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Reise in die Volksrepublik : Merkel besichtigt den „Aufbau West“ in China

Chinesisch für Anfänger: Bundeskanzlerin Merkel beim kulinarischen Fachsimpeln in Chengdu letzten Sommer. Bild: dpa

Anders als in Ostdeutschland funktioniert die Förderpolitik in Chinas rückständigem Hinterland. Die Region ist zum größten Standort der Welt für die Informationstechnik herangewachsen. In wenigen Jahren wird sie zum Rest des Landes aufholen. In den neuen Bundesländern ist das nicht in Sicht.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntag ihren dreitägigen Besuch in China begonnen, ihre siebte Reise in die Volksrepublik. Erstmals besucht sie Chengdu, die Hauptstadt der Westprovinz Sichuan.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Region ist in Deutschland für Pandabären, für scharfes Essen und Bertolt Brechts „Guten Menschen“ bekannt, sie hat aber viel mehr zu bieten, vor allem wirtschaftlich. Binnenchina ist zu einem führenden Autostandort herangewachsen und zur wichtigsten Produktionsstätte der Welt für die Informationstechnik.

          Seit Jahren versuchen die Chinesen, ihr rückständiges Hinterland aufzuwerten und für ausländische Investoren attraktiver zu machen. Amerikaner, Taiwaner, Südkoreaner und andere nutzen diese Chancen, die Deutschen sind aber noch zurückhaltend. Und das, obgleich sie in Chengdu ein Generalkonsulat und eine Zweigstelle der Auslandshandelskammer unterhalten, die engagiert, aber recht vergeblich Werbung für den Standort machen. Vor einem Jahr fiel eine Unternehmerreise nach Westchina ins Wasser, weil es kaum Anmeldungen gab.

          Der „Treck nach Westen“

          Merkels Besuch ist insofern ein Zeichen an die mitgereisten Wirtschaftsvertreter, den „Treck nach Westen“ nicht zu verpassen. Wenigstens die Automobilindustrie muss sie davon nicht überzeugen. Bei einem Werksbesuch am Sonntag wird VW-Chef Martin Winterkorn der Kanzlerin erläutern, dass sein Unternehmen seit 2011 in Chengdu Autos produziert, vor allem für die stark wachsende Nachfrage in Westchina selbst.

          Der Auszubildende im FAW-VW Werk in Chengdu nutzt brav einen Bosch-Akkuschrauber.

          In den alten Wirtschaftshochburgen an den Küsten mit den Zentren Peking/Tianjin, Schanghai und Kanton (Guangzhou) wird der Verkehr immer dichter und die Luft immer dreckiger. Die Behörden haben deshalb die Zulassungen erschwert, der Kraftfahrzeugabsatz wächst schwächer.

          Im Binnenland hingegen haben die Autos noch immer freie Fahrt, nirgendwo öffnen mehr Werke und Händlerbetriebe als hier. Die weitgehend  unerschlossenen Märkte sind gewaltig. In Westchina leben auf der doppelten Fläche Indiens 361 Millionen Menschen, mehr als in den Vereinigten Staaten.

          Mit den großen Pkw-Herstellern kommen die deutschen Zulieferer nach Chengdu oder nach Chongqing, dem zweiten Wachstumspol der Region: Bosch, Freudenberg, Mahle, Brose und Webasto, der bayrische Weltmarktführer für Schiebedächer. Auch Toyota fertigt in Chengdu. Volvo – das mittlerweile in chinesischen Händen ist – hat hier kürzlich sein erstes Werk außerhalb Europas eröffnet. In der Stadt Ziyang außerhalb der Provinzkapitale hat Hyundai im Juni eine Fabrik für Nutzfahrzeuge eröffnet. Chongqing ist zum größten ausländischen Ford-Standort herangewachsen.

          Chengdu mit 14 Millionen und Chongqing mit 29 Millionen Einwohnern sind zwei Riesenstädte, von deren wirtschaftlicher Potenz die wenigsten außerhalb Chinas je gehört haben. Dabei ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Chengdu schon jetzt größer als das von ganz Ungarn. Chongqings Kraft reicht an jene Tschechiens heran.

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