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Privat oder gesetzlich? : „Man kann keine eindeutige Empfehlung geben“

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Das Fazit ist trostlos: Beide Systeme der Krankenversicherung stehen wahrscheinlich vor größeren Veränderungen, die zu Verschlechterungen führen dürften, sagt DIW-Gesundheitsexperte Steiner im Interview.

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          Herr Steiner, die Pläne für eine Reform der gesetzlichen Krankenkassen könnten Gutverdiener weiter belasten. Sollte man jetzt schnell noch in die Private wechseln?

          Ein Wechsel in die private Krankenversicherung bietet sich ja schon jetzt, vor einer Reform, nicht für jeden an. Wer schon über 40 ist oder wer Kinder hat, für den ist die gesetzliche Kasse in der Regel die billigere Variante. Wer allerdings noch jünger als 30 ist und keine Familie gründen will, für den können die Privaten attraktiv sein.

          Warum?

          Abgesehen von den oft besseren Leistungen, sind die privaten Anbieter besser auf die alternde Gesellschaft vorbereitet, da dies in die Altersrückstellungen eingerechnet ist. Die Gesetzliche hat hingegen einen ständigen Reformbedarf, weil sie keine Rückstellungen bildet und von der Zahl der Beitragszahler abhängt. Die nimmt stetig ab. Die Reformen führen dann vielleicht nicht zu steigenden Beiträgen, aber zu immer weniger Leistung.

          Also spricht nichts gegen die Privaten?

          Vorsicht ist geboten, denn im Rahmen der Gesundheitsreform könnten auch die Regeln für den Neuzugang zu den Privaten verschärft werden.

          Mit welchen Folgen?

          Wenn die Privatversicherungen immer weniger neue, junge Kunden gewinnen können, dürften die Prämien der Bestandskunden steigen. Denn die Fixkosten in der Verwaltung werden dann von weniger Kunden getragen.

          Gegen die Privaten spricht doch auch der fehlende Wettbewerb.

          Das ist derzeit noch so. Ein Wechsel des Anbieters ist eigentlich nur in jungen Jahren finanziell erträglich, denn die Versicherten verlieren all die von ihnen gebildeten Altersrückstellungen. Die werden natürlich mit steigendem Alter immer größer. Aber es ist geplant, daß diese Rückstellungen bei einem Wechsel mitgenommen werden können. Das würde den Wettbewerb zum Wohle des Kunden deutlich stärken.

          Ihr Fazit: Privat oder gesetzlich?

          Man kann keine eindeutige Empfehlung geben. Beide Systeme stehen wahrscheinlich vor größeren Veränderungen, die zu Verschlechterungen führen dürften.

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