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Platzmangel in der Großstadt : Her mit den Wohnungen!

Die Immobilienplattform Immowelt hat für eine repräsentative Befragung 2012 in Dörfern und Kleinstädten folgende Frage gestellt: „Könnten Sie sich einen Umzug in die Großstadt vorstellen?“ Zwei Drittel sagten ja oder schlossen es zumindest für die nächsten Jahre nicht aus. Noch bemerkenswerter ist die Aussage der Dorffamilien mit Kleinkindern. Zwei Drittel von ihnen sagten ebenfalls, sie könnten sich ein Leben in der Großstadt vorstellen - eine Trendwende. Drei Jahre zuvor erwogen nur 40 Prozent der Familien einen Großstadtumzug.

Man will sich beim Wohnraum nicht verschlechtern

Frankfurt speziell erlebt ein Stimmungshoch: Die Leute fühlen sich hier so gut wie selten zuvor, ergibt eine Bürgerbefragung der Stadt. Die alten Großthemen Drogen, Kriminalität oder Konflikte zwischen In- und Ausländern bereiten den Bürgen nur noch selten Probleme, von Arbeitslosigkeit fühlt sich kaum einer bedroht. Ärger bereiten der Verkehr, der Fluglärm und neuerdings wieder - der Wohnungsmarkt.

Frankfurts neue Attraktivität wird zum Problem, weil sie sich in Wohnungsmangel ummünzt. Und wenn es nur das wäre. Es gibt noch einen geheimen Faktor, der die Nachfrage nach Wohnraum erhöht. Es ist, könnte man sagen, eine Lieblingskennziffer des Frankfurter Stadtplaners Martin Wentz: Jedes Jahr beanspruchen die Bürger im Schnitt 0,5 Prozent mehr Wohnraum als im Vorjahr. „Das ist eine kleine Größe mit kolossaler Wirkung: Ein Stadt wie Frankfurt muss jedes Jahr rund 1800 Wohnungen bauen, um die Einwohnerzahl stabil zu halten.“ Das heißt übertragen: Alle sechs bis sieben Jahre müsste allein wegen dieses Effektes rein rechnerisch ein neuer Stadtteil in Frankfurt entstehen.

Dieser robuste, von Wirtschaftskrisen kaum gebremste individuelle Expansionstrend hängt ebenfalls mit gesellschaftlichem Wandel und neuen Ansprüchen zusammen. Der Wohnraum pro Kopf erhöht sich nach Scheidungen, wenn die Kinder das Haus verlassen und wenn ein Ehepartner den anderen lange überlebt. Dazu kommt der tiefverwurzelte Wunsch, sich beim Wohnraum nicht zu verschlechtern, sondern zu verbessern. Wer eine zu große Wohnung aufgeben muss, dokumentiert seinen sozialen Abstieg. Die von grünen Kommunalpolitikern gepflegte Vorstellung, die Leute sollten sich bescheiden, läuft ins Leere: „Wer den Trend brechen will, muss den Wohnraum zwangsbewirtschaften“, sagt Wentz.

Jede Lücke in beliebten Vierteln wird gefüllt

Einig sind sich die Stadtplaner, dass sie den alten Suburbanisierungstrend nicht mehr befördern wollen, denn das tut der städtischen Mischung nicht gut. „Frankfurt hat lange Jahre große Teile der jungen aktiven Bevölkerung ans Umland verloren, weil die Phantasie und die politische Kraft zur Schaffung von Bauland fehlten“, beklagt Wentz. Zurück blieben die Alten, die Unbeweglichen und die Bewohner geförderter Wohnungen.

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