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Protest gegen Reichensteuer : Frankreichs Profifußballer sollen Arbeit niederlegen

Bald im Streik? Die Spieler von Paris Saint-Germain Bild: AFP

Die französischen Profi-Fußballklubs wollen wegen der Reichensteuer von 75 Prozent über eine kollektive Arbeitsniederlegung entscheiden. Für finanzschwache Vereine gehe es ums Überleben.

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          Der französische Spitzenfußball läuft Sturm gegen die Reichensteuer der sozialistischen Regierung. Die Vereine der ersten und zweiten Liga drohen jetzt sogar mit einem Streik, um gegen die Steuer von 75 Prozent zu protestieren, die für alle Angestellten ab einer Million Euro Einkommen anfällt und von den Unternehmen bezahlt werden muss. „Die Lage ist alarmierend. Für mehrere Klubs geht es ums Überleben“, sagt Bernard Caïazzo, Präsident des AS Saint-Etienne. Am kommenden Donnerstag will der Verband der Profi-Fußballklubs UCPF in einer außerordentlichen Hauptversammlung darüber entscheiden, ob er für das Wochenende des 26. und 27. Oktober zur Arbeitsverweigerung aufrufen soll. „Verschiedene Szenarien sind möglich, alles Weitere hängt jetzt von der Regierung ab“, sagte der UCPF-Präsident Jean-Pierre Louvel.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Reichensteuer von 75 Prozent bringt die französische Wirtschaft seit dem Amtsantritt von François Hollande in Wallung. Nach dem Einspruch des Verfassungsrates soll die Steuer, die wegen der Einrechnung von Sozialabgaben in Wirklichkeit einen Steuersatz von 50 Prozent enthält, im nächsten und übernächsten Jahr von den Unternehmen bezahlt werden. Die Regierung erwartet laut Haushaltsplan, der zurzeit im Parlament debattiert wird, Einnahmen von 260 Millionen Euro. Weniger als 1000 Personen sollen von der Steuer betroffen sein, heißt es. Doch die genaue Zahl kennt niemand. Einige Unternehmen, besonders im Finanzbereich, haben gut bezahlte Angestellte und Führungskräfte ins Ausland verlegt, etwa Wertpapierhändler nach London.

          Ob es wirklich zu einem Streik kommt, ist ungewiss

          Die Fußballklubs hatten lange Zeit geglaubt, dass sie der Steuer entgehen können. Doch sie täuschten sich. Nach Angaben des französischen Fußballverbandes LFP wird die Steuer 13 Erstligaklubs rund 44 Millionen Euro kosten. Fast die Hälfte fällt auf den Pariser Spitzenklub Paris-Saint-Germain, der aufgrund seines reichen Eigentümers, des Emirats Qatar, damit noch die wenigsten Probleme haben dürfte. Doch etliche kleinere Klubs wie Valenciennes, Bastia, Ajaccio oder Guingamp fühlen sich bedroht. Insgesamt ist der französische Spitzenfußball nicht so finanzstark wie die Vereine in Großbritannien oder in Deutschland. Die Stadien sind oft halbleer und gehören selten den Klubs. Im vergangenen Jahr überwiesen die Profiklubs an den Staat nach eigenen Angaben mehr als 700 Millionen Euro an Sozialabgaben und Steuern. Die Einnahmen aus den TV-Rechten betrugen dagegen nur 650 Millionen Euro. Insgesamt entstand im französischen Profifußball im vergangenen Jahr ein Verlust von 80 Millionen Euro, berichten die Funktionäre. „Die Steuer bedroht 25.000 Arbeitsplätze, die wir direkt und indirekt schaffen“, warnt Verbandspräsident Louvel.

          Ausgerechnet der aktuelle Spitzenreiter der Ligue 1 könnte der Steuer indes entgehen: Der AS Monaco, hinter dem ein reicher russischer Investor steht, genießt einen Sonderstatus. Das letzte Wort ist in dieser Hinsicht jedoch noch nicht gesprochen, weil die anderen Vereine auf Gleichbehandlung drängen.

          Ob es wirklich zu einem Streik kommt, ist ungewiss. Etliche Kommentatoren glauben, dass die Spieler einem Aufruf nicht folgen würden. In unguter Erinnerung ist noch der Streik der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika geblieben. Damals verweigerte die Mannschaft das Training, nachdem ein Spieler wegen Undiszipliniertheit nach Hause geschickt worden war. Bis heute ist die Fußball-Nationalmannschaft in Frankreich deshalb unpopulär. Leitbilder wie der schwedische PSG-Star Zlatan Ibrahimovic, der rund 14 Millionen Euro im Jahr verdienen soll, eignen sich in der französischen Öffentlichkeit zudem schlecht, um Mitgefühl zu erwecken. Die Regierung verweist zudem darauf, dass eine Obergrenze eingeführt werde: Kein Unternehmen soll mehr als 5 Prozent seines Umsatzes durch die 75 Prozent-Steuer zahlen müssen.

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