https://www.faz.net/-gqe-7ituf

Renminbi : Chinas Währung erobert die Welt

Der „Redback“ Bild: dpa

China will seine Währung freigeben: eine Zäsur in der Geschichte der Weltwirtschaft. London, Paris, Zürich und Frankfurt buhlen darum, wer bei diesem Jahrhundertvorhaben Partner der Chinesen wird.

          4 Min.

          Fast wöchentlich gibt es im Augenblick Nachrichten, dass China neue Abkommen mit den großen Finanzzentren der Welt abgeschlossen hat. Egal ob in Singapur, London oder Frankfurt, stets geht es dabei um dieselbe Angelegenheit: die Währung der Chinesen, den Renminbi („Währung des Volkes“), auch „Yuan“ genannt. Ihr Einsatz wird erleichtert. China öffnet sich immer weiter dem Westen - und auch seine Währung.

          Christian Siedenbiedel
          (sibi.), Finanzen, Wirtschaft

          Dabei geht es um nichts Geringeres als eine Zäsur in der Geschichte der Weltwirtschaft. China will aus seiner Währung, die bislang vor allem innerhalb des Landes eine Rolle spielt, eine Weltwährung machen - eine Konkurrenz für Dollar, Euro und Yen.

          Der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen beschreibt das so: Im vorigen Jahr habe China seinen ersten Flugzeugträger „Liaoning“ in Betrieb genommen und damit Amerika im südchinesischen Meer militärisch herausgefordert. In ähnlicher Weise suche das Land jetzt die Herausforderung des Dollar als alles beherrschende Weltwährung, indem es die Internationalisierung seiner eigenen Währung Renminbi vorantreibe.

          Handel in Renminbi ist schon erlaubt

          Wie geht das konkret? Bislang ist die chinesische Währung nicht frei konvertierbar, man kann sie nicht einfach gegen Dollar oder Euro tauschen. Außerdem gibt es Kapitalverkehrskontrollen: Man darf überhaupt nur begrenzt Renminbi über die Grenze mitnehmen, 20.000 pro Person - den Gegenwert von gut 3000 Dollar. Auch den Wechselkurs hat China fest im Griff. Der Renminbi ist an einen Korb von Währungen gekoppelt, in dem der Dollar bestimmend ist. Steigt der Kurs über eine Schwankungsgrenze, kauft die Notenbank Dollar, bis der Kurs wieder sinkt.

          Das alles soll sich ändern. In drei Schritten will China dem Renminbi mehr Freiheit geben. Die Freigabe für die sogenannte „Fakturierung“, den Einsatz als Verrechnungseinheit im Handel, sei schon relativ weit gediehen, sagt Rolf Langhammer, China-Experte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Bereits voriges Jahr hat China die Vorschriften gelockert. So dürfen jetzt Unternehmen aus allen Teilen Chinas zumindest theoretisch grenzüberschreitenden Handel in Renminbi betreiben. Vorher war das auf bestimmte Testregionen begrenzt, wie China das bei wirtschaftlichen Reformen oft macht.

          Ein zweiter Schritt ist der Handel mit Renminbi selbst. Er erfolgt an offiziell autorisierten Offshore-Handelsplätzen: Der erste war Hongkong, gefolgt von Macao und jetzt Singapur. Dafür gibt es eigens eine Parallelwährung, den sogenannten Offshore-Renminbi: Er kann frei gehandelt werden. Sein Kürzel ist CNH, im Gegensatz zu CNY für den Inlands-Renminbi.

          Langsame Öffnung

          Der dritte Schritt wäre die freie Konvertibilität des Renminbi selbst. Sogar das könnte schneller kommen als bislang geglaubt, meint Gregory Chow, chinesischstämmiger Ökonom an der Princeton University. Es müsse kein Jahrzehnt mehr dauern: Voraussetzung sei nur, dass die chinesische Regierung zu dem Schluss komme, dass „durch die freie Konvertibilität kein Schaden entsteht“.

          Die Chinesen stecken nämlich in einem Dilemma. Auf der einen Seite wollen sie unabhängiger vom Dollar werden. Sie haben einen Großteil ihrer Ersparnisse und Reserven in der amerikanischen Währung angelegt. Das macht sie abhängig von der Haushalts- und Geldpolitik der Vereinigten Staaten. Verliert der Dollar an Wert, trifft sie das unverhältnismäßig.

          Wenn China auf der anderen Seite den Renminbi zu plötzlich freigibt, könnte die Währung schockartig aufwerten. Die Exporte würden zu teuer, und das Land geriete in eine Krise. „Die Chinesen bemühen sich deshalb um eine behutsame Lösung“, sagt Horst Löchel, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management und Mitbegründer eines Instituts in Schanghai. China folge deshalb der chinesischen Redensart: Den Fluss überqueren, indem man die Steine berührt - einen Schritt nach dem anderen gehen, nichts übereilen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, verfolgt die Rede Boris Palmers beim digitalen Landesparteitag der Grünen.

          Ausschlussverfahren der Grünen : Belastet der Fall Palmer Baerbocks Wahlkampf?

          Die Grünen wollen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ausschließen. Der sieht dem Verfahren optimistisch entgegen. „Es ist gut und reinigend, wenn jetzt die ganze Palette an Vorwürfen einmal aufgearbeitet wird“, sagt er der F.A.Z.
          So winkt die Siegerin: Schottlands Regierungschefin Sturgeon am Sonntag vor dem Bute House in Edinburgh

          Schottland : London spielt Sturgeons Wahlsieg herunter

          Nach dem abermaligen Wahlsieg der Schottischen Nationalpartei drängt die Regierungschefin Nicola Sturgeon auf ein zweites Unabhängigkeitsreferendum. London will bislang nichts davon wissen.
          Israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Jarrah am 8. Mai

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.