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Portrait : Der Seehofer

Horst Seehofer ist wieder da Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Horst Seehofer ist die Klammer um Rot und Schwarz. Er ist die Inkarnation des Sozialen und bedient alle Sehnsüchte nach der heilen Welt. Die große Koalition ist für ihn das größte Glück.

          Manchmal kann Horst Seehofer sein Glück selber nicht fassen. Er, auf dessen politische Karriere vor einem Jahr niemand mehr einen Cent gewettet hätte, ist der populärste Politiker der Bundesrepublik. Populärer sogar als die Bundeskanzlerin.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Angela Merkel, die ihn im November 2004 im unionsinternen Streit darüber, wie radikal das deutsche Gesundheitssystem umgekrempelt werden soll, in Schimpf und Schande aus der Führung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag drängte, holte ihn auf den Tag genau ein Jahr nach seinem unfreiwilligen Rückzug als Agrarminister in ihr Kabinett.

          Jetzt bittet sie ihn, im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf für die CDU noch ein paar zusätzliche Wahlkampfveranstaltungen zu machen. „Vor einem Jahr hatte ich da noch Einreiseverbot“, sagt Seehofer lachend.

          Mittlerweile läuft Seehofer Stoiber den Rang ab

          Wieder da

          Sein Lächeln spricht Bände: Euch habe ich es allen gezeigt. Selbst bei seinen innerparteilichen Gegnern stoße er nun wieder „auf ein hohes Maß an Wohlwollen“, erzählt er gern im kleinen Kreis. Der Schalk steht ihm dann ins Gesicht geschrieben. Doch Seehofer übertreibt nicht. Am Freitag mußte er wegen des plötzlichen Wintereinbruchs in Süddeutschland drei Stunden lang in der Lufthansa-Lounge des Flughafens Berlin-Tegel warten. Alle machten sie ihm da ihre Aufwartung.

          Der 56jährige Ingolstädter ist wieder da, wo er sich wohl fühlt: in der ersten Reihe auf der politischen Bühne in Berlin. Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist dabei sicher nicht das Amt, von dem Seehofer geträumt hat. Er ist seit mehr als 25 Jahren Sozialpolitiker im Bundestag.

          Er kennt sich bis in die letzten Winkel aus, wenn es um Themen wie Gesundheit, Rente oder Arbeitsmarkt geht. Mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt von der SPD versteht er sich prächtig. „Die kann schon was, die Ulla“, sagt er. Nicht über alle Kabinettsmitglieder spricht er so freundlich wie über die Gesundheitsministerin und über Sozialminister Franz Müntefering (SPD).

          Der Agrarminister bleibt Sozialpolitiker

          Auf Veranstaltungen des Bauernverbandes läßt sich gut beobachten, wo die Gründe für seinen Erfolg liegen. Freitag reiste er zum Antrittsbesuch nach Baden-Württemberg und sprach dort im Staatsweingut Weinsberg mit Vertretern der Agrarverbände. Seehofer spricht frei. „Die Bedeutung der Agrarwirtschaft muß wieder stärker in den Blickpunkt der Gesellschaft rücken“, sagt er.

          Da nicken die ersten. Öko-Bauern wolle er nicht gegen konventionelle Landwirte ausspielen. Da nicken noch ein paar mehr. Am Ende gibt es kräftigen Beifall. Nach der kantigen Grünen Renate Künast lieben die Landwirte Seehofer und seine klare Sprache. In Weinsberg weiß er nach einer Minute, daß sein Auftritt funktioniert.

          Doch Publikumsliebling ist der Agrarminister nicht wegen seiner Bauernpolitik, sondern wegen seiner Ansichten zum Sozialstaat. Rente mit 67? Ja, die will er auch, aber nur, wenn die Älteren auch die Chance bekommen zu arbeiten. Rentenkürzungen? Nein. Der Sozialpolitiker Seehofer bleibt sich treu. Radikale Schnitte lehnt er ab. Als „Anwalt der kleinen Leute“ sieht er sich. In der Union verspotten manche ihn deswegen als „neunten Sozialdemokraten“ am Kabinettstisch der großen Koalition.

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