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Rente : OECD warnt vor Altersarmut in Deutschland

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Reformen der gesetzlichen Rente in Deutschland seit 1990 könnten zu einem Anstieg von Altersarmut führen, warnt die OECD. Die Kürzungen für Geringverdiener seien besonders krass ausgefallen, kritisiert die Organisation.

          Die Reformen der gesetzlichen Rente in Deutschland seit 1990 könnten zu einem Anstieg von Altersarmut führen. Davor warnt die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in ihrem jüngsten Bericht „Renten auf einen Blick“. „Deutschland sollte der Rentenentwicklung für Geringverdiener besondere Aufmerksamkeit schenken und einem Anstieg der Altersarmut vorbeugen“, sagte Co-Autorin Monika Queisser.

          Grundsätzlich lobt die OECD Deutschlands Rentenreformen, wozu unter anderem die Einführung der privaten Riester-Rente sowie die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre gehören. Die „finanzielle Nachhaltigkeit des Systems“ sei damit wesentlich gestärkt worden. Doch die Organisation weist auch auf die Folgen für Menschen mit niedrigen Einkommen hin.

          Im unteren Drittel

          Im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern sind die Leistungen aus den gesetzlichen Rentenkassen in Deutschland linear an die Einkommen gekoppelt. Damit fallen die Rentenbezüge der Geringverdiener reformbedingt genauso stark wie in anderen Einkommensklassen. Wer 2004 im Alter von 20 Jahren zu arbeiten anfängt und 45 Jahre lang Beiträge einzahlt, wird nach der Pensionierung aus der gesetzlichen Rente nur 39,9 Prozent seines vorherigen Durchschnittsverdienstes beziehen, hat die OECD errechnet. Bei Geringverdienern, die nur die Hälfte des landesweiten Durchschnittseinkommens bezogen haben (in Deutschland 2004: 41046 Euro), rangiert Deutschland mit diesen 39,9 Prozent innerhalb der OECD an letzter Stelle. Alle anderen Länder gestehen ihren Geringverdienern höhere Bezüge zu.

          Bei einem Arbeitnehmer, der genau auf Höhe des Durchschnittsverdienstes entlohnt wird, rangiert Deutschland im OECD-Vergleich im unteren Drittel. In fünf anderen Ländern fallen die Rentenbezüge geringer aus (siehe Grafik). Die OECD weist indes darauf hin, dass die Rentenbezüge durch die „steuerlich großzügig geförderte“ Riester-Rente deutlich erhöht werden können. So könne künftig „ein Arbeitnehmer, der über seine gesamte Erwerbsbiographie private Vorsorge im Rahmen der Riester-Förderung betreibt, auf eine Rente hoffen, die 56 Prozent seines Bruttoverdienstes entspricht und damit knapp unter der Durchschnittsrente in der OECD liegt“, heißt es.

          System wäre ohne Refomen nicht finanzierbar

          Hätte es die Reformen seit 1990 nicht gegeben, dann würde ein künftiger Rentner in Deutschland nach einer weiteren Modellrechnung der OECD heute nicht 39,9 Prozent, sondern 48,7 Prozent seines früheren Durchschnittsverdienstes erhalten - eine Kürzung von rund 20 Prozentpunkten im Vergleich mit heutigen Rentnern, die alleine auf die ungünstige demographische Entwicklung zurückzuführen ist. Doch dies ist nach OECD-Angaben eine hypothetische Rechnung, weil das Rentensystem ohne die geleisteten Reformen nicht finanzierbar wäre.

          Allgemein ruft die Organisation zu verstärkten Sparanstrengungen für die Rente auf. Sie lobt die um sich greifende Zurückdrängung von Programmen zur Frühverrentung, ruft die Unternehmen jedoch auch dazu auf, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen.

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