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Rohöl-Förderung : Es wird wieder mehr gebohrt

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Jedes Gestein ist anders. Überhaupt: Solche Preisangaben, schiebt Mason nach, beziehen sich nur auf Bohrungen an Land. Das sei alles kein Vergleich zu den aufwendigen Tiefsee-Bohrungen im Meer, die weltweit immer stärker gefragt sind. Für solche Projekte kostet allein der günstigste Bohrturm mindestens 750.000 Dollar am Tag. Insgesamt addieren sich die Kosten schnell auf mehrere Millionen Dollar - pro Tag, versteht sich.

Dabei liegen solche Projekte im Trend: „Wir haben unsere Investitionen erhöht, das betrifft besonders die tiefen Gewässer wie etwa vor der westafrikanischen Küste“, sagt BP-Volkswirt Rühl. Der Aufwand, der betrieben wird, um Öl zu fördern, wird immer größer. Zwar sind Ölvorkommen selten ganz erschöpft - oft werden sie nur zu 40 Prozent ausgebeutet. Mit neuer Technik kann die Ausbeutungsquote auf 60 Prozent steigen. Zudem nutzen Ölfirmen auch Wasser oder Gas, das in den Boden gebracht wird, um das Öl nach oben zu drücken. Ebenso gibt es Verfahren, die CO2 hineinpressen. Das ist aber sehr teuer.

„Es kann Jahre dauern, bis das Öl auf dem Markt ist“

Rohstoffexperte Weinberg sagt: „Weil schon viel erschlossen ist, geht man nun immer stärker an die Grenzen des Machbaren: etwa die Ölvorräte unter dem Polareis am Nordpol. Oder die Ölfirmen erhitzen und waschen Ölsand in Kanada, um das Öl herauszubekommen.“

Es sind aber nicht nur die geologischen Hürden, die das Geschäft schwermachen. Die Ölkonzerne beklagen, dass besonders politische Gründe dafür verantwortlich sind, dass die Ölförderung nicht nachkommt. „Das Problem ist: Man kann als private Gesellschaft nicht einfach das nächstbilligere Ölfeld in Angriff nehmen. Dafür gibt es zu viele Zugangsbeschränkungen“, sagt BP-Volkswirt Rühl. In Lateinamerika, Russland, aber auch in anderen Teilen der Welt ist der Zugang zum Öl für die westlichen Konzerne zunehmend eingeschränkt. „Neue Investitionen sind deshalb langsam“, so Rühl, „es kann Jahre dauern, bis das Öl auf dem Markt ist.“

Die großen Förderländer mit ihren staatlichen Konzernen (wie Saudi Aramco in Saudi-Arabien oder KazMunayGas in Kasachstan) wollen ihre Felder lieber selbst ausbeuten. Deshalb müssen die ausländischen Multis inzwischen oft ganz außen vor bleiben oder sich mit immer kleineren Anteilen an Gemeinschaftsprojekten begnügen.

Der Start des Projekts verzögert sich ständig

Wenn es denn überhaupt mit dem Ölfördern losgehen kann: In Kasachstan zum Beispiel liegt das Feld Kashagan, eines der weltweit größten Vorkommen mit 15 Milliarden Barrel Öl. Ein Konsortium westlicher privater Ölfirmen (darunter sind Exxon, Eni, Shell, Conoco, Total) hat dort in den vergangenen Jahren bereits 17 Milliarden Dollar investiert. Doch Öl ist immer noch nicht geflossen. Obwohl das Feld bis zu 1,5 Millionen Barrel pro Tag fördern könnte. Doch der Start des Projekts verzögert sich ständig. Statt wie ursprünglich geplant im Jahr 2005, soll es nun erst im Jahr 2012 losgehen.

Kein Wunder, dass es bei solchen Verzögerungen die großen privaten Ölkonzerne nun kaum erwarten können, in Ländern wie dem Irak bald zum Zuge zu kommen und mit der Förderung zu beginnen.

Ölplattformen sind kaum erhältlich

Doch bei allen politischen Problemen: Die Ölkonzerne haben es auch selbst zu verantworten, dass nicht mehr Öl auf den Markt kommt. „Das Problem ist, dass die großen Ölfirmen zu spät investiert haben. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass der Ölpreis so stark steigt“, sagt Analyst Weinberg. „Nun gibt es Verzögerungen.“

Hinzu kommen Nachschubprobleme: Vor der Küste Brasiliens, wo das Tupi-Feld mit 8 Milliarden Barrel Öl gefunden wurde, ist an eine große Förderung so schnell nicht zu denken. Denn die Ölplattformen, die auf dem Wasser schwimmen, sind kaum erhältlich. BP-Mann Rühl klagt: „Die Brasilianer, die die großen Ölvorkommen vor ihrer Küste entdeckt haben, können sich nicht genügend Schiffsplattformen sichern.“ Der Markt für diese Art von Spezialschiffen und Plattformen ist bis zum Jahr 2012 leergefegt.

Die anderen Themen des G-8-Gipfels

Wenn sich die führenden Industriestaaten und Russland zum G-8-Gipfel in dieser Woche in Japan treffen, wird es nicht nur um den hohen Ölpreis gehen, sondern auch um die Gefahren der Inflation , die Nahrungsmittelkrise und den Klimawandel . Die Staats- und Regierungschefs der großen Industrieländer werden von Montag an für drei Tage im nordjapanischen Toyako zusammenkommen.

Die immer weiter steigenden Ölpreise bedrohen zunehmend die globale Ökonomie und werden daher den Gipfel intensiv beschäftigen. Als sich die G-8-Teilnehmer im vergangenen Jahr in Deutschland in Heiligendamm trafen, ließen die G-8-Chefs noch verkünden, dass die Weltwirtschaft in einer guten Verfassung sei.

Obwohl die Politiker sich um das Thema Öl kümmern wollen: Einfluss auf die Energiepreise haben sie kaum. Keiner von ihnen kann für einen höheren Ölnachschub sorgen oder die Preise deutlich senken.

Außenpolitisch wird es bei dem G-8-Treffen um das umstrittene Atomprogramm Irans, aber auch um den Konflikt im Nahen Osten und den Zimbabwe -Herrscher Robert Mugabe gehen. Ob es zu konkreten politischen Fortschritten kommt, hängt auch davon ab, wie stark sich der amerikanische Präsident George W. Bush einsetzt. Es wird sein letzter G-8-Gipfel sein. Zum ersten Mal wird Russlands neuer Präsident Dmitrij Medwedjew in dieser Runde vertreten sein. Auch Politiker aus Asien, Afrika und Lateinamerika haben sich in Japan angemeldet. Mit Schwellenländern wie China, Indien, aber auch Brasilien und Südafrika wollen die G 8 über eine engere Zusammenarbeit reden.

Zum Klimawandel sind keine konkreten Ergebnisse zu erwarten. In Heiligendamm hatten die G-8-Mitglieder noch vereinbart, eine Halbierung des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases CO2 bis zum Jahr 2050 zu prüfen.

Nachdem die Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind, rücken auch die Themen Nahrungsmittel und Welthunger auf die G-8-Tagesordnung.

Große Demonstrationen wie in Heiligendamm wird es in Japan wohl kaum geben. Damals hatten 100.000 Demonstranten gegen den Gipfel demonstriert. Auf Hokkaido sollen es nur einige tausend Demonstranten sein. tim.

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