch einmal 3,5 Milliarden Euro nachzulegen und die Maschinen später in Empfang zu nehmen. Airbus nahm seinerseits Rückstellungen von rund 4 Milliarden Euro vor.

          Seitdem die Verträge auf diese Art eine neue Grundlage bekamen, „ist das Projekt wirtschaftlich und industriell im Plan“, betonte eine Airbus-Sprecherin am Montag. Eine Fundamentalkritik an dem Programm will das Unternehmen nicht akzeptieren, denn die jüngsten Verzögerungen seien Probleme marginaler Natur und würden die Bundeswehr in naher Zukunft nicht an ihren geplanten Missionen hindern, nämlich Truppen und Material von A nach B zu bringen, heißt es bei Airbus weiter.

          In Frankreich sind schon fünf A400M im Einsatz

          Selbst in seiner abgespeckten Erstversion sei der A400M heute schon ein „Game changer“, der der Bundeswehr zu ganz neuen Fähigkeiten verhelfe. Airbus räumt ein, dass das Unternehmen in Diskussionen über Kompensationen stehe, will über ihren Ausgang aber nicht spekulieren. Der Hersteller weist auch darauf hin, dass von November 2014 an für die A400M-Folgemodelle eine schrittweise Erhöhung der technischen Fähigkeiten vertraglich festgelegt worden sei. Der Absprung von Fallschirmjägern sowie der Abwurf von Material seien daher von Mitte 2015 an gesichert.

          Die französischen Militärs erhielten den A400M als Erste im vergangenen September. Heute haben die Franzosen fünf Maschinen im Einsatz, die sie unter anderem bei Missionen in Mali und von der Elfenbeinküste aus benutzen. In der kommenden Woche will Airbus Journalisten seine A400M im französischen Transportgeschwader in Orléans zeigen.

          Auch das Nato-Mitglied Türkei hat bereits einen A400M erhalten. Zuvor hatte der Leiter der türkischen Beschaffungsbehörde allerdings kritisiert, dass die Maschine nicht alle vereinbarten Anforderungen erfülle - ein Vorwurf, den Airbus zurückwies. Als nächster Abnehmer des A400M sind noch vor der Bundeswehr die britischen Streitkräfte vorgesehen.

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