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Weiter kaufen : Primark macht stark

Was passiert denn in Bangladesch, wenn Sie jetzt Ihren Boykott durchziehen? Die Textilfabrik geht pleite, die Leute werden auf die Straße geschickt. Nur damit Sie ein gutes Gewissen haben.

          Ein guter Mensch zu sein, das ist so einfach. Da hören Sie, dass sich eine Textilarbeiterin aus Bangladesch über die Zustände in ihrer Fabrik beklagt. Kein Problem: Dann gehen Sie halt in einen anderen Laden, holen sich Anzüge aus Italien und T-Shirts aus Deutschland, das sieht sowieso besser aus. Dann haben Sie’s den fiesen Konzernen mal wieder gezeigt. Ihr Gewissen gibt Ruhe, alles ist gut – ja?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein, so simpel ist die Welt nicht. Lassen wir mal die Frage weg, ob der Einnäher echt ist oder nicht. Die Zustände in Asien sind furchtbar, über Bangladesch hört man fast monatlich Horrornachrichten. Aber mit einem Boykott machen Sie alles nur noch schlimmer. Überlegen Sie mal: Was passiert denn in Bangladesch, wenn Sie jetzt Ihren Boykott durchziehen? Die Textilfabrik geht pleite, die Leute werden auf die Straße geschickt, manche müssen zurück in die elenden Dörfer, aus denen sie gerade erst geflohen waren. Und wenn die Dürre kommt, verhungern sie. Nur, damit Sie in Deutschland ein gutes Gewissen haben. Nein, so geht’s nicht.

          Sie glauben mir nicht? Dann fragen Sie doch mal Terre des Hommes, das Kinderhilfswerk. Das sind nicht gerade die größten Verfechter von hartem Kapitalismus, aber sie halten von Boykottaufrufen gar nichts – nicht mal, wenn es um Kinderarbeit geht. „Nicht zielführend“ ist die feine Formulierung, die sie gerade vor ein paar Tagen gebraucht haben.

          Rechte kriegt halt doch nur der, der sie durchsetzen kann. So wie in China: Dort wandert die Macht gerade zu den Arbeitern. Wenn den Arbeitern etwas nicht passt, dann streiken sie. Oder sie suchen sich ohne großes Aufhebens eine neue Stelle. Manche kommen einfach nicht mehr zur Arbeit. Und die Konzerne lernen um: Inzwischen besuchen die Personalverantwortlichen Seminare und wollen wissen, welche Wohltaten für die Arbeiter die attraktivsten sind.

          Diese Macht haben die Arbeiter nur, wenn sie stark sind. Dazu brauchen sie erst mal genug zu essen, auch wenn’s nur Pampe ist. Und sie brauchen Kunden für ihre Produkte. Was hilft den Näherinnen ein Streik, wenn sowieso niemand ihre T-Shirts kauft? Also: Kaufen Sie! Wenn Ihnen Primark nicht gefällt, dann kaufen Sie bei Adidas. Oder bei Puma. Oder im Fair-Trade-Shop. Oder spenden Sie Ihr Geld. Aber boykottieren Sie nicht. Streiken müssen nicht Sie, sondern die Arbeiter in Bangladesch. Helfen Sie ihnen.

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