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Privatschulen : Die erste Schulstunde nach der Insolvenz

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Turnen zwischen den Aufgaben: Ausgleich für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen Bild: Helmut Fricke

Auch Schulen können pleitegehen. Diese Erfahrung machten zwei private Gymnasien für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen. Nach der Insolvenz haben sie nun die Chance, ihre Finanzierung solide zu planen.

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          Auf ein großes blaues Plakat haben die Fünftklässler des Privaten Gymnasiums Esslingen geschrieben, wie es ihnen in ihrer neuen Schule geht. "Viel, viel, viel besser als in meiner alten Schule", lautet eine Antwort. Ein anderes Kind hat notiert: "Mir geht es an meiner neuen Schule gut, weil alle so sind wie ich." Allen Schülern gemein ist die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADS. Wegen dieser Krankheit können sie sich nicht gut konzentrieren; viele sind außerdem hyperaktiv; dann nennt man die Krankheit ADHS. Seit September 2007 besuchen die Schüler das erste Gymnasium in Deutschland für Kinder und Jugendliche mit ADS. Dass es diese private Schule gibt, ist dem Engagement von Eltern, Pädagogen und Psychologen zu verdanken. Auf deren Initiative wurde die Münsinger Schule gGmbH gegründet, die vom damaligen Leiter der Schule geführt wurde. Dieser gründete schon kurz darauf die nächste Schule: Im September 2008 begann man im 50 Kilometer entfernten Münsingen hochbegabte Kinder mit ADS in einem Internatsgymnasium zu unterrichten. Während in Esslingen knapp 60 Kinder die Schulbank drückten, waren es in Münsingen nur 20. Man plante aber, ihre Zahl auf 150 zu steigern. Doch schon im November meldete die Münsinger Schule gGmbH Insolvenz an; beiden Schulen drohte die Schließung.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Die gemeinnützige GmbH habe sich finanziell übernommen, ist in Esslingen zu hören. In Münsingen spricht man von "eklatanten Managementfehlern": Es habe kein kaufmännisches Konzept gegeben. "Die Einnahmen haben bei weitem nicht die Kosten gedeckt", sagt Katja Rinn. Sie ist Mitarbeiterin des zuständigen Stuttgarter Insolvenzverwalters, Philipp Grub. Man habe sich zu sehr auf wenige große Spenden verlassen.

          In der Startphase deckt das Schulgeld selten sämtliche Kosten

          Eine Einstellung des Schulbetriebs wollten Eltern und Mitarbeiter beider Schulen jedoch keinesfalls hinnehmen: Sie setzten alles daran, die Schulen zu retten. Und während man in Münsingen noch bis Ende März von der insolventen GmbH und dem Insolvenzverwalter weitergeführt wird, hat der Trägerverein, den die Esslinger Eltern und Schulmitarbeiter gegründet haben, die Schule schon im Januar, knapp zwei Monate nach der Insolvenz, übernommen.

          Wenn eine private Schule pleitegeht, dann am ehesten in der ersten Zeit. Staatliche Förderung, die im Schnitt zwei Drittel der Gesamtkosten deckt, gibt es nämlich meist erst nach einigen Jahren. Oft sind es wie in Baden-Württemberg drei Jahre. In dieser Phase sämtliche Kosten durch das Schulgeld zu decken kommt für die meisten Schulträger aus sozialen Gründen nicht in Frage. Auch rechtlich ist das problematisch. Doch trotzdem überlebten fast alle Neugründungen, sagt Christiane Witek vom Verband Deutscher Privatschulverbände. Um das Risiko zu begrenzen, fingen die meisten klein an und machten sich viele Gedanken über das Finanzkonzept. Außerdem liege den Schulgründern ihr Projekt so sehr am Herzen, dass sie alles täten, um das Überleben sicherzustellen.

          „Unsere Kinder haben großes Vertrauen, dass wir die Schule retten“

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