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Rohöl-Förderung : Es wird wieder mehr gebohrt

  • -Aktualisiert am

Die Ölförderung auf See liegt im Trend Bild: AFP

Das Öl ist so teuer wie nie. Wenn sich die führenden Industriestaaten und Russland in dieser Woche zum G-8-Gipfel in Japan treffen, wird der Ölpreis wieder ein großes Thema werden. Für die Ölgesellschaften ist der hohe Preis ein Segen. Jetzt nehmen sie die Projekte in Angriff, die bisher immer als zu schwierig galten.

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          Früher, erzählt Richard Mason, kursierten Witze über die Wolfberry-Ölfelder. Die liegen im Westen von Texas, nicht weit entfernt von der Kleinstadt Midland. Seit Jahrzehnten haben dort Ölfirmen gebohrt, doch richtig gelohnt hat es sich selten: „Mancher hat mehr Geld reingesteckt, als er rausholen konnte“, sagt Mason, ein texanischer Bohrturm-Experte, der die Branche seit vielen Jahren kennt. Das hat die Menschen amüsiert.

          Doch jetzt macht kaum einer mehr Witze. Denn seit der Ölpreis immer neue Höhen erklimmt, rührt sich auf den alten Feldern von Wolfberry wieder etwas. Die Arbeiter versuchen, Öl aus dem Boden zu pressen. „In Zeiten des hohen Ölpreises wird mehr gebohrt“, sagt Eugen Weinberg, Ölexperte bei der Commerzbank. Das gelte überall auf der Welt.

          Es sind keine gigantischen Ölschätze, die in der texanischen Einöde darauf warten, endlich gehoben zu werden. Die großen Konzerne in der Branche wie Exxon, BP und Shell interessieren sich deshalb auch nicht für die Wolfberry-Felder. Die alten Öllöcher beuten kleine Firmen aus. Die Großen konzentrieren sich lieber auf Regionen, in denen mehr zu holen ist, dort, wo Milliarden Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) Öl im Boden sind: im Golf von Mexiko oder vor der brasilianischen Küste. Aber auch in Afrika und in Australien.

          Bild: F.A.Z.-Archiv: Commerzbank; Thomson Financial Datastream

          Die Investitionen legen parallel zum Ölpreis zu

          Oder in Aserbaidschan: Dort fördert BP schon seit einigen Jahren im Feld Azeri-Chirag-Guneshli, das vor der Küste von Aserbaidschan liegt. Früher kamen dort pro Tag im Durchschnitt 140.000 Barrel Öl aus dem Boden. Nun wird die Förderung ständig erhöht: Bald sollen es knapp eine Million Barrel Rohöl sein, die durch die Rohre im Bohrturm an die Oberfläche schießen.

          Ob Wolfberry in Texas oder das Azeri-Chirag-Guneshli-Feld in Aserbaidschan: Die Investitionen in der Ölindustrie legen parallel zum Ölpreis zu. Eine Bank-Studie summiert die Ausgaben für das Jahr 2008 auf 420 Milliarden Dollar. Dies wäre ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

          Für die staatlichen Firmen gelten andere Regeln

          Für die Ölgesellschaften ist der hohe Preis für den Rohstoff ein Segen. Jetzt nehmen sie die Projekte in Angriff, die bisher immer als zu schwierig und damit auch zu teuer galten. Das betrifft etwa Reserven in der Tiefsee.

          Das klingt gut für die Zukunft unseres Spritpreises, das Angebot müsste dann nämlich steigen und damit der Preis sinken. Nur: Das Angebot steigt nicht - noch nicht. Im Gegenteil. Christof Rühl, Chefvolkswirt der BP-Gruppe, bestätigt: „Die Ölproduktion ist im Jahr 2007 gesunken.“ Die marktwirtschaftliche Logik, derzufolge hohe Preise einen Anreiz für Unternehmen bieten, das Angebot zu vergrößern, entfaltet ihre Wirkung - bei privaten Unternehmen. So holt BP mehr Öl heraus in Aserbaidschan, aber auch in anderen Ländern wie Angola.

          Für die staatlichen Ölfirmen gelten jedoch andere Regeln. Besonders die Länder am Persischen Golf, deren Staatshaushalte auf den Petrodollareinnahmen fußen, wissen jetzt schon kaum noch, wohin mit dem Geld. Sie investieren deutlich zaghafter in neue Ölförderung als Aktiengesellschaften wie Exxon & Co. Die Produktion etwa in Saudi-Arabien und in Mexiko ist zurückgegangen. Länder wie Venezuela verfolgen mit ihren staatlichen Ölgesellschaften politische Ziele und finanzieren nationale und internationale Sozialprogramme, statt Geld in die Exploration zu stecken.

          Jedes Gestein ist anders

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass das geringe Wachstum der Förderkapazitäten der Hauptgrund für die stark gestiegenen Preise sei. „Es ist eine angespannte Situation“, sagt Rühl, „das Angebot kann mit der Nachfrage nicht mithalten.“

          Bohrturm-Experte Mason macht eine Rechnung auf: Ein Bohrturm ist für 20.000 Dollar pro Tag zu haben. Hinzu kommen Kosten für Mannschaften und Gerät. Und die eigentlichen Bohrungen werden schnell teuer: „Das können 200.000 Dollar am Tag sein, aber auch mehrere Millionen“ - abhängig von der Tiefe und Dauer der Bohrung.

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