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Protest gegen niedrige Preise : Französische Bauern-Kolonnen rollen nach Paris

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Nach den deutschen Bauern machen nun die französischen Viehzüchter mobil: Wegen der eingebrochenen Milch- und Fleischpreise fahren sie mit ihren Traktoren in die Hauptstadt.

          Gerade haben deutsche Bauern eine lange Protestfahrt von Nord nach Süd mit einer Kundgebung in München abgeschlossen. Nun gehen, oder besser gesagt, fahren ihre französischen Berufskollegen mit Traktoren nach Paris. Der Grund ist derselbe: Die Bauern verlangen angesichts niedriger Preise zum Beispiel für Milch Hilfe. Sonst, so sagen sie, können viele Betriebe nicht überleben. Am kommenden Montag treffen sich die EU-Agrarminister in Brüssel, um über diese Situation zu beraten und mögliche Hilfe auf den Weg zu bringen.

          An diesem Donnerstagmorgen machten sich mehrere Traktor-Kolonnen auf Autobahnen im Umland von Paris auf den Weg in die französische Hauptstadt. Der Bauernverband FNSEA erwartete mehrere Tausend Landwirte mit gut 1500 Treckern. Die Pariser Polizeipräfektur hatte Autofahrern vorsorglich schon geraten, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Am Sonntag wollen sich die Bauern auf den Weg nach Brüssel machen, um vor dem EU-Ratsgebäude ihre Proteste fortzusetzen.

          Inzwischen ist die Krise da

          Auch in Deutschland bangen viele der rund 80.000 Milchbauern um ihre Existenz, weil ihre Einnahmen aus der Milchproduktion in diesem Jahr stark zurückgehen. Seit dem vergangenen Jahr ist der Auszahlungspreis, den sie von den Molkereien erhalten, um mehr als zehn Cent pro Kilo Rohmilch gefallen.

          Überraschend kommt das nicht: Schon vor anderthalb Jahren hatte der ehemalige EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vor einer neuen Milchkrise gewarnt. Den deutschen Milchbauern ging es damals so gut wie seit langem nicht. Sie erhielten mehr als 40 Cent je Liter. Ciolos aber hatte schon im Mai 2014 das Ende der Milchquote ein Jahr später im Blick. Wenn erst einmal jeder Bauer soviel Milch produzieren dürfe, wie er wolle, werde das zwangsläufig Auswirkungen auf die Preise haben, warnte er damals. Tatsächlich stieg die Milchproduktion in der EU im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent und damit stärker als in Neuseeland oder den Vereinigten Staaten, wo die Wachstumsrate bei knapp 2 Prozent lag.

          Inzwischen ist die Krise eingetreten. Der Preis ist klar unter die Marke von 30 Cent je Liter - oder je Kilogramm, der maßgeblichen Einheit im Milchsektor - gesunken. Das lag nicht nur am Anstieg des Angebots. Parallel dazu ging die Nachfrage wegen der schwächeren Wirtschaft in Asien und wegen des Russlands-Embargos zurück. Prompt fordern die Milchbauern neue EU-Hilfen und einige die Wiedereinführung der Milchquote.

          Quote gegen Milchseen und Butterberge

          Die Milchquote hatte die EU in den achtziger Jahren eingeführt, um die ausufernde Milchproduktion - Stichwort Milchseen und Butterberge  - und den damit verbundenen Verfall der Milchpreise in den Griff zu bekommen. Zuvor konnten die Landwirte soviel produzieren, wie sie wollten. Die EU garantierte ihnen einen Mindestpreis (Interventionspreis), zu dem sie überschüssige Milch und Milchprodukte einlagerte. Mit der Einführung der Milchquote durfte jeder Bauer nur noch eine bestimmte Menge Milch im Jahr produzieren. Überschritt er diese Quote, musste er Strafe zahlen, die sogenannte Superabgabe. Zuletzt zahlten die Bauern dafür 900 Millionen Euro.

          2013 aber beschlossen die EU-Staaten und das Europäische Parlament endgültig, die aus der Zeit gefallene Milchquote abzuschaffen. Zwei Gründe gab es dafür: Die Quote hat das Ziel, den Preis zu stabilisieren, nur sehr begrenzt erreicht. Das lag auch daran, dass die Quote von Anfang an viel höher lag als der Verbrauch in Europa. Vor allem aber hat die EU schon vor Jahren die Devise ausgegeben, die Agrarpolitik grundsätzlich stärker am Markt ausrichten. Das geschah im Milchsektor auch in dem Bewusstsein, dass die Nachfrage nach Milch auf der Welt, nicht zuletzt in Asien, mittelfristig auf jeden Fall steigt.

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