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Rentendebatte : Alten-Arbeit kommt in Mode

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Länger schrauben: Viele ältere Arbeitnehmer bleiben heute auch noch jenseits der 60 am Ball. Bild: dpa

Die Rente mit 63 sei nötig, weil so viele Menschen ein langes und hartes Erwerbsleben haben, heißt es. Stimmt, sagen Statistiker. Was aber auch stimmt: Die Zahl der fitten, älteren Arbeitnehmer hat sich zuletzt fast verdoppelt.

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          Ganz Deutschland diskutiert über die Rente mit 63. Jetzt gibt es vom Statistischen Bundesamt neues Zahlenfutter und die Kontroverse wird nicht kleiner. Denn die Zahl älterer Menschen, die sich aktiv am Arbeitsleben beteiligen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Ältere Menschen sind heute länger fit als früher - und demnach arbeitsmäßig länger am Ball. 2012 war knapp die Hälfte aller 60- bis 64-Jährigen (49,6 Prozent) noch am Arbeitsmarkt aktiv oder auf der Suche nach Arbeit, wie die Statistiker am Freitag in Wiesbaden mitteilten. 2002 waren es nur 25,1 Prozent gewesen.

          Sogar Menschen, die noch deutlich älter sind arbeiten heutzutage häufiger als früher. Das hatte vor einiger Zeit schon eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt. Für das Jahr 2011 galt demnach: Rund 760.000 erwerbstätige Menschen in Deutschland waren 65 Jahre alt oder älter. Noch im Jahr 2001 war diese Zahl nur halb so groß und: In keiner anderen Altersgruppe hat die Zahl der Erwerbstätigen so stark zugelegt.

          Die Statistiker vom Statistischen Bundesamt legen nun noch ein paar Details obendrauf: Besonders ältere Frauen seien heute viel öfter am Erwerbsleben beteiligt. Den Statistikern zufolge standen 2012 rund 40,9 Prozent der Frauen von 60 bis 64 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Zehn Jahre zuvor waren es nur 16,4 Prozent. Bei den Männern in dieser Altersgruppe stieg die Erwerbsbeteiligung von 34 auf 58,6 Prozent.

          Warum die Menschen in Rente gehen

          Zugleich gingen die Arbeitnehmer im Durchschnitt zwei Jahre später in den Ruhestand als zehn Jahre zuvor. Wer 2011 in Ruhestand ging, war im Durchschnitt 61,1 Jahre alt. Zehn Jahre vorher betrug das Durchschnittsalter der Statistik zufolge noch 59,3 Jahre.

          Wer 2011 aus Altersgründen mit der Arbeit aufhörte, war im Durchschnitt 63,9 Jahre alt, 2001 lag der Altersdurchschnitt bei 61,6 Jahren. Wer aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging, war 2011 im Durchschnitt 55,6 Jahre alt, zehn Jahre zuvor war er noch 55,3 Jahre alt.

          Welche Berufsgruppen besonders oft an gesundheitliche Grenzen stoßen

          2011 schieden nur 53,5 Prozent der neuen Ruheständler aus Altersgründen aus dem Arbeitsleben aus. Fast die Hälfte tat dies nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen (25,4 Prozent). 21,1 Prozent schieden durch Vorruhestand oder wegen vorangegangener Arbeitslosigkeit aus.

          Wichtiges Argument für eine frühere Rente ist in der aktuellen Debatte, dass Beschäftigte mit einer langen und harten Berufs­biografie vom früheren Renten­eintritt profitieren sollen. Tatsächlich geben solche Arbeitnehmer ihre Erwerbs­tätigkeit häufig aus gesundheitlichen Gründen auf – und das deutlich vor Erreichen der Altersgrenze, wie das Statistische Bundesamt weiter aufzeigt. So seien Menschen in den diversen Bauberufen, Altenpfleger und Friseure am häufigsten von einem frühen Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen betroffen.

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