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Revolution am Schalter : Exfußballer ruft zum Bank-Run auf

Ruft zum Bank-Run auf: Exfußballer Eric Cantona Bild: AFP

Der frühere französische Nationalspieler Eric Cantona ruft für diesen Dienstag zur Revolution auf: Die Leute sollten an die Bankschalter gehen und ihr Geld abheben, um das System zum Einstürzen zu bringen, fordert er in einer Videobotschaft.

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          So paradox es klingt: Es gibt immer Menschen, die wünschen sich genau das, wovor alle anderen zittern. Nehmen Sie nur den früheren französischen Fußball-Nationalspieler Eric Cantona. Der einstige Star von Manchester United wünscht sich einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems - einen Umstand, den zu vermeiden in der Finanzkrise bekanntlich diverse milliardenschwere Rettungsanstrengungen galten.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Video bei „Youtube“, in dem Cantona zum „Bank Run“ aufruft, zum Sturm auf die Banken, hat es allein in der französischsprachigen Version schon auf mehr als 200.000 Aufrufe gebracht. Übersetzungen in diverse Sprachen folgten (siehe auch: Eric Cantona auf Youtube).

          Im roten Pulli und mit Guerrillero-Bart ruft der Exfußballer darin zur Revolution auf. Demonstrationen auf der Straße nützten nichts, ist vereinfacht seine Botschaft: Die Leute sollten lieber alle an die Bankschalter gehen und ihr Geld vom Konto abheben, um das vermaledeite System zum Einstürzen zu bringen. Als Datum für die Revolution haben Cantona und seine Freunde sich den 7. Dezember ausgesucht - den heutigen Dienstag.

          Revolution am Schalter : Exfußballer ruft zum Bank-Run auf

          Europas Banken nehmen den Angriff nicht übertrieben ernst

          „Wenn 20 Millionen Leute ihr Geld abheben, bricht das System zusammen, ohne Waffen, ohne Hass, ohne Blutvergießen, einfach so“, spekuliert der Exfußballer in einem Interview mit der Zeitung „Presse Océan“, das Grundlage des Youtube-Videos war. Eine in Frankreich entstandene Organisation, die dieses Vorhaben unterstützt, nennt sich „Stopbanque“. Eine Reihe Anhänger hat sie offenbar gefunden. Den Tag, an dem das Geld abgehoben werden soll, nennen die Revoluzzer „Cash Day“.

          Übertrieben ernst nehmen Europas Banken den Angriff offenkundig nicht. Zwar lassen sich in der internationalen Presse einige Banker zitieren, die warnen: Mit solch ernsten Angelegenheiten wie einem „Bank Run“ solle man keine Scherze treiben. Nur zu gut steht den Bankern schließlich noch der Sturm auf die Schalter der britischen Bank „Northern Rock“ im September 2007 vor Augen.

          Das Gefühl jedoch, an diesem Dienstag werde es weltweit mit dem Finanzsystem vorbei sein, ist offenbar nicht besonders verbreitet. Zwar haben sich in sozialen Netzwerken wie Facebook allerhand Menschen aus Ländern wie Frankreich, Italien aber auch Deutschland mit dem Fußballer-Aufruf solidarisch erklärt. Es scheint sich jedoch nicht um Großanleger und Entscheider von milliardenschweren Finanz-Portfolios zu handeln. Darauf deuten zumindest Kommentare auf Internetseiten wie bei Facebook hin: „Welches Geld?“, „Hab eh net viel drauf“ oder: „Sollte ich an besagtem Tag Geld auf meinem Konto haben . . .“

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