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Rohstoffhandel : Australien sichert Japan Seltene Erden zu

Der Abbau seltener Erden in China: Ein wichtiger Rohstoff für die ganze Welt Bild: REUTERS

Auf dem fünften Kontinent kommen viele Mineralien mit seltenen Metallen vor. Die australische Regierung will die steigende Nachfrage für sich nutzen.

          Australien will die steigende Nachfrage nach Seltenen Erden für sich nutzen. Außenminister Kevin Rudd sicherte Japans Außenminister Seiji Maehara nun zu, das Land langfristig mit den wichtigen Rohstoffen versorgen zu wollen. „Australien steht bereit, auf lange Sicht ein sicherer und verlässlicher Lieferant zu sein“, sagte Rudd in Canberra. Bislang fördert China 97 Prozent aller Seltenen Erden, das sind Minerale mit seltenen Metallen. Sie kommen in der Elektronik zum Einsatz. Japan ist der weltgrößte Abnehmer. Die Spannungen zwischen den beiden nordasiatischen Ländern ließen jüngst die Sorge vor dem chinesischen Quasimonopol wachsen. „Wir sind Australien überaus dankbar, dass es uns eine langfristige Lieferzusage macht“, sagte Maehara.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Die australische Regierung weiß um die strategische Bedeutung Seltener Erden für die ganze Welt. Wir geben zu, dass unser Land viele dieser Seltenen Erden besitzt“, sagte der frühere australische Ministerpräsident. Mittelfristig steht auch eine Beteiligung japanischer Unternehmen am Abbau des für die heimische Industrie wichtigen Rohstoffs zur Überlegung. Australien hatte im vergangenen Jahr den Versuch der China Non-Ferrous Metal Mining (Group) blockiert, sich für 252 Millionen australische Dollar (182,8 Millionen Euro) an der Lynas Corporation aus Sydney zu beteiligen. Sie ist Australiens führendes Unternehmen in der Förderung der Seltenen Erden.

          Unabhänigkeit vom Verhalten Chinas

          Maehara sagte mit Blick auf Chinas Vorpreschen: „Ich gehe davon aus, dass japanische Unternehmen, die sich für Investitionen interessieren, dies ganz strikt im Rahmen der australischen Gesetze tun werden.“ Derweil stieg am Mittwoch der Kurs der Aktien des japanischen Handelshauses Sojitz um fast 9 Prozent, nachdem die Japaner einen Abnahmevertrag mit Lynas über bis zu 9000 Tonnen Seltener Erden jährlich schlossen. Der Vertrag läuft über ein Jahrzehnt und soll eine Finanzierung des Abbaus über 250 Millionen Dollar einschließen. Der Kurs der Aktien von Lynas legte im Handel in Sydney um gut 8 Prozent zu. Das Unternehmen aus Sydney will im kommenden Jahr eine große Mine in Mount Weld in Westaustralien für rund 550 Millionen australische Dollar in Betrieb nehmen. Von dort werden die Rohstoffe über den Hafen in Perth zur Weiterverarbeitung in eine unternehmenseigene Fabrik nach Malaysia verschifft.

          Bislang hatte Lynas schon sechs Abnahmeverträge mit Käufern in Amerika, Europa und Japan geschlossen, nennt aber deren Namen nicht. Nicholas Curtis, der derzeit von den Regierungen der Industrieländer umworbene Vorstandsvorsitzende von Lynas, wies darauf hin, dass China seine Abnehmer abstrafen werde, wenn bekannt würde, dass diese auch in Australien einkauften. Ian Chalmers, Geschäftsführer bei Lynas-Konkurrent Alkane Resources, erklärte gerade, sein Unternehmen werde nicht nach China liefern. Damit wolle er für seine Kunden in den Industrieländern sicherstellen, in keiner Weise von Chinas Verhalten abhängig zu sein.

