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Qualitätsbericht zur Pflege : Viele Demenzkranke unnötig eingegittert

Eine Bewohnerin im Altenheim. Bild: dpa

Alte Menschen werden zwar besser gepflegt als noch vor ein paar Jahren - doch gut ist die Situation noch lange nicht. Sogar erhöht hat sich die Zahl der Patienten, die wegen Bettlägrigkeit Druckgeschwüre hatten.

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          Pflegepatienten werden heute besser versorgt als noch vor wenigen Jahren. Allerdings gibt es nach wie vor in wichtigen Versorgungsbereichen erhebliche Defizite. Zu dem Schluss kommt der am Dienstag in Berlin vorgelegte dritte Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes der gesetzlichen Krankenversicherung (MDS).

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Vor allem bei den früher kritisierten Themen Ernährung und Flüssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Demenzkranken seine die Fortschritte gegenüber dem letzten Bericht aus dem Jahr 2007 evident, sagte der für Pflege zuständige Vorstand des GKV-Spitzenverbands Gernot Kiefer. „Die Tatsache, dass es insgesamt besser geworden ist, heißt nicht, dass es überall gut ist“, sagte er.

          Kiefer forderte den Bundestag, der am Donnerstag die Pflegereform in erster Lesung berät, auf, die dort vorgesehen Leistungsverbesserungen für Demenzkranke vorzuziehen und nicht erst, wie geplant, Mitte 2013 in Kraft zu setzen.

          Demenzkranke werden zu oft eingegittert

          Auch der Deutsche Ethikrat verlangte einen menschlicheren Umgang mit den und mehr Geld für die immer zahlreicher werdenden Demenzkranken. Schon heute seine es 1,2 Millionen, davon 400.000 in Heimen, ihre Zahl steige. Das ethische Gebot, die Selbstbestimmung der Menschen mit Demenz zu wahren und zu fördern, sei eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Es müsse mehr darauf geachtet werden, inwieweit Demenzkranke bei der Pflege etwa unnötig mit Gittern im Bett gehalten würden. Laut MDS war bei den Prüfung in jedem zehnten solchen Fall keine ausreichende Begründung dafür gegeben.

          MDS-Chef Peter Pick wies darauf hin, dass die Menschen immer älter seien, wenn sie ins Heim gingen. Damit sei ihr Gesundheitszustand in der Tendenz auch schlechter. Deshalb stiegen die Anforderungen an die Heime. Wenn sie gleichwohl in vielen Bereichen die Versorgung verbessert hätten, zeuge das von erheblichen Anstrengungen.

          Trotz der messbaren Verbesserungen in der stationären wie ambulanten Pflege bleibe Raum für Verbesserungen, sagte Jürgen Brüggemann, der im MDS für Qualitätsmanagement verantwortlich ist. So sei die Pflege bei vier von zehn Patienten, die wegen Bettlägrigkeit Druckgeschwüre (Dekubitus) hatten, unzureichend. Hier habe sich die Lage verschlechtert, obwohl Abhilfe leicht zu schaffen sei, etwa in dem die vom Gewicht abhängigen Matratzen richtig eingestellt würden. „Bei der Dekubitusprophylaxe, aber auch beim Schmerz- und beim Medikamentenmanagement können und müssen die Einrichtungen ihre Qualitätsbemühungen verstärken.“

          Pflegeheime und ambulante Dienste werden seit 2008 regelmäßig durch den Medizinischen Dienst geprüft. Der aktuelle Bericht beruht auf 8101 Prüfungen in Heimen und 7782 Prüfungen von Pflegediensten in der Zeit vom 1. Juli 2009 und dem 31. Dezember 2010. Dabei seien 62.000 Pflegeheimbewohner und 45.000 ambulant betreute Pflegebedürftige überprüft worden. Die Ergebnisse seien repräsentativ für die Pflege in Deutschland.

          Erstmals seien auch Krankheitsbilder ermittelt worden. So seien knapp 61 Prozent der Pflegeheimbewohner in ihrer Alltagskompetenz durch Demenz oder andere altersbedingte Krankheiten eingeschränkt. Knapp ein Drittel leide an chronischen Schmerzen. Zwei von drei Pflegeheimbewohner benötigten eine Inkontinenzversorgung.

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