https://www.faz.net/-gqe-cwz

Rohstoffe : Weder Erden, noch selten

Seltene Erden aus China: Niedrige Umwelt- und Arbeitsschutzstandards ermöglichten den billigen Abbau der Metalle Bild: REUTERS

China und der Westen streiten über die Seltenen Erden. Am Wochenende hat sich gar die amerikanische Außenministerin Clinton deshalb mit den Chinesen auseinandergesetzt. Aber wie abhängig sind die Firmen hierzulande wirklich?

          Rare Earth hieß die Rockband, die 1969 „I‘m Losing You“ sang. Der Songtitel passt zu den aktuellen Klageliedern aus der Industrie über die Verknappung der Seltenen Erden. „Die Lage ist sehr ernst“, sagt der Unternehmer Ulrich Grillo, Vorsitzender des rohstoffpolitischen Ausschusses des deutschen Industrieverbands BDI. Sogar die Existenz einiger Unternehmen sei gefährdet. Die Seltenen Erden machen zwar nur einen Promilleanteil am Rohstoffeinsatz für Industrieprodukte wie Elektroautos, Windkraftrotoren oder Mobiltelefone aus, sind aber essentiell. Die gute Nachricht aber ist, dass Seltene Erden gar nicht selten sind. Es wird nur noch eine gewisse Zeit dauern, bis sie auch jenseits von China wieder in relevanten Mengen abgebaut werden.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Seltene Erden – also die chemische Gruppe der Lanthanoide – haben auch nichts mit Erde zu tun, sondern sind Metalle, die wiederum geologisch eine Massenware sind. Doch viele Vorkommen blieben in den vergangenen Jahren unangetastet, da China dank niedriger Arbeitskosten, Umwelt- und Arbeitsschutzstandards konkurrenzlos günstig abbauen konnte. Nun aber, da Peking die Exporte des Seltene-Erden-Konzentrats mit dem Namen „Mischmetal“ seit Jahren und 2010 sogar um rund 40 Prozent kürzt, ist der Aufschrei groß. Industrieunternehmen fühlen sich erpresst, Produktionsstandorte nach China zu verlagern. Die chinesische Regierung beteuert jedoch, ihre Macht nicht als Druckmittel einsetzen zu wollen.

          Wichtig für Herstellung von Magneten, Batterien, Katalysatoren

          Nach eigenem Bekunden will das Land auch weiterhin den Weltmarkt mit den für die Hightech-Branche wichtigen Rohstoffen bedienen. Bei einem Treffen mit der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton sagte ihr chinesischer Kollege Yang Jiechi am Samstag in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi zu, die Metalle auch weiter zu liefern. Doch so recht traut die westliche Welt den Bekundungen offenbar nicht. Ungeachtet dessen wollen sich die Vereinigten Staaten, Japan, Europa und andere Verbündete nach den Worten Clintons nach Alternativen umschauen.

          Seltene-Erden-Metalle wie Scandium, Lanthan, Yttrium oder Neodymoxid gelten wegen ihrer elektrischen und magnetischen Eigenschaften als unentbehrlich für die Herstellung von Starkmagneten, Batterien, Lasergeräten, Katalysatoren, Flachbildschirmen oder Windkraftanlagen. Derzeit fördert China mehr als 95 Prozent der auf der ganzen Welt abgebauten 124.000 Tonnen. Nun blicken also plötzlich deutsche wie amerikanische Unternehmer erschrocken auf ihre totale Abhängigkeit von China. Die Unternehmen sind daran aber nicht ganz unschuldig: Sie kauften lange Zeit Rohstoffe nur dort, wo sie günstig waren, verfolgten aber keine langfristige Strategie.

          „Wenn man aus der Kirche rauskommt, ist man immer schlauer“

          In Japan, dem China zuletzt angeblich keine Seltenen Erden mehr lieferte, hat sich das schon geändert. Von dort aus erschließen nun die Unternehmen Toyota Tsusho und Sumitomo zusammen mit Partnerunternehmen Vorkommen in Vietnam und Kasachstan. Als eine Folge des Engpasses dürfte auch die deutsche Industrie sich künftig verstärkt um Beteiligungen an der Förderung bemühen. „Wenn man aus der Kirche rauskommt, ist man immer schlauer“, sagt der BDI-Ausschussvorsitzende Grillo über die kurzfristig orientierte Rohstoffpolitik der deutschen Unternehmen. „Aus heutiger Sicht war es vielleicht ein Fehler, aus damaligerSicht war es richtig.“

          Weitere Themen

          Ohne Deal mit der EU kommen Autozölle Video-Seite öffnen

          Trump trifft Kurz : Ohne Deal mit der EU kommen Autozölle

          Amerikas Präsident Donald Trump will mögliche Strafzölle auf europäische Autos vom Ausgang der Handelsgespräche mit der EU abhängig machen. Wenn es zu keinem Deal mit den Europäern komme, werde er die Zölle verhängen, sagte Trump bei einem Treffen mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz in Washington.

          Topmeldungen

          Darf auch nach einem ungeregelten Brexit abheben: eine Maschine von Thomas Cook.

          Auch bei hartem Brexit : EU bannt Brexit-Risiken für Urlauberflüge

          Deutsche Touristen können aufatmen: Fluggesellschaften dürfen nach dem Willen der EU auch im Falle eines ungeregelten Brexits starten – zumindest für die folgenden sechs Monate. Ursprünglich hatte die Kommission deutlich striktere Regeln vorgeschlagen.
          Hayabusa2 und der Asteroid Ryugu.

          Japanische Raumsonde : „Hayabusa2“ landet auf Rygugu

          Großer Jubel in Japan: „Hayabusa2“ ist wohl auf dem Asteroiden Ryugu gelandet. Die Mission der japanischen Raumsonde soll auch Erkenntnisse bringen, wie man die Erde vor Asteroiden schützt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.