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Reduzierte Mehrwertsteuersätze : Aufgewärmte Nachos

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Essen und Trinken hat in Sachen Umsatzsteuer seine Tücken - Popcorn und Nachos im Kino gelten als Essenslieferung Bild: IS- Crossmedia/F1online

Der Wirrwarr bei den Mehrwertsteuersätzen sorgt seit langem für Unmut. Eine umfassende Reform ist nicht in Sicht. Ein Blick auf das Dickicht der absurden Ermäßigungen.

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          Ursprünglich aus sozialen Gründen ist der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent eingeführt worden. Inzwischen gilt der Mehrwertsteuersatz aber nicht nur für Nahrungsmittel und Druckerzeugnisse, sondern für mehr als 50 Produktgruppen. Doch keine Regel bleibt ohne Ausnahme.


          Nahrungsmittel:

          Sieben Prozent Mehrwertsteuer fallen zum Beispiel für Fleisch, Fisch, Milch, Gemüse, Früchte, Kaffee, Tee, Mehl und Kartoffeln an. Dies gilt ebenso für weiterverarbeitete Produkte wie Brot und Fertiggerichte.

          Aber:  Für die Flasche Mineralwasser fallen dagegen 19 Prozent Steuern an. Milchmixgetränke mit einem Milchanteil unter 75 Prozent werden voll besteuert.

          Landwirtschaft und Tiere:

          Tierfutter sowie tierische und pflanzliche Düngemittel, Holz und Pellets werden niedriger besteuert. Die Ermäßigung gilt beispielsweise auch für Maultiere, Hausrinder und -schweine, Hühner, Enten, Gänse, Hauskaninchen, Bienen und ausgebildete Blindenführhunde.

          Aber: Voll besteuert werden Hunde, Katzen, Kanarienvögel, Zierfische und Esel.

          Druckerzeugnisse:

          Auf Bücher, Zeitungen und Zeitschriften fällt der ermäßigte Steuersatz an. Ebenso auf Landkarten und Musiknoten.

          Aber: Werden Buch und CD gebündelt, wird es schwierig. Ergänzt die CD das Buch, bleibt es bei sieben Prozent. Dominiert die CD, sind es 19 Prozent.

          Verkehr:

          Mit sieben Prozent werden Fahrten mit Bus und Bahn bis 50 Kilometer besteuert.

          Aber: Liegt das Ziel 51 Kilometer entfernt, zählt die Fahrt nicht mehr als Nahverkehr. Damit gilt der volle Steuersatz.

          Kunst und Sammlerstücke:

          Gemälde und Zeichnungen, die vollständig mit der Hand geschaffen wurden, sowie Collagen und Werke von Bildhauern unterliegen dem ermäßigten Steuersatz. Ebenfalls profitiert das ausgestopfte Krokodil, denn auch zoologische, botanische, mineralogische und anatomische Sammlerstücke.

          Aber: Sind die Kunstwerke keine Originale, sondern Repliken oder Nachdrucke, dann greift der volle Mehrwertsteuersatz.

          Den Abgrenzungsproblemen steht laut Rechnungshof auch die Finanzverwaltung häufig hilflos gegenüber. Innerhalb von zehn Jahren sind mehr als 300 Gerichtsentscheidungen zum ermäßigten Steuersatz ergangen. So hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden, dass Popcorn oder Nachos in Kinos als Lieferung anzusehen seien und daher dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent unterliegen müssten - auch aufgewärmt. Die Finanzämter hatten in den Streitfällen 19 Prozent verlangt, da es sich bei der Zubereitung von Essen zum direkten Verzehr vor Ort ja um eine Dienstleistung handele und nicht um eine Lieferung.

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          Vom Maulesel zum Hüftgelenk : Wofür gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz

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