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Qualitätsstandards : Kita ist nicht gleich Kita

  • -Aktualisiert am

Spielen, toben, bauen Bild: dpa

Wer betreut wie viele Kinder? Quer durch die Bundesländer gibt es große Unterschiede in den Kitas. Familienministerin Schröder fordert einheitliche Standards und appelliert an die Mitarbeit der Länder.

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          Wenn Niklas, Gian Luca und Katharina morgens um 7.30 Uhr in die Kita „Rosenhecke“ in Eschborn kommen, nimmt sie eine Erzieherin in Empfang, während die Kollegin in Küche den Tee für das Frühstück vorbereitet. Wenn Erzieherin Manuela Zielke morgens im brandenburgischen Königs Wusterhausen ihre Kita aufschließt, ist sie gut beschäftigt: Bis die nächste Erzieherin ihre Schicht beginnt, ist sie alleine für die Kinder zuständig. Hintergrund sind die unterschiedlichen Standards, die deutschlandweit in den Kinderkrippen und Kindergärten herrschen.

          Nach den Vorgaben des konfessionellen Trägers der „Rosenhecke“, des Bistums Limburg, müssen immer mindestens zwei Fachkräfte gleichzeitig im Einsatz sein. In Brandenburg ist dies anders, dort arbeitet in den Randzeiten nur eine einzige Erzieherin. Diese Vorgabe – und der entsprechende Bedarf der Eltern – haben deutliche Auswirkungen. Während der Kindergarten in Hessen um 7.30 Uhr öffnet, beginnt in den Kitas in Königs Wusterhausen der Tag für die Drei- bis Sechsjährigen um 6 Uhr und endet oftmals erst zwischen 17.30 und 18 Uhr.

          Betreuungszeiten für Kinder von drei Jahren bis Schuleintritt im Ländervergleich
          Betreuungszeiten für Kinder von drei Jahren bis Schuleintritt im Ländervergleich : Bild: Bertelsmann Stiftung

          Ministerin Schröder appelliert an die Länder

          Nun hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder das Thema zur Chefsache gemacht. Sie fordert eine Qualitätsoffensive bei Kindertagesstätten. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll über die Bundesländergrenzen hinweg für ganz Deutschland gültige Kita-Qualitätsstandards festlegen. In einem Brief an die SPD-Vorsitzende und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, kritisiert die Familienministerin, dass bislang die entscheidenden Kita-Qualitätsstandards von jedem Bundesland selbst bestimmt würden - „und das mit erheblichen Unterschieden von Land zu Land“. Gegenüber der F.A.Z. appelliert Ministerin Schröder dabei an den Kooperationswillen der Länder: „Es wäre vernünftig, sich länderübergreifend auf Mindeststandards für die Qualität von Kinderbetreuungs-Einrichtungen zu einigen. Das setzt allerdings voraus, dass alle Länder da mitziehen.“ Um die Qualität der Kinderbetreuung zu verbessern und zum Beispiel zusätzliches Fachpersonal für die Sprach- und Integrationsförderung in Kitas zu finanzieren, unterstütze der Bund die Länder und Kommunen bis 2014 mit Zuschüssen von rund 3 Milliarden Euro und ab 2015 mit jährlich 845 Millionen Euro.

          Dabei steht Schröder mit ihrer Forderung nach einheitlichen Standards nicht allein. Auch Fachleute wie Jörg M. Fegert, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, hat im vergangenen Jahr in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. ein bundesweites Betreuungsqualitätsgesetz gefordert.

          Wie groß die Unterschiede sind, zeigt sich am deutlichsten beim Betreuungsschlüssel in den Einrichtungen. In Bremen betreut eine Vollzeitkraft in einem Kindergarten nach den Erhebungen des Länderreports Frühkindliche Bildung der Bertelsmann-Stiftung rechnerisch 7,3 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Damit nimmt Bremen deutschlandweit den ersten Platz ein vor Baden-Württemberg mit 8,1 Kindern. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,1 Kindern. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern. Dort kümmert sich eine Erzieherin um 13,6 Kinder. Bei den unter Dreijährigen liegt Bremen ebenfalls vorn mit einem Personalschlüssel von einer Fachkraft für 3,1 Kinder. Doch kein Bundesland erfüllte zum Stichtag am 1. März 2012 den empfohlenen Betreuungsschlüssel für den ganz Kleinen von 1 zu 3. Zu bedenken dabei ist auch, dass die gesamte Arbeitszeit einer Erzieherin nicht nur aus basteln und spielen besteht. Rund 25 Prozent der Arbeitszeit verteilt sich auf andere Tätigkeiten wie Elterngespräche, Teamsitzungen oder Fortbildung, so dass sich aus einem Personalschlüssel von 1 zu 3 ein Verhältnis von einer Vollzeitkraft zu vier Ganztageskindern ergibt.

          Heftig gestritten wurde in Hessen beispielsweise auch über die Qualifikationen der Fachkräfte in den Kitas. Im Kinderförderungsgesetz der schwarz-gelben Landesregierung war vorgesehen, dass von 2014 an in Kindertagesstätten auch Angestellte als Fachkräfte arbeiten dürfen, die keine Erzieherausbildung haben.

          Auch die baulichen Vorgaben zur Gestaltung einer Kita gehen weit auseinander. Während in Frankfurt Gruppenräume 75 Quadratmeter messen, gelten in Hamburg 50 Quadratmeter für zehn Kinder als ausreichend. Selbst in der Rhein-Main-Region haben die Kindergartenkinder unterschiedlich viel Bewegungsfreiheit. In Wiesbaden stehen einer Gruppe durchschnittlich 62 Quadratmeter zur Verfügung, im Bistum Limburg nur 51,5 Quadratmeter.

          In dem Streben nach Qualität schießen die Betreiber bisweilen allerdings über das Ziel hinaus. So soll der Neubau einer Kita im Frankfurter Stadtteil Fechenheim 6,26 Millionen Euro kosten. Das Revisionsamt rügte nach einem Bericht der „Frankfurter Neuen Presse“, dass man bei der Planung vor allem bei der Raumhöhe sehr großzügig war. Laut einem vertraulichen Papier sei 2,75 Meter durchaus ausreichend. Geplant waren 2,90 Meter.

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