https://www.faz.net/-gqe-vbdd

Privatisierung : Bahn gegen Volksaktien-Modell

  • Aktualisiert am

Die Diskussion um die Privatisierung der Bahn geht weiter Bild: AP

In der Debatte um den geplanten Börsengang der Bahn hat sich der bundeseigene Konzern gegen das Volksaktien-Modell der SPD ausgesprochen. Das Konstrukt sei „völlig unausgegoren“.

          1 Min.

          Die Deutsche Bahn warnt vor einem erhöhten Renditedruck für den Konzern, falls Pläne für eine Volksaktie realisiert werden. „Das ist alles vom Konstrukt her völlig unausgegoren“, kritisierte Finanzvorstand Diethelm Sack am Donnerstag in Berlin. Während ein normaler Investor eine Dividende von drei bis vier Prozent erwarte, sehe die Volksaktie eine Garantiedividende von fünf Prozent vor. Hinzu komme, dass die Bahn zusätzlich den achtfachen Betrag in der Kapitalrücklage fließen lassen müsse. Damit müsse für die Volksaktie eine Rendite von insgesamt zehn Prozent erwirtschaftet werden. „Das erhöht den Renditedruck“, sagte Sack. Abgesehen davon seien bei dem Volksaktienmodell noch viele Fragen ungeklärt.

          Kein Wunschinvestor

          So würde bei den eigentlich stimmlosen Aktien das Stimmrecht wieder aufleben, wenn die Garantiedividende zwei Jahre lang nicht bezahlt werde. Der Bund hätte dann keine besonderen Rechte mehr und wäre ganz normaler Aktionär, warnte der Bahn-Manager. Außerdem kauften die meisten Privatanleger ihre Aktien über Fonds. Es sei aber unklar, ob Fonds oder Ausländer die Volksaktien überhaupt kaufen dürften. „Das wird Auswirkungen für die Investitionsneigung ausländischer Investoren in Deutschland insgesamt haben“, sagte der Finanzvorstand.

          Nach seinen Angaben besitzen derzeit zwischen 1,9 und 2,5 Millionen Kleinanleger in Deutschland Aktien. Bleibe es bei diesem Stand, müsste nach dem derzeitigen Volksaktienmodell jeder dieser Kleinanleger 200 Bahnaktien zeichnen, erklärte Sack.

          Einen Wunschinvestor für die Teilprivatisierung habe die Bahn nicht, sagte der Finanzvorstand. Der Konzern erwäge aber ein Mitarbeiteraktien-Modell. Danach könne es für Beschäftigte bei einer Haltezeit von sechs Jahren einen Preisnachlass auf den Zeichnungspreis geben. Außerdem wolle der Konzern auch Privatkunden und institutionelle Anleger ansprechen. Sack wies zugleich aber darauf hin, dass der Bund über die Platzierung entscheide. Die Pläne für eine Volksaktie sind in der SPD entwickelt worden. Die Sozialdemokraten wollen darüber bei ihrem Parteitag Ende Oktober entscheiden.

          Weitere Themen

          Trump bläst den Handelskrieg ab

          Einigung in Sicht : Trump bläst den Handelskrieg ab

          Jetzt soll der Kompromiss mit China stehen: Nach monatelangen Streitigkeiten hat Donald Trump laut Medienberichten ein erstes Handelsabkommen mit dem Land abgesegnet.

          Topmeldungen

          Triumphaler Wahlsieg: Boris Johnson am Freitagmorgen in London

          Sieben Antworten zur Wahl : Naht das Ende des Vereinigten Königreichs?

          Boris Johnsons Konservative triumphieren, Labour und die kleinen Parteien haben wenig zu lachen – bis auf schottische Nationalisten und irische Republikaner. Unser Korrespondent beantwortet die wichtigsten Fragen zur britischen Wahl.
          Sollen am Checkpoint Charlie die Brandwände sichtbar bleiben, als Erinnerung an die Teilung Berlins? Oder soll man hier Hochhäuser bauen und die Erinnerung einem unterirdischen Museum überlassen?

          Dauerbaustelle Berlin : Unter dem Pflaster liegt der Filz

          Der Skandal um die Bauakademie und weitere Berliner Symbolprojekte zeigen, dass die Kulturpolitik ein Kungelei- und Kompetenzproblem hat. Wird man wenigstens im Streit um den Checkpoint Charlie eine gute Lösung finden?

          EU-Gipfel in Brüssel : Polen stellt sich quer

          Der EU-Gipfel sagt zu, die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen - ausgenommen Polen. Warschau blockiert so das erhoffte Signal zum Ende der Klimakonferenz in Madrid.
          Allein geht es nicht: Der Rapper Kollegah kann sich forsche Töne leisten, weil er einen Beschützer hat.

          Familienclans und Rocker : Die „Rücken“ der Rapper

          Rapper in Deutschland haben oft mit kriminellen Milieus zu tun. Sie lassen sich von Rockern und Clans beschützen. Wenn die Hintermänner streiten, wird es gefährlich. Ein Einblick in die Welt von Kollegah, Capital Bra und Bushido.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.