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RAG : Werner Müllers Kampf gegen den Abstieg

  • -Aktualisiert am

Kämpft für seine Zukunft: Werner Müller Bild: AP

RAG-Chef Werner Müller ist in der Bredouille: Politik und Wirtschaft rücken von ihm ab. Nun gilt es für Müller, den Kohlekompromiss retten, ehe das Konzept zusammenbricht. Hat der Ruhrkohle-Chef dafür genug Stehvermögen? Von Werner Sturbeck.

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          Die vom Essener Energie- und Chemiekonzern RAG gesponserten Spieler des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund tragen seit vielen Monaten ein farbenprächtiges Ausrufezeichen auf ihrem Trikot. An dessen Stelle soll demnächst der Name der Gesellschaft stehen, die RAG-Chef Werner Müller an die Börse bringen will. Der Frage nach dem geheimnisumwitterten Namen des Börsenkandidaten wich Müller bei der Bilanzvorlage schlagfertig aus: „Wir reden heute über Aufsteiger und nicht über Absteiger.“ Das war am 29. März.

          Gut einen Monat später hat sich die Lage umgedreht. Der BVB darf sich in Sicherheit fühlen, während Müller selbst in einen heftigen Abstiegskampf verwickelt ist. Dem RAG-Vorstandsvorsitzenden wird vorgeworfen, er habe beim Abschluss wichtiger Vereinbarungen versäumt, die Zustimmung des Aufsichtsrates einzuholen. Es ist der Essener RWE-Konzern, der Müller der Pflichtverletzung beschuldigt. RWE zielt damit auf den Kopf des Modells für ein sozialverträgliches Ende des hoch subventionierten deutschen Steinkohlenbergbaus und gefährdet damit auch das Konzept der Zechenschließungen selbst.

          Wasser auf die Mühlen der Börsenplangegner

          Gestritten wird nämlich um das Fundament der Ausstiegsfinanzierung, um den Rückzug der heutigen RAG-Aktionäre Eon und RWE sowie Arcelor und Thyssen-Krupp. Gemessen an der historischen Bedeutung der Einstellung des Steinkohlenbergbaus, scheint der Umbau dieser Eigentumsrechte eine Nebensache. Aber für die betroffenen Unternehmen handelt es sich um eine sehr wichtige Entscheidung. Sie sollen ihre RAG-Pakete zu einem symbolischen Preis von einem Euro einer neuen Stiftung überlassen. Diese Stiftung soll dann aus dem Beteiligungsvermögen der Steinkohlengesellschaft RAG - den Chemie-, Energie- und Immobilienunternehmen - die Ewigkeitslasten finanzieren, die nach Schließung der letzten Zeche ab dem Jahr 2018 anfallen. RWE erhebt nun den Verdacht, dass die RAG den lange sperrigen luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor erst durch eine Vorzugsbehandlung für den symbolischen Verkaufspreis gewinnen konnte. Sollte der Vorwurf berechtigt sein, könnten Eon, RWE und Thyssen-Krupp in Verantwortung gegenüber den eigenen Aktionären ihre größeren Anteile nicht mehr für einen Euro abgeben.

          Der Angriff auf den RAG-Chef ist außerdem Wasser auf die Mühlen all derer, die sich gegen die Börsenpläne des früheren Wirtschaftsministers stellen und auf höhere Erlöse durch einen Einzelverkauf der Beteiligungsgesellschaften Degussa, Steag und RAG Immobilien dringen. Den bisher eingeholten Gutachten zufolge würden die bei einer Einzelverwertung zu erwartenden höheren Einnahmen nicht unbedingt das Stiftungsvermögen kräftig mehren, sondern für die Abwicklung unverkäuflicher Vermögensteile benötigt werden. Aber im Auftrag der Berliner Kohlerunde wird dies noch einmal analysiert. Sollte, wie von diversen Investmentbanken und Finanzinvestoren behauptet, ein größeres Nettovermögen erzielbar sein, geht zunächst einmal die Rechnung eines symbolischen Kaufpreises nicht mehr auf. Der erhoffte Vorteil für den Steuerzahler müsste neu geklärt werden.

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