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Reise in die Volksrepublik : Merkel besichtigt den „Aufbau West“ in China

Wären die beiden Städte Einzelstaaten, kämen sie in der Liste des Weltwährungsfonds IWF zu den 200 mächtigsten Volkswirtschaften auf die Plätze 51 und 58. Ganze 11 der 28 EU-Länder sind von ihrer Wirtschaftskraft her unbedeutender.  Diese Entwicklung steht erst am Anfang, denn die Metropolen wachsen jedes Jahr deutlich schneller als China im Ganzen und auch als die alten Industriehochburgen an der Süd- und Ostküste.

Dieses höhere Wachstumstempo gilt für die Region insgesamt. Während das BIP im ganzen Land 2012 und 2013 real um je 7,7 Prozent zulegte, waren die Zuwächse in  Westchina deutlich stärker. Das hat nicht zuletzt mit den enormen staatlichen Anschubfinanzierungen zu tun. Seit dem Jahr 2000 gibt es eine „Auf-nach-Westen-Initiative“, die den Landstrich mit teilweise umstrittenen Förderinstrumenten auf Vordermann bringen will.

Das flächengrößte Gebäude der Welt: New Century Global Center in Chengdu

Noch immer fließt viel Geld in ineffiziente Staatsbetriebe sowie in monströse, nicht selten unnötige Infrastruktur- und Vorzeigeprojekte. So hat im Sommer 2013 in Chengdu das flächengrößte Gebäude der Welt eröffnet, das New Century Global Center: ein Wohn-, Freizeit- und Shoppingpalast mit den zwanzigfachen Ausmaßen der Sydney-Oper. Solche Investitionen treiben das BIP hoch, sagen aber wenig über die Zukunftsfestigkeit der Wirtschaft aus.

Unbestritten ist indes, dass die Region aufholt. Im Landesdurchschnitt erwirtschaftet jeder Chinese derzeit 4600 Euro im Jahr. Noch hinkt Westchina mit 3700 Euro hinterher, aber die Lücke schließt sich. Das ist wichtig, um eines Tages die Konvergenz zu erreichen, die Angleichung an den Rest des Landes.

Dieser Zeitpunkt liegt nicht mehr fern. Wenn man das schnellere Wachstum der vergangenen Jahre fortschreibt, dann dürfte das Hinterland den Rest Chinas etwa 2017 erreichen. Somit wäre der „Aufbau West“ nach 17 Jahren abgeschlossen. Das ist nur etwa die Hälfte der Spanne, die sich Deutschland für den „Aufbau Ost“ bis 2019 vorgenommen hat. Doch ist dort die Konvergenz in weite Ferne gerückt, da die neuen Bundesländer langsamer wachsen als die alten.

Auf einem Markt in Chengdu

Es ist nicht nur öffentliches Geld, das Binnenchina beflügelt, es sind auch die Bodenschätze und Standortvorteile. Nirgendwo in China lagern mehr Rohstoffe, etwa Erdgas, Eisenerz, Seltene Erden, Öl. Seit 2008 ist China sogar der größte Förderer von Gold. Es holt fast 390 Tonnen im Jahr aus der Erde, 40 Prozent mehr als das nächstplazierte Australien. Die jährliche Förderung ist höher als die Gesamtreserven der Bank of England.

Wie in Amerika so könnte auch in China die Ausbeute so genannter unkonventioneller Energieträger die Versorgung revolutionieren. Erkenntnissen der amerikanischen Energiebehörde EIA zufolge lagern in den Weiten des Landes die mit Abstand größten Schiefergasvorkommen der Welt, rund 15 Prozent aller bekannten Reserven. Beim Schieferöl rangiert die Volksrepublik mit 9 Prozent auf Rang drei.

Diese vor Jahren noch unbekannten Schätze sind unermesslich kostbar. Chinas Schiefergasvorkommen sind zehnmal so umfangreich wie seine konventionellen Erdgasbestände. Sie reichen aus, um das Land mehr als 200 Jahre lang zu versorgen. Von den sieben bisher prospektierten Lagerstätten liegen die vier aussichtsreichsten im Hinterland.

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