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Rotationsprinzip : Unternehmen müssen Bilanzprüfer alle zehn Jahre wechseln

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Die „Großen Vier“ beherrschen den Markt der Wirtschaftsprüfer in Europa: Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers. Als Lehre aus der Finanzkrise will die EU deren Macht beschneiden. Doch die Regeln fallen sanfter aus als ursprünglich geplant.

          Unternehmen in der Europäischen Union (EU) müssen ihren Wirtschaftsprüfer künftig mindestens alle zehn Jahre wechseln. Darauf haben sich Vertreter des Parlaments, der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten verständigt. Mit dem Zwang zu einem häufigeren Wechsel ziehen sie Lehren aus der Finanzkrise, in der die Bilanzprüfer Banken eine ordnungsgemäße Buchführung bescheinigt hatten, obwohl diese kurz vor der Pleite standen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sprach am Dienstag von einem „ersten Schritt zur Verbesserung der Prüfungsqualität und zur Wiederherstellung des Vertrauens in Finanzinformationen“.

          Politiker hatten den Wirtschaftsprüfern eine übertriebene Nähe zu den von ihnen überwachten Unternehmen vorgeworfen und eine zu große Gutgläubigkeit. Der nun gefundene Kompromiss weicht allerdings die Vorstellungen der EU-Kommission auf, die eine noch häufigere Rotation gefordert hatte. Nun können Firmen den Prüfer für weitere zehn Jahre behalten, wenn sie den Auftrag nach zehn Jahren neu ausgeschrieben und sich dann gegen einen Wechsel entschieden haben. Teilen sich - wie von der EU gewünscht - zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften das Mandat, können sie sogar bis zu 24 Jahre lang ein Unternehmen prüfen. In Italien und den Niederlanden gelten schon jetzt kürzere Fristen, in Großbritannien sollen sie 2014 beschlossen werde. Die EU-Regelungen sollen etwa 2016 in Kraft treten, wenn das Parlament Anfang 2014 formell zustimmt.

          Verboten werden soll in der EU, dass Wirtschaftsprüfer das von ihnen geprüfte Unternehmen zugleich in Themen beraten, die mit der Bilanzierung zusammenhängen. Auf die Schwarze Liste kommt unter anderem die Beratung in Steuerfragen. Die verschärften Regeln treffen vor allem die großen vier Wirtschaftsprüfer: KPMG, PwC, Deloitte  und EY (Ernst & Young). Sie bieten Unternehmen bisher gerne verschiedene Leistungen aus einer Hand an. Kleinere Prüfungsunternehmen wie BDO erhoffen sich dagegen größere Chancen, in die Phalanx der Platzhirsche einzubrechen und bei Großkonzernen stärker zum Zug zu kommen, etwa als Zweitprüfer.

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