          Japan setzt Priorität bei Versorgung mit seltenen Erden

          Die Australier rechnen für das Jahr 2014 mit einer internationalen Nachfrage von rund 190 000 Tonnen Seltener Erden im Wert von mehr als 11 Milliarden Dollar - die Unterversorgung werde dann bei rund 20000 Tonnen jährlich liegen. 114 000 Tonnen sollten 2014 aus China kommen, 22 000 Tonnen werde allein das Mount-Weld-Projekt beisteuern. Mit 42 Prozent werde der Löwenanteil der globalen Nachfrage in Magneten fließen, in Batterien gehen 13 Prozent. Vor allem durch die Politik Chinas hat sich der Preis für einige der Seltenen Erden seit Jahresbeginn versiebenfacht. Die Commerzbank warnte jüngst, dass sich neue Abbauprojekte verzögerten - und damit die Preise weiter stiegen. Auf der anderen Seite fürchten die kleineren australischen Minen, wie Lynas, Alkane Resources und Arafura Resources, dass vor allem die amerikanische und die japanische Regierung regulierend in den Markt eingreifen werden. Damit könnten die eigenen Bemühungen, marktwirtschaftlich Seltene Erden zu fördern, torpediert werden, warnte Curtis. Arafura gehört zu 25 Prozent dem East China Development Bureau. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton hatte jüngst in Australien angekündigt, beide Regierungen würden in Verhandlungen über Seltene Erden eintreten. Dies könne eine Lieferung der Australier nach Amerika bedeuten, aber auch deren Zugang zu amerikanischen Fördermitteln, mutmaßen Branchenkenner.

          Japan betreibt, durch die jüngsten Erfahrungen mit China geprägt, eine Absicherungspolitik, die an diejenige Chinas beim Einkauf von Rohstoffen erinnert. „Inzwischen haben die japanischen Unternehmen eingesehen, dass eine sichere Versorgung mit Seltenen Erden ihre oberste Priorität sein muss“, sagte der japanische Professor Yasushi Watanabe dem „Australian Financial Review“. Die Japaner haben gerade erst eine Beteiligung zum Abbau der Minerale mit Vietnam vereinbart. Zudem hat die japanische Regierung beschlossen, umgerechnet 1,2 Milliarden Dollar zur Förderung des Abbaus Seltener Erden bereitzustellen. Auch Indien öffnet nun Lagerstätten, die es aufgrund der bislang preiswerten Versorgung aus China geschlossen hielt.

          Zwei Schiffe mit Seltenen Erden auf dem Weg von China nach Japan

          China liefert nach einem zwei Monate währenden Boykott wieder Seltene Erden an japanische Unternehmen. Japans Handelsminister Akihiro Ohata teilte am Mittwoch in Tokio mit, die ersten zwei Schiffsladungen mit den für die Elektronikindustrie wichtigen Rohstoffen seien unterwegs nach Japan. Ohata hatte am Rande des Gipfeltreffens der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) vor zehn Tagen in Yokohama mit seinem chinesischen Amtskollegen über die Lieferschwierigkeiten gesprochen und eine Lösung des Problems zugesagt bekommen. Wie diese Zeitung aus Regierungskreisen erfuhr, seien bislang allerdings erst graduelle Verbesserungen bei der Versorgung der Unternehmen erkennbar. „Das ganze Problem ist noch nicht gelöst“, hieß es. Seltene Erden sind Minerale mit seltenen Metallen, die für die Produktion vieler Elektronikerzeugnisse benötigt werden.

          Obwohl China offiziell immer wieder dementiert hat, den Export von Seltenen Erden an japanische Unternehmen zu behindern, klagten seit September fast alle 31 Unternehmen, die Seltene Erden für ihre Produktion benötigen, über Schwierigkeiten. Zu dem Lieferstopp war es gekommen, nachdem am 7. September bei einem Zwischenfall bei den japanischen, wegen ihrer Rohstoffvorkommen aber auch von China beanspruchten Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer der Kapitän eines chinesischen Fischerbootes von der japanischen Küstenwache festgenommen wurde. Der Chinese hatte, möglicherweise sogar mit Billigung der Behörden in Peking, zwei japanische Küstenwachboote gerammt.

          Japanische Unternehmen klagten seitdem darüber, dass verstärkte Kontrollen und größere bürokratische Hürden die Auslieferung der Rohstoffe aus chinesischen Häfen blockierten. (cag)

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