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Preisschub : Bundesbank warnt vor Inflation

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Laut Bundesbank ist das Ansteigen der Verbraucherpreise offenbar noch nicht zu Ende Bild: AP

Glaubt man der Bundesbank ist ein Ende der steigenden Inflation noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: In ihrem neuen Monatsbericht warnt die Bundesbank vor einem neuen Preisschub. Laut EZB-Chef Trichet droht sogar eine Lohn-Preis-Spirale.

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          Die Bundesbank sieht einen neuen Preisschub auf die Verbraucher zukommen. In den nächsten Monaten dürften die Kosten für die Lebenshaltung „wieder deutlich steigen“, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank. Ein Grund dafür seien die hohen Ölpreise. „Erst zum Spätherbst ist mit einem stärkeren Rückgang zu rechnen, wenn nicht neue Belastungen hinzukommen“, schrieb die Bundesbank. Im April war die Teuerungsrate auf 2,4 Prozent gesunken, nachdem im März mit 3,1 Prozent der zweithöchste Wert seit 1994 erreicht worden war.

          Mit Sorge beobachtet die Bundesbank auch die steigenden Löhne und Gehälter. Die Tarifverdienste seien in den ersten drei Monaten um durchschnittlich 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Der Zuwachs sei damit doppelt so stark ausgefallen wie im vierten Quartal 2007. Das lasse kaum mehr positive Impulse für die Beschäftigung erwarten. „Und aus stabilitätspolitischer Sicht ist die Lohnrunde 2008 nicht frei von Risiken“, schrieb die Bundesbank.

          Trichet warnt vor Lohn-Preis-Spirale

          Sie befürchtet, dass die Unternehmen die höheren Lohnkosten auf die Endverbraucher abwälzen. Die Teuerung könnte dann zusätzlich angeheizt werden und sich verfestigen. Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte davor, dass sich höhere Preise und Löhne gegenseitig nach oben schaukeln können. Die Fehler der siebziger Jahre - als der Ölpreisschock eine solche Lohn-Preis-Spirale auslöste - dürften nicht wiederholt werden, sagte Trichet im BBC-Rundfunk. Dieses Verhalten habe „ein hohes Inflationsniveau auf lange Zeit zementiert“ und zu Massenarbeitslosigkeit in Europa geführt. Preisstabilität sei die beste Voraussetzung, um nachhaltiges Wachstum und einen soliden Stellenaufbau zu erreichen.

          Bundesbankchef Axel Weber schließt wegen der hohen Teuerung auch Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht aus. „Ich habe immer betont, dass wir angesichts des derzeit sehr kräftigen Preisauftriebs die Option einer Leitzinserhöhung nicht aus den Augen verlieren dürfen“, sagte das EZB-Ratsmitglied kürzlich. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Höhere Leitzinsen verteuern die Kredite für Verbraucher und Unternehmen. Das dämpft Konsumausgaben und Investitionen. Die geringere Nachfrage wiederum kann den Preisdruck bremsen.

          Wirtschaft wird nur noch „in ruhigeren Bahnen“ wachsen

          Nach dem fulminanten Start ins Jahr hat die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der Bundesbank ihren Höhepunkt hinter sich und wird künftig nur noch „in ruhigeren Bahnen“ wachsen. Die Finanzmarktkrise, der starke Euro und der hohe Ölpreis dürften die Exporte und das Wachstumstempo bremsen. Es gebe aber eine „solide konjunkturelle Grunddynamik“, schreibt die Bundesbank.

          Viele Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaft 2008 zum dritten Mal in Folge mit mehr als zwei Prozent wachsen wird; die Bundesbank rechnet mit 1,9 Prozent. Das überraschend hohe Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent im ersten Quartal - das höchste seit zwölf Jahren - darf laut Bundesbank nicht überbewertet werden und sei von Sonderfaktoren beeinflusst. Das gute Ergebnis könne „nicht ohne weiteres in die Zukunft fortgeschrieben werden.“ Die milde Witterung habe zu Jahresbeginn die Winterpause am Bau weitgehend ausfallen lassen und der frühe Ostertermin habe dem Einzelhandel steigende Umsätze beschert.

          Allerdings habe der starke Jahresauftakt gezeigt, „welches Potenzial in der deutschen Wirtschaft auch nach einer bald vier Jahre währenden zyklischen Aufschwungbewegung im Prinzip noch steckt.“ Die Firmen werden laut Bundesbank weiter investieren. Der Rekordölpreis, der teure Euro und die schwächere Nachfrage würden die deutschen Exporte allerdings bremsen. Der Konsum könne sich wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt etwas erholen, jedoch entziehe die Inflation den Verbrauchern Kaufkraft.

          Immer noch hohes Wohlstandsgefälle zwischen Amerika und Deutschland

          Das Wohlstandsgefälle zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ist in den vergangenen Jahren trotz der Aufholjagd der deutschen Wirtschaft unvermindert hoch geblieben. So war 2007 das Einkommensniveau pro Kopf (reales Netto-Inlandsprodukt) in den Vereinigten Staaten rund 27 Prozent höher als in Deutschland, schreibt die Bundesbank.

          Damit lag Deutschland nur wenig vor den Ländern des Euro-Raums, die mit einem Einkommensniveau pro Kopf von 28.200 Dollar (nach heutigem Kurs rund 18 092 Euro) um 30 Prozent hinter den Vereinigten Staaten landeten. „Der Abstand ist damit noch genauso groß wie Ende der 90er Jahre“, schreibt die Bundesbank. „Auch in Deutschland ist die Einkommenslücke im Vergleich zu den USA nicht kleiner geworden.“

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