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Roman Herzog : Der Präsident der Marktwirtschaft

Roman Herzog - die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2014. Bild: dpa

Roman Herzog war ein Präsident, der die Soziale Marktwirtschaft immer hochgehalten hat. Bis zuletzt hat er davor gewarnt, zu bequem zu werden. Von seinem gelassenen Freiheitsverständnis könnte Deutschland mehr vertragen.

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          Die Soziale Marktwirtschaft hat einen wichtigen Fürsprecher verloren. In Roman Herzog hatte die deutsche Wirtschaftsordnung immer einen Anwalt, gleich welches Amt er gerade innehatte. Denn der Jurist Herzog hatte besser als mancher Ökonom und viele Wirtschaftsminister verstanden, dass eine freie Gesellschaft nicht ohne wirtschaftliche Freiheit gedeihen kann – und dass kein Staat die ökonomischen Kräfte ersetzen kann, die Individuen im Wettbewerb entfalten, wenn man sie denn lässt.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Bundespräsident wurde Herzog 1994, also in einer Zeit, in der Deutschland an den Folgen der Wiedervereinigung immer schwerer zu tragen hatte. Das konjunkturelle Feuer der ersten Vereinigungsjahre, ausgelöst durch 16 Millionen neue Konsumenten mit einem enormen Nachholbedarf, erlosch nach und nach. Dafür drückten die steigenden Kosten der Einheit, schon länger verdrängte Schwächen im westlichen Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht offenbarten enormen Reformbedarf. Das Wachstum lahmte, die Arbeitslosenzahlen stiegen, die Konkurrenz aus Asien machte sich bemerkbar. Jahre einer quälenden Standortdebatte folgten, in die sich der temperamentvolle Herzog nicht immer mit präsidialer Zurückhaltung einmischte, sondern ganz gerne mit handfesten Reformempfehlungen. Die Regierung Kohl fand allerdings trotz seiner Empfehlungen nicht mehr die passenden Antworten – auch weil sie im Bundesrat von der Opposition blockiert wurde, die schließlich mit der Wahl im Herbst 1998 an die Macht kam.

          Im hausgemachten Modernisierungsstau gefangen

          Im Jahr zuvor hatte Herzog seine berühmte Ruck-Rede gehalten, in der er die deutsche Misere so auf den Punkt brachte, dass ein Raunen durch das Land ging. „Ich will heute Abend kein Blatt vor den Mund nehmen“, begann der Bayer. Und dann bekamen die hochmögenden Gäste, die zur Eröffnung ins Hotel Adlon am Brandenburger Tor geladen waren, „Klartext“ zu hören über den „Dreiklang in Moll“, der das Land erfasst habe. Der Präsident beschrieb den Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft und eine „unglaubliche mentale Depression“. Wer die Rede nachliest, empfindet auch fast zwanzig Jahre danach ihre aufrüttelnde Kraft.

          Mit seiner legendären „Ruck-Rede“ im April 1997 schrieb sich Alt-Bundespräsident Roman Herzog in die deutsche Geschichte ein. Bilderstrecke

          Herzog, der kurz zuvor durch Asien gereist war, sprach von der Dynamik und den kühnen Zukunftsvisionen der Region, während Deutschland im hausgemachten Modernisierungsstau gefangen sei. Er verlangte Offenheit für technologischen Wandel, die mentale und intellektuelle Verfassung des Standorts Deutschland sei wichtiger als die Höhe der Lohnnebenkosten. „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal. 20 Jahre haben wir gebraucht, um den Ladenschluss zu reformieren. Die zentralen Herausforderungen unserer Zeit werden wir mit diesem Tempo ganz gewiss nicht bewältigen“, mahnte Herzog. In diesem Stil ging es eine ganze Weile weiter, hängen blieb an jedem Stammtisch sein Bild vom „Ruck“, der durch Deutschland gehen müsse. Den Wandel nicht aufzuhalten, sondern sich an die Spitze zu setzen, blieb Herzogs Credo.

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