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Recycling : Hohe Gewinne mit dem Grünen Punkt

  • Aktualisiert am

Recycling - ein gutes Geschäft Bild: ddp

Für die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR hat sich das Investment in das Duale System Deutschland schon ausgezahlt: Die Erträge, die das Recyclingsystem abwirft können sich sehen lassen. Trotzdem will die KKR den Grünen Punkt möglichst bald wieder loswerden.

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          Trotz lauter Klagen über angeblich unfairen Wettbewerb bei der Entsorgung von Verpackungsmüll hat sich der Kauf des Grünen Punktes für die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) schon nach dem ersten Jahr ausgezahlt. Das ist dem Jahresabschluß der Duales System Deutschland GmbH (DSD) für das vergangene Geschäftsjahr zu entnehmen, der der F.A.Z. vorliegt.

          Die dem Unternehmen nach dem Kauf aufgebürdeten Schulden von knapp 160 Millionen Euro sind vollständig getilgt. Bei leicht rückläufigem Umsatz verblieb ein operativer Gewinn von 230 Millionen Euro, die Umsatzrendite wird im Abschluß mit 15,7 Prozent vor Steuern ausgewiesen. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn von knapp 146 Millionen Euro.

          Politische Rückendeckung könnte bröckeln

          KKR hatte 260 Millionen Euro für den Grünen Punkt bezahlt. „Das Investment hat sich bereits gelohnt. Eigentlich könnte KKR jetzt schon verkaufen“, sagte ein mit den Zahlen vertrauter Branchenkenner. Die überraschend guten Geschäftsergebnisse könnten sogar die politische Rückendeckung für das DSD in Frage stellen. Das Unternehmen fordert zur Stabilisierung seines Geschäftes seit Monaten eine Änderung der Verpackungsverordnung. Das Bundesumweltministerium hat dafür erste Eckpunkte vorgelegt, denen in Kürze ein Referentenentwurf folgen soll.

          Lukrativer Müll
          Lukrativer Müll : Bild: Wolfgang Eilmes

          Kern ist eine Lizenzierungspflicht für sämtliche Verpackungen, die an private Haushalte verkauft werden. Vor allem viele Drogerieketten bedienen sich sogenannter Selbstentsorgerlösungen, um die Gebühren für den Grünen Punkt zu sparen. DSD-Chef Stefan Schreiter hat wiederholt davor gewarnt, daß das gesamte System der haushaltsnahen Entsorgung zusammenbrechen werde, wenn die Politik Selbstentsorger und Trittbrettfahrer nicht schleunigst zurückdränge.

          Genaue Zahlen ist das DSD bisher schuldig geblieben

          Eine Sprecherin des Unternehmens sagte, der Jahresabschluß sei nicht mehr als ein Zwischenstand. Daraus ließen sich weder Aussagen über die Rentabilität des KKR-Engagements noch über die Marktlage ableiten. Der Ausblick sei unverändert trübe. Im laufenden Jahr sei ein Rückgang des Umsatzes von fünfzehn bis zwanzig Prozent zu erwarten. Genaue Zahlen über seine wirtschaftliche Situation ist das DSD bisher schuldig geblieben. Seit der Umfirmierung in eine GmbH muß es keine Geschäftsergebnisse mehr veröffentlichen. Der Jahresabschluß ist von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price-WaterhouseCoopers testiert.

          Aus dem beigefügten Lagebericht geht hervor, daß die beim DSD lizenzierte Menge um 5,4 Prozent zurückging. Da auch die Preise nachgaben, sank der Umsatz um rund 7,5 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Dieser Trend dürfte sich im laufenden Jahr verstärken, weil Wettbewerber wie die Kölner Interseroh AG und die Landbell AG mit alternativen dualen Systemen in ganz Deutschland an den Markt gegangen sind.

          KKR will den Grünen Punkt bald weiterverkaufen

          Bisher ist es dem DSD gelungen, den Umsatzrückgang durch eine Reduzierung der Entsorgungskosten aufzufangen. Im vorigen Jahr wurden sie von 1,513 auf 1,260 Milliarden Euro gedrückt. Das Ergebnis bewertet Schreiter im Lagebericht als „gut“. Die Umsatzrendite sei gegenüber 2004 sogar gestiegen, wenn man die in der damaligen Non-Profit-Gesellschaft gezahlte Rückgewähr an die Kunden von 160 Millionen Euro für den Vergleich heranziehe.

          Wie bei Beteiligungsgesellschaften üblich, hat KKR den Kaufpreis offensichtlich zum größten Teil zu Lasten des übernommenen Unternehmens fremdfinanziert. In der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2005 sind neue Bankverbindlichkeiten von 158,5 Millionen Euro aufgeführt. Am 31. Dezember standen sie bei Null. Die Bestände an Wertpapieren und flüssigen Mitteln haben sich im Jahresverlauf von 902 auf 483 Millionen Euro verringert. Neben der Tilgung von Krediten und Gesellschaftsdarlehen sind Abfindungen von rund 122 Millionen Euro für die früheren stillen Gesellschafter aus Industrie und Handel bezahlt worden. Ferner waren 190 Millionen Euro für eine Vertragsumstellungsprämie an die Kunden des Grünen Punktes geflossen. Sie war Voraussetzung für eine Umwandlung der Non-Profit-Gesellschaft in ein gewinnorientiertes Unternehmen.

          KKR will den Grünen Punkt möglichst bald weiterverkaufen. Als bevorzugte Strategie ist mehrfach ein Börsengang genannt worden. Angeblich hat es aber auch schon Gespräche mit mehreren Einzelinteressenten gegeben. Branchenkenner erwarten, daß das DSD sehr bald nach der Novellierung der Verpackungsverordnung den Eigentümer wechseln wird. Sobald sich durch die Novelle eine Stabilisierung der Umsätze abzeichne, sei der richtige Augenblick gekommen. "Dann ist die Braut prächtig geschmückt und kann verheiratet werden", sagte ein Insider.

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