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Rentenversicherung : Koalition gegen höheren Beitrag für Kinderlose

Hier wird auch abends gearbeitet: das Arbeitsministerium in Berlin Bild: Pein, Andreas

Kinderlose kämen in der Rentenversicherung zu gut weg, sagt eine Studie. Sollen sie deshalb künftig höhere Beiträge zahlen? Das Arbeitsministerium und die Rentenversicherung winken ab.

          Familienpolitik ist nach Auffassung des Bundesarbeitsministeriums nicht Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung. Deren Hauptzweck sei vielmehr eine an lohnbezogenen Beitragszahlungen orientierte Altersversorgung; darüber hinaus habe sie, vor allem mit der Witwen- und der Erwerbsminderungsrente, auch die Funktion einer Risikoversicherung. Mit dieser Begründung wies ein Ministeriumssprecher am Freitag Forderungen nach einer neuen Beitragsstaffelung zulasten kinderloser Arbeitnehmer oder einem Radikalumbau des staatlichen Alterssicherungssystems hin zu einer „Kinderrente“ zurück.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Entsprechende Vorschläge hatte die Bertelsmann-Stiftung auf Basis einer Studie über die finanziellen Auswirkungen von Kinderlosigkeit auf die Rentenkasse gemacht, wie bereits berichtet. Sie hat errechnet, dass ein durchschnittliches Kind im Alter von heute 13 Jahren in seinem Leben voraussichtlich 77.000 Euro mehr in die Rentenversicherung einzahlt, als es herausbekommt. Da die Rentenkasse damit nicht allein das Altersgeld für die Eltern bezahlt, sondern auch die Rente kinderloser Ruheständlern, zeige dies eine strukturelle Benachteiligung von Familien an. Die Eltern des 13-Jährigen hätten der Rentenkasse mit der Gründung einer Familie „den Überschuss erst ermöglicht“, argumentiert die Studie. Ebenso wie der Nachwuchs hätten die Eltern jedoch nichts davon. „Weder erhöht sich dadurch ihre eigene Rente wesentlich, noch zahlen sie weniger Beiträge als Kinderlose.“ Die gesetzliche Rentenversicherung sei daher „nicht familiengerecht“ und „dringend reformbedürftig“, so die Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Martin Werding.

          Gleichzeitig stellt die Bertelsmann-Stiftung einen Zusammenhang zwischen den skizzierten Finanzströmen und den drohenden Finanzierungsproblemen der Rentenversicherung her. Da weniger Kinder geboren würden, werde der Rentenbeitragssatz nach dem Jahr 2030 über 22 Prozent des Bruttolohns steigen, während das Rentenniveau unter die gesetzliche Mindesthöhe von 43 Prozent sinke.

          In der politischen Debatte wurde diese drohende Entwicklung in den vergangenen Tagen vor allem im Hinblick auf die Plänen der Regierung für eine „Rente mit 63“ und die Anhebung der sogenannten Mütterrenten diskutiert. Diese führen für die Rentenkassen zu Mehrausgaben von voraussichtlich 11 Milliarden Euro im Jahr, was der Erhöhung der jährlichen Rentenausgaben um 3,5 Prozent entspricht.

          Auch das Arbeitsministerium trete dafür ein, im Rentensystem „Fehlanreize“ etwa zulasten von Familien zu vermeiden, erläuterte der Sprecher. In diese Richtung weise das aktuelle Vorhaben, die Erziehungsleistungen von Müttern vor 1992 geborener Kinder rentenrechtlich stärker zu berücksichtigen. Schon aus dem Prinzip der Risikoversicherung folge jedoch, dass ein Vergleich der Ein- und Auszahlungen für jeden einzelnen Versicherten nicht der zentrale Bewertungsmaßstab sein könne, sagte er zur Begründung.

          Die Bertelsmann-Studie argumentiert, dass auch die Mütterrente, deren Auszahlungen sich für eine durchschnittliche Bezieherin auf 8300 Euro summieren, nur ein Bruchteil jener 77.000 Euro seien, die sie der Rentenkasse mit ihrem Kind beschere. Zu einem Teil dieser Gesamtsumme tragen aber auch Kinderlose mit ihren Steuern bei, wie die Studie ausführt: Berücksichtige man von der Allgemeinheit finanzierte Leistungen wie Schulen, Kindergeld und andere Familienleistungen, dann sorge das durchschnittliche Kind für einen Überschuss von 50500 Euro.

          Die Deutsche Rentenversicherung wertete die Überlegungen der Bertelsmann-Stiftung am Freitag als „unrealistische Gedankenspiele“. Sie erläuterte, dass die Gesamtheit der durch Kindererziehung erzielbaren Rentenanwartschaften schon heute den rechnerischen Gegenwert einer Beitragszahlung von bis zu 34.900 Euro je Kind erreichen könnten.

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